Günter Guben Foto: Bulgrin - Bulgrin

Er ist Lyriker und Erzähler, Maler und Fotograf, Regisseur und Moderator – und vor allem ist er ein liebenswerter Zeitgenosse: Günter Guben, der unlängst seinen 80. Geburtstag feierte, schätzt Esslingen, und die Esslinger mögen ihn.

EsslingenEr ist kein Mann der lauten Töne, doch es lohnt sich, genau zuzuhören, wenn Günter Guben spricht. Er geht neugierig durch die Welt, schaut aufmerksam hin, studiert die Menschen und versteht es, seine Gedanken und Beobachtungen blitzgescheit und mit hintergründigem Humor auf den Punkt zu bringen. Und wenn er etwas sagt, hat das Gewicht. Er ist Lyriker und Erzähler, Maler und Fotograf, Regisseur und Moderator – und vor allem ist er ein liebenswerter Zeitgenosse. Ein Feingeist, ein Sprachvirtuose, ein Genießer und ein ungewöhnlich kreativer Geist, der vielfältige Akzente in der Kulturszene setzt – und das schon eine ganze Weile. Andere würden mit 80 Jahren daran denken, kürzer zu treten und sich auf dem Erreichten auszuruhen. Günter Guben hat noch viel vor. „Ein paar Zipperlein haben sich in den letzten Jahren eingestellt, aber insgesamt fühle ich mich noch wie 70. Höchstens“, verrät er knitz. Dazu passt sein wichtigster Geburtstagswunsch: „Nochmal 20 gute Jahre – das wär’s.“ Wer ihn kennt, der weiß, dass es ihm keine Sekunde langweilig werden würde.

Ein Name mit besonderem Klang

Geboren wurde er vor 80 Jahren in der Neißestadt Guben – und zwar als Günter Hoffmann. Doch weil die Hoffmanns nicht gerade rar sind, ließ er sich später den Nachnamen Hoffmann-Guben in den Personalausweis eintragen. Daraus wurde schließlich Günter Guben – weil das „einen tollen Klang auf dem Buchdeckel hat“. Seiner Geburtsstadt in der Mark Brandenburg hat er kriegsbedingt schon im Alter von vier Jahren den Rücken gekehrt – dass er seine Jugendjahre in Hamburg verbracht hat, lassen sein Zungenschlag und seine hanseatische Noblesse ahnen. Doch mittlerweile darf er sich ganz und gar als Esslinger fühlen – und für viele Esslinger gehört er ganz einfach dazu. „Er ist aus unserer Stadt und ihrer Kulturszene nicht mehr wegzudenken“, erklärt etwa die Esslinger Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs, die Günter Guben nicht zuletzt wegen seines Sprachwitzes und seiner feinen Beobachtungsgabe sehr schätzt.

Seit 1970 lebt Guben in Esslingen. Damals produzierte der Südfunk eines seiner Hörspiele, und der Autor, der zu jener Zeit in Frankfurt lebte, „wollte einfach mal im Studio dabei sein“. Natürlich beschränkte er sich nicht nur aufs Zusehen und -hören. „Meine präzisen Regieanweisungen sind aufgefallen, und so bekam ich das Angebot, Regieassistent zu werden“, erinnert er sich. Er griff zu, wurde später Regisseur beim Rundfunk, hat mit bedeutenden Schauspielern und Autoren von Elfriede Jelinek bis Carl Amery zusammengearbeitet und eigene Hörspiele und andere Radiotexte verfasst. Und als er 2003 in den Ruhestand ging, wurde daraus ein Unruhestand: Das Stuttgarter Schriftstellerhaus brauchte einen Leiter, die Wahl fiel auf Guben – und er hat dem Haus sechs Jahre lang seinen Stempel aufgedrückt. Daneben fand der vielfältig Begabte stets Zeit, sich seinen eigenen literarischen Arbeiten zu widmen, die in zahlreiche Bücher mündeten. Zuletzt erschien der Band „Verfügung der Dinge“, der 75 Gedichte aus den Jahren 1970 bis 2015 versammelt. Diese lyrischen Preziosen charakterisieren ihn als Autor, der das lustvolle Spiel mit der Sprache mag, der seinen Spaß am Hintergründigen und Skurrilen hat, der durchaus auch ein Faible für kleine, feine erotische Anspielungen verrät und der es liebt, seine Leser mit unverhofften Wendungen und Gedanken ein ums andere Mal zu überraschen. Dass er bei seinen Büchern auf eine anspruchsvolle Gestaltung achtet, ist Ausdruck seiner künstlerischen Begabung: So feingearbeitet und differenziert sind auch seine Zeichnungen, die zu später Stunde entstehen: „Zeichnen kann ich am besten zwischen 22 Uhr abends und 2 Uhr in der Frühe“, verrät er.

Ein bisschen Eulenspiegel steckt in ihm

Vieles, was Günter Guben kulturell bewegt hat, ist mit Stuttgart verbunden – trotzdem darf er sich als Esslinger durch und durch fühlen. Und er bekennt: „Ich mag diese Stadt sehr.“ Als er 1970 zum Südfunk kam, fand er eine traumhafte Wohnung mit Jugendstil-Flair und Obstgarten, die wie geschaffen war für ihn. Doch im Grunde ist die ganze Stadt sein Revier: Wenn er mit seinem Spazierstock und dem typischen breitkrempigen Hut – im Sommer hell, im Winter schwarz – mit einem verschmitzten Grinsen durch die Stadt streift, freuen sich viele, ihn zu treffen und im besten Fall ein Schwätzchen mit ihm zu halten. Ein Vergnügen ist das allemal – ganz egal, ob er sein reichhaltiges kulturelles Wissen teilt, ob er das Zeitgeschehen in Esslingen oder anderswo in der Welt pointiert kommentiert, ob er eine seiner Beobachtungen preisgibt oder eines der vielen Anekdötchen aus seinem Leben erzählt. Denn auch das ist Günter Guben: ein charmanter Plauderer, der es liebt, andere Menschen auf unterschiedlichste Weise, aber stets intelligent und niemals nur oberflächlich zu unterhalten. „Ein bisschen Eulenspiegel steckt in mir“, meint er augenzwinkernd und erinnert sich: „Schon in der Schule habe ich dafür gesorgt, dass viel gelacht wurde. Die schrägen Seiten des Lebens haben es mir besonders angetan.“

Der Alltag ist eine Fundgrube für Günter Guben: „Ich bin neugierig auf die Welt. Egal, wo ich bin – ich liebe es, den Menschen zuzuhören. Da höre ich Dialoge, auf die ich mit aller Fantasie nie kommen würde. Deshalb fahre ich im Zug am liebsten im Großraumwagen. Hinterher habe ich so viele Notizen gesammelt, dass ich gleich losschreiben kann.“ Trotzdem erweist er denen, über die er schreibt, stets den gebührenden Respekt: „Ich glaube schon, dass man die Menschen lieben muss, um ihnen so zu begegnen, wie ich das tue – selbst wenn man es auch mal mit blöden Typen zu tun hat.“ Und weil man das spürt, ist Günter Guben zu dem geworden, was er heute ist: Ein Stück Esslingen, ohne das die Stadt im Allgemeinen und ihre Kulturszene im Besonderen ärmer wäre.

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