Otto Ruppaner (links) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann bringen die neue Energiezentrale in der historischen Mitte von Echterdingen auf den Weg. Foto: Brändli

Die Stadt investiert 7,5 Millionen Euro in den Bau der neuen Energiezentrale mitten im Ort. Der Landesvater kehrt zum Spatenstich an seinen einstigen Wohnort zurück.

Da hatte der Ministerpräsident Winfried Kretschmann die richtigen Worte mitgebracht für die Veranstaltung an diesem luftigen Donnerstagvormittag in der historischen Ortsmitte von Echterdingen: „Die Energie- und Wärmewende vollzieht sich nicht durch schöne Worte, sondern durch kluges und mutiges Handeln wie hier in Leinfelden-Echterdingen“. Gefeiert wurde der erste Spatenstich der neuen Energiezentrale mitten im Ort im Ambiente von Stephanuskirche, Zehntscheuer und Alter Schule.

Bei der neuen Energiezentrale ist längst noch nicht alles in trockenen Tüchern. Aber es sind auch schon entscheidende Weichenstellungen erfolgt, etwa ein nahezu einstimmiger Beschluss des Gemeinderats für dieses Projekt. Oberbürgermeister Otto Ruppaner nahm das Kompliment des Grünen Landesvaters gerne entgegen, benannte dazu die wesentlichen Argumente für diese Energiezentrale: Hier gehe es „um eine nachhaltige Wärmeversorgung“, um eine „Abkehr von fossilen Selbstverständlichkeiten“, um „regenerative Energieerzeugung“ und schließlich auch um ein großes Interesse an einer Wärmeversorgung aus diesem noch zu bauenden Energiehaus, etwa bei der Zeppelinschule, bei anderen öffentlichen Einrichtungen und auch schon bei einigen Eigenheimbewohnern in der näheren Umgebung. „Wir investieren 7,5 Millionen Euro in dieses Vorhaben“, so Ruppaner, „3,5 Millionen Euro bekommen wir an Bundesmittel“.

Neue Maßstäbe bei der Wärmeerzeugung in Leinfelden-Echterdingen

Das ist viel Geld für eine Stadt wie Leinfelden-Echterdingen, die auch mit der Realisierung dieses Projekts noch weit davon entfernt ist, flächendeckend ihre Bewohner mit dieser Form der Strom- und Wärmegewinnung versorgen zu können. Kretschmann erinnerte in seiner Ansprache daran, dass er vor etlichen Jahrzehnten selbst einige Jahre in Echterdingen gelebt hat mit seiner Familie, auch wie er sich hier als Junglehrer kommunalpolitisch engagiert hatte.

Doch vor allem steckte er den größeren Rahmen ab, in dem er diese Energiezentrale Historische Mitte Echterdingen – so der komplette Name dieses Projektes – als „Mosaikstein“ einordnete: „Mit all ihren technischen Herausforderungen wird sie neue Maßstäbe bei der Wärmeerzeugung der Zukunft setzen. Hier vereinen sich High-Tech und Klimaschutz in einer effzienten Planung. Denn die Energiewende bleibt das größte und bedeutendste Transformationsprojekt Deutschlands. Freiheit und Resilienz, Wohlstand und Arbeitsplätze hängen in hohem Maße von ihrem Gelingen ab“.

Und dass Leinfelden-Echterdingen da voranschreitet, ist für ihn konsequent: „Hier und in der näheren Umgebung schlägt das industrielle Herz von Baden-Württemberg“, so Kretschmann. Und dann noch ein Blick in die große weite Welt: Viele Länder seien derzeit in einem heftigen Wandel, so Kretschmann, China etwa sei längst nicht mehr „die Werkbank für billige Produkte“. Um sich behaupten zu könne, müsse der Informationsvorsprung bewahrt bleiben.

Gruppenbild zum Spatenstich am Donnerstag Vormittag in Echterdingen Foto: Brändli

Die Kritiker dieses Projekts vor allem in Gestalt des Vereins Historisches Erbe Echterdingen hatten schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass sie dieser Spatenstich-Veranstaltung fern bleiben. Sie waren dennoch präsent mit einigen ihrer Argumente, die sie zuvor in einem offenen Brief unter anderem an Kretschmann, an Ruppaner und an die Mitglieder des Gemeinderats verschickt haben. Für Ruppaner etwa sei es schon klar, dass es bei Projekten dieser Art und Größenordnung kritische Stimmen gebe. Deshalb habe man dazu auch verschiedene Dialogformen angeboten. Kretschmann begrüßt es, wenn sich Kritik formt mitten aus der Bürgerschaft heraus.

Die Energiezentrale neben der Alten Schule

Ob dieses Haus nun zu groß ist in dieser Umgebung, ob es im Baustil hineinpasst, ob es zu laut ist und ob diese Wärmeversorgung überhaupt in diesem Maße in Anspruch genommen wird – diese Fragen kann solch eine Spatenstich-Veranstaltung natürlich nicht beantworten. Immerhin ist da jetzt ein Transparent aufgestellt, das die Energiezentrale quasi gleich hoch zeigt wie die sich daneben befindende Alte Schule.

Klar, an der noch zu bauenden Zentrale sind Elemente einer Scheunenarchitektur zu sehen, die es auch in der näheren Umgebung gibt. Und mit viel gutem Willen kann man da auch einen Kirchturm hineininterpretieren. Aber es ist eben doch in erster Linie ein rein industrielles Nutzungsgebäude, dessen Innenleben genauso gut in einem oberirdisch aufgestellten Betonquader funktionieren würde, freilich genauso dimensioniert.

Von Kosten- , Nutzungs- und Lärmfragen mal abgesehen bleibt dies ein Kompromiss, an dem sich viele noch eine ganze Weile daran reiben werden. Da kann man Peter Friedrich, den Geschäftsführer der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen, gut verstehen, wenn er sagt: „Eigentlich arbeiten wir meist im Unscheinbaren“.

Und ein wahres Meisterstück ist ihnen da mit der Energiezentrale im Gebiet Schelmenäcker gelungen: Die ist völlig integriert in das Gebäude, in dem sich Kindergarten und Jugendzentrum befinden, ist also unsichtbar für alle, die drin sind in dem Gebäude wie für jene, die draußen daran vorbeigehen. Lediglich die etwas ungewöhnliche Form von zwei Kaminen weist darauf hin, dass da auch Energie und Wärme gewonnen wird. Aber das erkennen nur die wahren Spezialisten. Solch eine dezente Lösung war mitten in Echterdingen leider nicht realisierbar.