Mari Eckhardt dreht Normahls Punk-Abrechnung charmant ins Schwäbische: Spott statt Wut, Dialekt statt Frust – und alle lachen mit.
„Isch des NoRMAhl?“ – schon der Titel klingt wie ein trocken dahingeworfenes „Echt jetzt?“ aus der schwäbischen Seele. Die Gmünder Rockband Schtraisalts geht auf charmante Art in den Gegenangriff: Mari Eckhardt, Schwabenrocker, Tattoo-Künstler und Menschenfreund mit Humor, hat Normahls Punk-Abrechnung mit Schwäbisch Gmünd nicht unkommentiert gelassen.
Statt Wut gibt’s Spott, statt Frust eine liebevolle Retourkutsche, verspricht der erfahrene Winnender Musikpromotor Hans Derer (7us), der beide Bands betreut. Und natürlich: alles im schönsten Remstal-Schwäbisch.
Normahl: Punk-Veteranen mit Wut im Bauch
Zur Erinnerung: Normahl, Deutschlands dienstälteste Punkband aus Winnenden, ließ Ende April ein musikalisches Gewitter über Schwäbisch Gmünd niederprasseln. „Mein Gott, wie hass ich dich“ schimpfte der Frontmann Lars Besa, weil seine Band dort in 47 Jahren nie eine Bühne betreten durfte. Kein Club, keine Kneipe, kein Festival. Punk eben – laut, beleidigt, trotzig.
Mari Eckhardts Schtraisalts kontert mit Humor
Und jetzt? Jetzt kontert ein Mann, der das Gegenteil von Punk-Attitüde verkörpert: Der Schorndorfer Mari Eckhardt, seit mehr als einem Jahrzehnt in Spraitbach zuhause, mit Tonstudio und Tattoo-Nadeln. Einer, der Gmünd liebt, so wie man einen störrischen, aber liebenswerten Onkel liebt. Der musikalische Schlagabtausch wird damit zum sympathischsten Kulturclash, den das Remstal seit Langem gesehen hat.
Der Song, aufgenommen mit seiner Band Schtraisalts, ist kein grober Gegenangriff, sondern eine neckische Replik: „I kenn di, Lars, seit die Anfanga – aber des, was du do gsunga hosch, des hot net passe g‘falle“, singt Mari in breitestem Dialekt. Im Text – liebevoll gemein, wie es nur Schwaben können – stellt er klar: Schwäbisch Gmünd sei vielleicht verschlafen, aber sicher kein Grund für Hass.
„Isch des NoRMAhl?“ parodiert die Punk-Vorlage und bleibt doch respektvoll. Ein freundschaftlicher Seitenhieb, den auch Besa selbst genießen kann. „I freu mi über jede Coverversion“, sagt der Punk-Veteran und grinst – nicht zuletzt, weil er als Verleger am Song mitverdient. Punk mit Herz, Schwobarock mit Humor – beide Seiten haben was davon. Mari ist kein Mann der Wut. Eher einer der Geschichten. Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, kennt seine Mundart-Lombaliadla über schlafsackwarme erste Dates, leere Kippenschachteln und Hunde, die ins Grillzeug sch… – äh, schlittern. Er liebt die kleinen Dramen des Alltags. Und auch sein Konter an Normahl ist eher eine Einladung zum Mitlachen als ein Schlag ins Gesicht.
Der Schwabe, der das Volk versteht
„Gmünd isch wie’s isch. A bissle eigensinnig, a bissle gemütlich – aber des isch unser Gmünd“, sagt er. So klingt das Gegenteil von Punk-Wut, und doch funktioniert es als Antwort: Wer mit Humor kontert, gewinnt oft mehr Sympathie als mit Gitarre und Gebrüll.
Eine kleine Kabbelei, die allen Spaß macht
Das Schönste an dieser musikalischen Mini-Fehde, auf die im Übrigen auch der Gmünder OB Richard Arnold mit einem Auftrittsangebot reagiert hat: Am Ende sind sich alle einig, dass sie Spaß macht. Mari spielt mit Dialekt und Selbstironie, Normahl bleibt Punkrock bis in die grauen Haare, und Schwäbisch Gmünd bekommt endlich seinen eigenen Soundtrack – einen, der sowohl trotzig als auch liebevoll ist.
Und vielleicht, wer weiß, stehen die Punklegenden und die Schwobarocker irgendwann doch noch gemeinsam auf einer Gmünder Bühne.
Bis dahin gilt: „Isch des NoRMAhl?“ kann man ab heute streamen und mitsingen. Mit einem Augenzwinkern.