Der überdachte Innenhof der Bibliothek in der Partnerstadt Schiedam lässt ahnen, was auch in Esslingen möglich wäre. Foto: Kälberer - Kälberer

Der Förderverein der Esslinger Stadtbücherei hat die Standort-Analyse der Stadtverwaltung begutachtet und kommt zu dem Schluss, dass viel zu wenig Platz zur Verfügung stehen wird.

EsslingenDer Förderverein der Esslinger Stadtbücherei hat die Alternativen für die Bibliothek der Zukunft untersucht, und er kommt zu einem ernüchternden Urteil: „Keiner der beiden Standorte ist im Blick auf die erreichbaren Flächen ideal. Keiner wird eine Fläche aufweisen, die jener ‚zeitgemäßen und zukunftsfähigen Stadtbücherei’ entspricht, wie sie den Esslinger Bürgern in den zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen der vergangenen Monate vorgestellt wurde und wie der Förderverein sie lange schon fordert.“ Die Unterschiede in den erzielbaren Flächen am aktuellen Standort im Bebenhäuser Pfleghof und in einem Neubau an der Küferstraße sind nach Berechnungen des Fördervereins so gering, „dass sie keinen Ausschlag für die Entscheidung geben können“. Das relativiert die Einschätzung der Stadt, die erklärt hatte, in der Küferstraße könnten verlässlich mehr Flächen entstehen als bei der Erweiterung des Pfleghofs. Deutlich wird zudem, dass die Verwaltung wesentliche Fragen noch immer nicht beantworten kann. Und dass die Aufenthaltsqualität des Pfleghofs nicht genug gewürdigt werde: „Dieser geringschätzige Blick auf den bestehenden Standort mit seiner hervorragend arbeitenden Stadtbücherei, der in der Bevölkerung so sehr geliebt wird, muss korrigiert werden.“

Beide Varianten sind zu klein

Während sich die Stimmen mehren, die empfehlen, nach weiteren Standort-Alternativen zu suchen, drängt der Förderverein trotz vieler Unwägbarkeiten auf eine rasche Entscheidung: „So sehr wir uns zwar über eine größere Fläche gefreut hätten, so sehr fürchten wir nun in Kenntnis der Esslinger Verhältnisse, dass eine erneute Vertagung dazu führen wird, dass sich in absehbarer Zeit überhaupt keine Lösung mehr bietet.“ Dass die Stadt in Zugzwang geraten ist, komme nicht von ungefähr: „Der Prozess einer Verbesserung und Erweiterung der Stadtbücherei Esslingen im Bebenhäuser Pfleghof ist die Geschichte einer beispiellosen Geringschätzung dieser Bibliothek, ihrer Mitarbeiter und Besucher: Seit mindestens 20 Jahren ist die Fläche bekanntermaßen zu klein.“ Dass es Möglichkeiten gibt, kreativ und denkmalgerecht mit dem Pfleghof umzugehen, wird deutlich, wenn der Förderverein das Ravensburger Humpis-Quartier und die Bibliothek der Partnerstadt Schiedam nennt.

Die Vorsitzende, Professorin Sylvia Greiffenhagen, und ihre Vorstandskollegen Susanne Lüdtke, Ruth Mack und Klaus Hummel haben mit Fachleuten aus Bibliothekswesen, Architektur und Denkmalschutz, Stadtentwicklung, Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungs- und Baurecht eine differenzierte Analyse erarbeitet. Während für Bibliotheken in Städten dieser Größe 4500 bis 5000 Quadratmeter Standard sind, lassen sich nach Einschätzung des Fördervereins an beiden Standorten eine Programmfläche von etwa 3350 Quadratmetern beziehungsweise eine Publikumsfläche von etwa 3500 Quadratmetern erreichen. Das reiche aus, um „die Nutzungen der bisherigen Stadtbücherei auf deutlich größerer Fläche unterzubringen und damit ihre Qualität erheblich zu verbessern“. Eine großzügige Präsentation der Medien sowie eine gute Ausstattung mit Arbeitsplätzen und Gruppenräumen könnten zwar gewährleistet werden. Die vielen versprochenen Extras seien an beiden Standorten jedoch kaum möglich. Eine „Bespielung“ der Büchereiflächen durch die Musikschule scheine auch undenkbar. Das Konzept der Teilhaberäume könne ebenso wie ein kleinerer Makerspace an beiden Standorten realisiert werden.

Falls sich in den ersten zwei Jahren zeigen sollte, dass an dem Standort, für den sich der Gemeinderat entschieden hat, zu viele Risiken eintreten werden, müsse es möglich sein, den Standort zu überdenken. Deshalb dürften bis dahin keine anderen Weichen gestellt werden. Da schon bei Bezug der neuen Räumlichkeiten „ihre Fläche für die vielfältigen Aufgaben einer zukunftsfähigen Bibliothek nicht ausreichen wird“, muss die Stadt nach Einschätzung des Fördervereins schon jetzt mit der Suche nach späteren Erweiterungsmöglichkeiten beginnen. Für den Standort Küferstraße bedeute das den Erwerb von weiteren Nachbargrundstücken – am Standort Heugasse biete sich eine Erweiterung über die Straße hinweg geradezu an, zum Gelben Haus und den angrenzenden Gebäuden Heugasse 8 und Hafenmarkt 8. Perspektivisch sei auch zu prüfen, „ob das Stadtmuseum, vielleicht zusammen mit anderen kulturellen Nutzungen, an den Standort Küferstraße umsiedeln könnte – auf einer für die Umgebung verträglicheren Fläche, als dies bei der Stadtbücherei der Fall wäre“. Sollten alle Erweiterungsoptionen auf lange Zeit unrealisiert bleiben, müsse das Prinzip der Zentralität der Bücherei in Frage gestellt und durch mehrere Zweigstellen ergänzt werden.

Da noch viel Zeit vergehen wird, bis die Bücherei neue Räume bezieht, verlange die Situation am heutigen Standort „jetzt schon schleuniges Handeln, damit die schlimmsten Missstände und Beeinträchtigungen für Kunden und Bücherei-Team beseitigt werden“. Der Förderverein verspricht, im Laufe des Sommers eine Liste mit dringenden Arbeiten vorzulegen. Klar sei außerdem, dass die Gestaltung einer neuen Bücherei – an welchem Standort auch immer – eine Aufgabe sei, die „viel Kreativität, Fachkompetenz und Sensibilität auf Seiten der Planer“ erfordert. Deshalb wünscht sich der Förderverein die Auswahl eines Planungsbüros, das neben Erfahrung im Bibliotheksbau vor allem auch die Bereitschaft zu kooperativen und partizipativen Verfahren im Planungsprozess mitbringt. Die Beteiligung von Nutzern der Stadtbücherei sei ebenso unerlässlich wie die intensive Mitarbeit des Bibliotheks-Teams mit seinem Sachverstand.

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