Oberleitungsbusse haben in Esslingen eine lange Tradition. Der Städtische Verkehrsbetrieb setzt künftig ganz auf diese umweltfreundlichere Technik. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Esslingens Städtischer Verkehrsbetrieb setzt seinen Kurs in Richtung E-Mobilität fort: In seiner jüngsten Sitzung gab der Gemeinderat grünes Licht in Elektrobusse zu investieren.

EsslingenEsslingens Städtischer Verkehrsbetrieb (SVE) hat sein großes Ziel klar im Blick: Der öffentliche Personennahverkehr soll attraktiver und klimafreundlicher werden. Während man in anderen Kommunen noch an geeigneten Konzepten bastelt, um beide Anliegen unter einen Hut zu bringen, setzt man in Esslingen auf eine Technologie, die sich vor Ort schon lange bewährt hat: Seit 75 Jahren touren elektrisch betriebene Oberleitungs-Busse durch die Stadt – und die Esslinger sind damit nach eigenem Bekunden immer gut gefahren. Deshalb will der SVE in Zukunft noch konsequenter auf diese Technik setzen: Bis 2024 soll der Städtische Verkehrsbetrieb komplett auf O-Busse umgestellt werden. Deshalb werden in den nächsten Jahren rund 7,4 Millionen Euro in den Ausbau des Oberleitungsnetzes und in weitere Elektro-Hybrid-Busse investiert werden. Für die erste Ausbaustufe, die allein knapp 4,8 Millionen Euro kosten soll, hat der Gemeinderat am Montagnachmittag einstimmig grünes Licht gegeben.

Finanzbürgermeister Ingo Rust, zu dessen Aufgabengebiet auch der öffentliche Personennahverkehr gehört, brach im Gemeinderat erneut eine Lanze für die Umstellung auf einen voll elektrifizierten SVE. Wenn die Stadt wie geplant ihr Oberleitungsnetz bis 2024 in drei Etappen um knapp fünf Kilometer Länge erweitert, lässt sich die Fahrzeugflotte des Verkehrsbetriebs im Linienbetrieb rein elektrisch betreiben. Wo die Oberleitung endet, fahren die neuen Elektro-Hybrid-Busse, die der SVE nach und nach anschafft, batteriebetrieben weiter. Einige wenige Diesel-Busse sollen lediglich als Reserve gehalten werden, falls Bauarbeiten zeitweilig Umleitungen außerhalb der Oberleitungsstrecken nötig machen. Insgesamt rechnet Rust mit einer Verdreifachung der elektrischen Fahrleistung auf rund 1,9 Millionen Kilometer jährlich. So kann die Stadt nach Angaben ihres Verkehrsbetriebs 2.561 Tonnen CO2 und 511 Kilogramm Stickoxid pro Jahr einsparen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen hat die Stadt auch andere Antriebsformen wie wasserstoff- oder rein batteriebetriebene Busse untersucht, kam jedoch zu dem Schluss, dass beide Techniken deutliche Nachteile gegenüber dem O-Bus hätten.

Dass der weitere Ausbau der Elektro-Mobilität beim SVE im ersten Bauabschnitt mit knapp 4,8 Millionen Euro und insgesamt mit rund 7,4 Millionen Euro für die Erweiterung des Oberleitungsnetzes und die Anschaffung weiterer Elektro-Hybrid-Busse zu Buche schlägt, bringt den Finanzbürgermeister nicht aus der Ruhe: Der Bund wird das Projekt massiv finanziell fördern – nach bisherigen Schätzungen dürfte der Anteil der Stadt bei knapp 4,8 Millionen Euro liegen. Zuletzt gab es Signale aus Berlin, dass der Bund den Ausbau des Oberleitungsnetzes sogar zu 100 Prozent fördern könnte.

Dass der Verkehrsbetrieb Kurs auf volle Elektro-Mobilität nehmen soll, hatte der Gemeinderat 2017 mit der denkbar knappen Mehrheit von nur einer Stimme im Grundsatz beschlossen. Und die jüngsten Vorberatungen im Mobilitätsausschuss hatten bereits angedeutet, dass die nötige Mehrheit für den Ausbau steht. CDU und Freie Wähler enthielten sich beim Beschluss über den ersten Bauabschnitt zwar der Stimme, weil sie weiterhin nicht überzeugt sind, dass die Elektro-Hybrid-Busse das Maß aller Dinge sind. Dagegen bekannten sich Grüne, SPD, FDP und Linke zum Grundsatzbeschluss für einen voll elektrifizierten Verkehrsbetrieb. Mit 24 Ja-Stimmen und zahlreichen Enthaltungen von CDU und Freien Wählern wurde der erste Abschnitt einstimmig beschlossen.

Busverkehr in drei Etappen in die elektromobile Zukunft

Ausbaustufe 1 soll die Pliensauvorstadt an das O-Bus-Netz des SVE anschließen. Der Ausbau beginnt an der Kreuzung von Stuttgarter Straße und Zollbergstraße und führt weiter über Stuttgarter Straße, Eberhard-Bauer-Straße und Weilstraße bis zum Kreisverkehr an Eberhard-Bauer-Straße und Weilstraße.

Ausbaustufe 2 soll anschließend den Altstadtring vollends mit Oberleitungen versehen. Der Ausbau beginnt an der Kreuzung von Berliner Straße und Schelztorstraße und führt dann weiter über Berliner Straße, Augustinerstraße, Ebershaldenstraße, Grabbrunnenstraße und Kiesstraße und endet an der Kreuzung von Maille und Neckarstraße.

Ausbaustufe 3 erweitert das O-Bus-Netz in Richtung Norden. Startpunkt ist die Kreuzung Grabbrunnenstraße und Mülbergerstraße, von dort führen neue Oberleitungen über Mülbergerstraße, Wielandstraße und Rotenackerstraße bis zur Haltestelle Kirchackerstraße.

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