Dicht gedrängt beteiligten sich viele Esslinger am ersten Treffen der Initiative für einen Verbleib der Bücherei Foto: Bulgrin - Bulgrin

Die Initiative für ein Bürgerbegehren zum künftigen Standort der Esslinger Stadtbücherei hat sich erstmals in großer Runde getroffen – rund 100 Engagierte kamen zusammen.

EsslingenWenn es nach der Mehrheit des Gemeinderates geht, soll Esslingens Stadtbücherei in einen Neubau an der Küferstraße umziehen. Doch der jüngste Ratsbeschluss hat viele Esslinger auf die Palme gebracht, weil sie den aktuellen Standort im Bebenhäuser Pfleghof schätzen und bezweifeln, dass der anvisierte Neubau bessere Bedingungen bringen wird. Nur wenige Stunden nach der entscheidenden Gemeinderatssitzung hat sich eine „Initiative Bürgerbegehren Stadtbücherei“ gegründet, die über einen Bürgerentscheid die Erweiterung und Modernisierung des Bebenhäuser Pfleghofs erreichen will, der für viele ein „Standort der Herzen“ sei. Nun hat sich die Initiative erstmals in größerer Runde getroffen – rund 100 Unterstützer drängten sich im CVJM-Haus. Mit-Initiatorin Ulrike Gräter machte klar: „Wir wollen uns mit Sachlichkeit und Leidenschaft für unser gemeinsames Ziel einsetzen. Es soll keine Gewinner und Verlierer geben – einziger Gewinner muss die Stadtbücherei sein.“ Und eine Dame aus dem Publikum ergänzte: „Die Bücherei, die wir jetzt haben, ist ein Schmuckstück. Wie kann man so etwas nur niederbügeln?“

Wolfgang Drexler, Ulrike Gräter und Klaus Hummel brachten die Initiative auf den Weg, weil sie gespürt haben, „wie sehr die Herzen vieler Menschen am Pfleghof hängen“. Drexler machte klar, „dass wir diesen Schritt nicht aus Langeweile gegangen sind, sondern weil viele Esslinger uns aufgefordert haben, etwas dafür zu tun, dass der Bürgerwille Gehör findet“. Dass zunächst drei Initiatoren mit SPD-Parteibuch das Heft in die Hand genommen hatten, sei kein Problem: „Wir mussten rasch handeln, weil die Zeit knapp ist. Jetzt ist das ein Zusammenschluss aller, die sich für einen gemeinsamen Gedanken einsetzen. Jeder ist eingeladen, mitzumachen und so für eine breite und unabhängige Basis zu sorgen.“ Deshalb wurde ein 15-köpfiger Kreis gegründet, der die weiteren Aktivitäten gemeinsam lenkt.

Dass Drexler Kritik von der politischen Konkurrenz einstecken musste, die ihm ankreidet, Ratsbeschlüsse nicht zu akzeptieren, kontert Klaus Hummel: „Das Bürgerbegehren ist ein wertvolles demokratisches Instrument, das man nicht leichtfertig anwendet, sondern nur in begründeten Notfällen wie diesem. In 30 Jahren habe ich nie erlebt, dass sich so viele Bürger für etwas derart engagiert haben. Umso mehr hat es mich wütend gemacht, dass die Diskussionen im Gemeinderat fast alle nicht öffentlich waren und dass man bei manchen den Eindruck hatte, dass sie von Anfang an festgelegt waren.“ Viel Beifall gab’s für den Beitrag eines Herrn: „Wenn der Gemeinderat so über das Votum vieler Bürger hinweggeht, muss man diesen Weg beschreiten.“ Und Ulrike Gräter ergänzte: „Ich bin mit dem OB einig, dass eine breite Bürgerbeteiligung der Schlüssel zum Erfolg ist. Die muss es aber von Anfang an und nicht erst hinterher geben.“

Die Zeit drängt, wenn die Initiative ein Bürgerbegehren will: Vom Tag des Gemeinderatsbeschlusses an bleiben drei Monate, um die Unterschrift von sieben Prozent aller in Esslingen Kommunalwahlberechtigten zu bekommen. Das dürften rund 5000 gültige Unterschriften sein – die genaue Zahl wird von der Stadt ermittelt. „Um sicher zu sein, wollen wir 6000 Unterschriften sammeln. Das ist eine Menge Holz, zumal in der Ferienzeit“, weiß Drexler, schließlich sind viele Formalien zu erfüllen, deren Klärung die Unterschriftensammlung bis in die erste Juli-Woche verzögern dürfte. Kommen bis 17. September genügend Unterschriften zusammen, muss der Gemeinderat binnen zwei Monaten die Rechtmäßigkeit feststellen – dann gibt es einen Bürgerentscheid, ob die Bücherei in einem erweiterten und modernisierten Pfleghof bleiben soll.

Damit es am Ende soweit kommt, wollen viele von denen, die beim Unterstützertreffen dabei waren, nicht nur selbst unterschreiben, sondern auch Unterschriften sammeln. Zahlreiche Argumente für den Pfleghof wurden zusammengetragen. „Die Stadt redet ständig von einem ‚Dritten Ort’ – im Pfleghof haben wir den bereits“, meinte eine Dame. Und Cornelius Hauptmann, der Präsident des Deutschen Tonkünstlerverbandes, der ebenfalls mitwirken will, gab zu bedenken: „Die Bücherei im historischen Pfleghof ist ein sehr lebendiger Ort des kulturellen und sozialen Miteinanders. Daraus lässt sich etwas richtig Gutes und Zeitgemäßes machen.“

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