Stuttgart versteht sich als Sportstadt. Aber: Wer sind ihre Aushängeschilder? Am Montagabend wurden in Bad Cannstatt die Sportler des Jahres 2024 gekürt. Bei den männlichen Athleten machte ein Zehnkämpfer das Rennen.
Feierlicher Rahmen, jede Menge Gäste – und strahlende Siegerinnen und Sieger. Am Montagabend sind im Cannstatter Kursaal Stuttgarts Sportlerinnen und Sportler des Jahres gekürt worden.
Eine Auswahlkommission – bestehend aus Vertretern von Sportamt, Sportkreis, Sportkreisjugend und Olympiastützpunkt, einem Mitglied unserer Sportredaktion sowie den beiden ehemaligen Athleten Claudia Unger (Eiskunstlauf) und Frank Stäbler (Ringen) – hatte vor Wochen die Liste der Nominierten zusammengestellt. Je drei in den Kategorien Sportlerin, Sportler und Mannschaft. Maßgeblich dafür waren die im Jahr 2024 erreichten Erfolge und erbrachten Leistungen. Die geladenen Gäste – darunter auch zahlreiche Sportler und Trainer – hatten im Vorfeld des Ehrungsabends dann ihre Stimme abgegeben.
In der Kategorie „Sportler des Jahres“ erhielt die meisten davon: Leo Neugebauer – der damit auch den VfB Stuttgart stolz macht.
Leo Neugebauer – 9000 Punkte sind das neue Ziel
Die Grüße kamen aus der Ferne. Genauer gesagt liegen zwischen Austin in Texas und Stuttgart 8637 Kilometer. Leo Neugebauer war den Anwesenden im Cannstatter Kursaal für einen Moment dennoch ganz nah. „Vielen Dank an alle Sportlerinnen und Sportler, die mich gewählt haben“, sagte der Leichtathlet in seiner Videobotschaft – und betonte: „Es ist mir eine Riesenehre, ich freue mich sehr.“ Über die Wahl zu Stuttgarts Sportler des Jahres.
Der Preis der Stadt bleibt damit in der Leichtathletik-Familie – und auch beim VfB. Im vergangenen Jahr war der Para-Kugelstoßer Yannis Fischer der Sieger gewesen, im Jahr davor Niko Kappel (ebenfalls Para-Kugelstoßer), 2020 ging der Titel an den Weitspringer Fabian Heinle (2021 fand keine Wahl statt). Nun also der Zehnkämpfer Leo Neugebauer, der über 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinte – und dessen Wahlsieg keine wirkliche Überraschung war.
Der 24-Jährige ist so etwas wie der Aufsteiger des Jahres 2024. Nicht nur in der Leichtathletik, sondern im deutschen Sport ganz generell. Zwar hat er nicht Olympia-Gold gewonnen in Paris, aber bei seiner ersten Teilnahme an den Sommerspielen war er am Ende auch mit der Silbermedaille extrem glücklich.
„Natürlich hätte ich Gold gewinnen können, es haben nur 48 Punkte gefehlt“, sagte Leo Neugebauer kürzlich im Rahmen unserer Talk-Reihe „Gespräche im Gottlieb“, „aber ich bereue nichts, denn ich habe in Paris so viel gelernt. Und mein Ziel war eine Medaille. Dass ich Silber geholt habe, darüber bin ich unglaublich glücklich.“ So ähnlich waren die Gefühle im vergangenen Sommer auch beim VfB Stuttgart.
Neugebauer startet nämlich – wie Kappel und Fischer – für die Leichtathletik-Abteilung des Clubs. „Die gesamte VfB-Familie gratuliert Leo aufs Herzlichste zu dieser besonderen Auszeichnung“, sagte daher der Präsident Dietmar Allgaier, „2024 war für Leo ein absolutes Erfolgsjahr: Weltjahresbestleistung, neuer deutscher Rekord und olympisches Silber, mehr geht binnen zwölf Monaten kaum. Wir sind alle sehr stolz auf Leo.“ Und nicht nur das.
Ebenso froh ist man beim VfB, dass der Zehnkämpfer auch weiterhin das VfB-Trikot tragen wird. Kürzlich, auf der Mitgliederversammlung des Vereins, wurde nicht nur die Vertragsverlängerung mit dem Fußball-Cheftrainer Sebastian Hoeneß verkündet, sondern auch jene mit Leo Neugebauer.
Der hat im vergangenen Jahr noch vor den Spielen von Paris den deutschen Rekord auf 8961 Punkte geschraubt, ein Ziel für 2025 liegt daher auf der Hand: Er peilt die 9000-Punkte-Marke an. Zudem will er bei der WM in Tokio wieder um die Medaillen kämpfen und auch traditionsreiche Meetings wie in Götzis bestreiten.
Das funktioniert, weil er nun nicht mehr die College-Saison in den USA bestreiten muss. Sein Studium hat er erfolgreich beendet, der Lebensmittelpunkt des in Leinfelden-Echterdingen aufgewachsenen Sportlers wird aber weiter Austin bleiben. Weshalb weitere Grußbotschaften per Video alles andere als ausgeschlossen sind.
Neben Leo Neugebauer waren in der Kategorie „Stuttgarts Sportler des Jahres“ der Rollstuhlfechter Maurice Schmidt und der Para-Kugelstoßer Niko Kappel nominiert.