Wie hier entlang des Altstadtrings plant die Stadt Esslingen weitere Tempo-30-Regelungen Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Übermäßiger Verkehrslärm ist nicht nur störend – er kann sich auch negativ auf die Gesundheit auswirken. Deshalb plant die Stadt Esslingen für neun besonders belastete Straßenabschnitte Tempo 30.

EsslingenAnwohner viel befahrener Straßen in Esslingen klagen schon lange über belastenden Verkehrslärm – entlang mancher Straßenabschnitte werden Werte erreicht, die als gesundheitsgefährdend gelten. Das Umweltbundesamt betont: „Zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken sollten 65 dB(A) tags beziehungsweise 55 dB(A) nachts nicht überschritten werden.“ Liegen die Lärmpegel – wie entlang einiger Esslinger Straßenabschnitte – tagsüber höher als 70 dB(A) und nachts über 60 dB(A), ist die Sache für Ordnungsamts-Chef Gerhard Gorzellik klar: „Bei Größenordnungen, die als gesundheitsgefährdend gelten, müssen wir handeln.“ Was das bedeutet, hat Gorzellik nun im Mobilitätsausschuss des Gemeinderates erläutert: Auf neun Straßenabschnitten will die Stadt Tempo 30 einführen, weil reduzierte Geschwindigkeiten mit reduzierten Lärmwerten einhergehen. Abschließende Beratungen sind für das Frühjahr geplant, auch das Regierungspräsidium muss noch gefragt werden.

Straßenabschnitt für Straßenabschnitt hat die Verwaltung die jeweilige Situation begutachtet und Verbesserungen durch eine Geschwindigkeitsreduzierung hochgerechnet. Dabei wurde untersucht, ob Tempo 30 zwar den Straßenlärm vermindern, dafür jedoch andere Nachteile etwa durch mehr Feinstaub, Verdrängungseffekte oder Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit bringen könnte. Vermeiden will man auch Störungen im Verkehrsfluss, die sich nachteilig auf den Busverkehr auswirken. Am Ende wurde ein Maßnahmenkatalog zusammengestellt, der an den ersten Lärmaktionsplan von 2007 und dessen Fortschreibung 2013 anknüpft. Das Konzept hat Gerhard Gorzellik nun im Mobilitätsausschuss vorgestellt. Da die Sitzungsvorlage erst kurzfristig bei den Ratsmitgliedern eingetroffen war, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen – auch die nötigen Finanzmittel, die die Verwaltung auf insgesamt rund 500 000 Euro kalkuliert hat, sind im Haushalt noch nicht eingeplant.

Besonderen Handlungsbedarf hat die Stadtverwaltung auf mehreren Strecken im Esslinger Stadtgebiet festgestellt. Zunächst soll es zum Schutz der Anwohner vor Verkehrslärm auf neun Straßenabschnitten Tempo 30 geben: Ganztägig soll die reduzierte Geschwindigkeit in der Schorndorfer Straße zwischen Plochinger Straße und Hegensberger Straße, auf dem nördlichen Altstadtring, dem östlichen Altstadtring im Bereich von Kiesstraße, Entengrabenstraße und Grabbrunnenstraße, in der Hirschlandstraße zwischen Schorndorfer Straße und der Zufahrt zum Haupteingang des Klinikums, in der Mettinger Straße zwischen Gebäude 101 und Berliner Straße, in der Wielandstraße zwischen Mülbergerstraße und Hirschlandstraße, in der Stuttgarter Straße zwischen Karl-Pfaff-Straße und Brückenstraße sowie in der Wäldenbronner Straße vom Langen Weg bis zum Beginn der bestehenden Tempo-30-Strecke in der Mülbergerstraße geben. Nachts wird zudem ein Tempo-30-Bereich in der Esslinger Straße zwischen Gebäude Nummer 50 und der Breitinger Straße angestrebt. Außerdem plant die Stadt einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 in der Esslinger Straße in der Ortsmitte von Hegensberg. Und für die Ortsmitte von Hohenkreuz ist im Bereich zwischen dem Kreisverkehr Barbarossa- und Kirchackerstraße sowie der Tobias-Mayer-Straße ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 30 vorgesehen – in Abstimmung mit dem Bürgerausschuss soll diese Regelung zunächst für die Dauer von zwei Jahren erprobt werden. Weitere Straßenabschnitte werden in der anstehenden Fortschreibung des Lärmaktionsplanes noch näher untersucht und könnten später hinzukommen.

Rund eine halbe Million Euro muss die Stadt in die Hand nehmen, um alle Maßnahmen umzusetzen. In manchen Bereichen genügen vergleichsweise überschaubare Investitionen in neue Beschilderung und geänderte Ampelschaltungen – wo der öffentliche Nahverkehr auf einigen Linien seine ohnehin schon knapp gehaltenen Taktzeiten durch eine Temporeduzierung nicht mehr einhalten könnte, muss die Stadt zusätzliche Busse einsetzen. Dafür werden weitere Fahrzeuge und Fahrer gebraucht, was die Kosten in die Höhe treibt.

Im Mobilitätsausschuss war es unstrittig, dass die Stadt in besonders belasteten Bereichen zum Handeln gezwungen ist. Andreas Fritz (Grüne) und Heidi Bär (SPD) betonten die Bedeutung gezielter Maßnahmen gegen Verkehrslärm. Jörn Lingnau (CDU) regte an, auch das letzte kurze Teilstück des Altstadtrings, für das nach Umsetzung der jüngsten Pläne noch keine Tempo-30-Regelung gelten würde, im Sinne eines kontinuierlichen Verkehrsflusses einzubeziehen. Derweil brachte Tobias Hardt (Linke) weitere Straßenabschnitte ins Gespräch, auf denen er sich Tempo 30 wünscht. Dass sich die Probleme mit dem Straßenlärm durch den vermehrten Einsatz von Elektro-Hybrid-Bussen merklich verringern könnten, glaubt Finanzbürgermeister Ingo Rust nicht: „Sie sind zweieinhalb Mal leiser als Dieselbusse. In der Summe wird das jedoch keine ausreichend große Lärmreduzierung bringen.“

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