Die Zukunft des Stadions in Neuhausen wird intensiv diskutiert. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Das Thema Sportentwicklungsplanung beschäftigte die Sprecher der Fraktionen im Gemeinderat Neuhausen. In ihren Zielreden plädierten sie dafür, den sporttreibenden Vereinen schnell zu helfen – doch müsse es „realistisch und finanzierbar“ sein.

NeuhausenDer Finanzzwischenbericht von Neuhausens Kämmerer Stefan Hartmann fiel alles andere als positiv aus. Statt der erwarteten elf Millionen Euro nimmt die Gemeinde wegen der angespannten Wirtschaftslage im Jahr 2019 nur noch acht Millionen an Gewerbesteuern ein. Die Sorge um die Konjunktur beschäftigte auch die Gemeinderäte in ihren Zielreden zum Haushaltsplan 2020. Ein großes Thema der Kommunalpolitiker war die Zukunft der Sportstätten.

„Die finanzielle Lage wird schwieriger“, was sich nicht zuletzt in der angekündigten oder bereits angesetzten Kurzarbeit in den Betrieben niederschlage, brachte Mariela Herzog (Freie Wähler) die Probleme auf den Punkt. Deshalb forderte die Fraktionschefin der Freien Wähler, eine Strukturkommission einzuberufen, „die nicht nur nach den Einnahmenerhöhungen schaut, sondern auch strukturelle, strategieorientierte Überlegungen für die nächsten Jahre anstellt.“

„Ausgewogene Gewerbestruktur“

„Dank international erfolgreicher Unternehmen geht es uns in guten Zeiten besonders gut“, analysierte Dominik Morar das Gewerbe in der Fildergemeinde. Das habe jedoch einen Haken: „Leider bekommen wir in wirtschaftlich schlechten Zeiten starke Schwankungen zu spüren.“ Der CDU-Sprecher sieht deshalb die dringende Notwendigkeit, „für eine ausgewogene Gewerbestruktur im Ort zu sorgen.“ Daher fordert die CDU, dem ortsansässigen Gewerbe Perspektiven zu bieten, bevor diese schließen oder abwandern.

Sorge bereitet die „wirtschaftliche Abkühlung“ auch Gabriele Probst (Initiative Grüne Liste). Das „schnelle und explosive Wachstum von Neuhausen“ fordert aus ihrer Sicht schon jetzt seinen Tribut. Da seien die Mahnungen der IGL ungehört geblieben. „Jetzt erleben wir, wie die Infrastruktur unseres Ortes in allen Bereichen hinterherhinkt.“ Auf die angespannte wirtschaftliche Lage verwies auch Erich Bolich (SPD). Um die finanzielle Basis zu sichern, will auch er das örtliche Gewerbe stärken: „Um die notwendige Infrastruktur in unserer Gemeinde langfristig zu ermöglichen, sollte unser Fokus darauf gerichtet sein, die ohnehin knapp vorhandenen Flächen bevorzugt für die Entwicklung ortsansässiger Betriebe zu sichern.“

Nicht nur die vielen Großprojekte wie der Neubau von Anton-Walter-Grundschule und Mensa sowie die Sanierung und Erweiterung der Kläranlage beschäftigte die Sprecher der Fraktionen. Die gravierenden Engpässe bei den Sportvereinen, die bei den Trainingsgruppen schon mit Wartelisten arbeiten müssen, sind für die Ratsfraktionen ein großes Thema.

Eine mögliche Auslagerung der Sportstätten in die Panoramastraße ist durch die Verzögerung beim S-Bahn-Bau in noch weitere Ferne gerückt. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Neuhausener Vereine (ANV) haben Vorschläge erarbeitet, wie Kapazitäten mittelfristig erweitert werden könnten. Für eine Kalthalle hat die Verwaltung keinen Standort gefunden, der genehmigungsfähig wäre. Eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung und Erweiterung der Egelsee-Fest- und Sporthalle gibt es ebenfalls. Mariela Herzog (FW) forderte, mit den Ergebnissen „in intensive Gespräche mit den sporttreibenden Vereinen zu gehen.“ Die gut vernetzte Sportlerin weiß um die Nöte der Trainierenden. Bis Anfang 2020 soll die Verwaltung dem Gemeinderat aus Sicht der FW-Fraktionschefin „realisier- und finanzierbare Ergebnisse bekannt geben“. Das Thema Sportentwicklung ist für sie in der Fildergemeinde mit ihren aktiven und mitgliederstarken Vereinen sehr bedeutend.

Kunstrasenplatz als Alternative

Auch Erich Bolich (SPD) will den Sportvereinen zügig helfen. Eine denkbare Alternative ist für ihn ein Kunstrasenplatz im Stadion: „Um rasch Abhilfe zu schaffen, dem TSV Neuhausen mehr Nutzungszeiten in den Egelsee-Sporthallen zur Verfügung zu stellen, bleibt nur die Möglichkeit, den westlichen Rasenplatz für die Fußballer beim Stadion mit einem Kunstrasenbelag zu versehen, damit dieser auch in der kalten Jahreszeit bespielt werden kann.“ Mittelfristig wären mit dem Kunstrasen auch Kosten für Pflegemaßnahmen einzusparen.

Sorge bereitet die Zukunft des Freibads CDU-Sprecher Dominik Morar. Für das älteste Freibad auf den Fildern, in Neuhausen liebevoll „Bädle“ genannt, muss aus seiner Sicht dringend eine langfristige Lösung zum Weiterbetrieb gefunden werden. Kurzfristig gelte es zunächst, die Betriebserlaubnis des Schwimmbads sicherzustellen, das bei Kindern wie auch bei Erwachsenen sehr beliebt ist.

Dass die Anträge der IGL zum Klima- und Naturschutz im Gemeinderat Neuhausen in den vergangenen zehn Jahren „ziemlich erfolglos“ geblieben seien, bemängelte Gabriele Probst. Sie erwartet von der Verwaltung, „dass sich Neuhausen neue Ziele setzt aufgrund der Teilnahme am integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises.“

Mobilitätskonzepte

Innerortsbus und Radwege: Verkehrsprobleme möchten die Freien Wähler mit einem Innerortsbus in den Griff bekommen. „Genauso wichtig ist die Radwegeplanung im Ort selber“, sagt Fraktionschefin Mariela Herzog. Mit Blick auf E-Bikes und Lastenräder könne man so Menschen zum Umstieg bewegen.

Westumfahrung: Für das„Frühstück im Stau auf der Esslinger Straße“ bleibt laut Dominik Morar (CDU) immer noch genügend Zeit. Deshalb fordert die CDU mit Blick auf neue Wohngebiete, die Pläne für eine Westumfahrung voranzutreiben – mit den Nachbarkommunen.

Mobilitätskonzept: „Gegen den täglichen Verkehrsinfarkt benötigt unsere Gemeinde schon heute kluge und kreative Mobilitätskonzepte, die die Belange von Fußgängern, Radfahrern und ÖPNV-Kunden in den Blick nimmt“, sagt Gabriele Probst (IGL). Bisher seien die Pläne zu sehr an Autofahrern orientiert.

Schienenverkehr ausbauen: Zum Ausbau des Schienenverkehrs auf den Fildern gibt es für Erich Bolich (SPD) keine Alternative. Er fordert deshalb, den Ringschluss der S-Bahn von den Fildern ins Neckartal im Auge zu behalten und dafür Konzepte zu entwickeln.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: