Tim Wigger und Elisabeth Namchevadze (Klavier) neben Anna Baruzzi und Bennet Weber (Rezitation). Foto: Eibner-Pressefoto/Damla Oguz

Der Auftakt der 21. Sommerserenaden in Sindelfingen unter dem Motto junge Künstler zeigt, wieso das Format seit Jahren erfolgreich ist.

Wer von sich behaupten kann, eine Tradition geschaffen zu haben, der kann mit Recht stolz sein. Das gilt für Sabine Duffner, die zusammen mit ihren Mitstreitern zu den 21. Internationalen Sommerserenaden ins Odeon der Musikschule Sindelfingen eingeladen hat. Eine Tradition zu schaffen bedeutet vor allem dauerhaften Erfolg, den man sich erarbeitet durch hohe Professionalität, ein klares Profil und persönliches Engagement.

Aber auch die Veranstaltungszeit, sonntags um 18 Uhr, ist wohl ein günstiger Zeitpunkt Publikum zu finden, das sich mit Lyrik und Musik beschäftigt, die nicht so bedeutungsschwanger daherkommen wie großes Theater oder Oper. Unter dem Motto junge Künstler rezitierten zum Auftakt Anna Baruzzi und Bennet Weber Gedichte berühmter Lyriker des 20. Jahrhunderts.

Und die Deutschen haben doch Humor

Die Texte von Robert Gernhardt, Kurt Tucholsky, Mascha Kaleko und Erich Kästner sorgten mit feiner Ironie und satirischer Schärfe für Heiterkeit. Mit ihrer süffisant-kritischen Sichtweise hatten sie – bis auf Gernhardt – Schwierigkeiten mit den Nazis bekommen. Tucholsky beendete 1935 gar – vermutlich durch Freitod – sein Leben.

Viele ausländische Zeitgenossen sind ja schnell mit der Meinung bei der Hand, dass die Deutschen wenig Humor hätten. Dieser Abend hätte sie eines Besseren belehrt. Klug gewählt waren die Persönlichkeiten der beiden Rezensenten. Weber verkörperte bei den häufig in dialogischer Form vorgetragenen Texten den ruhigeren informativen Part. Seine weibliche Bühnenpartnerin agierte temperamentvoll und verhalf mit mehr Gestik den humorigen Versen zur Wirkung. Das Publikum belohnte diese abwechslungsreiche Darbietung mit Beifall und anerkennendem Gelächter.

Die jungen Feingeister

Die ebenfalls jungen Pianisten Elisabeth Namchevadze und Tim Wigger präsentierten Kompositionen überwiegend aus der bedeutungsschwangeren Romantik – ein schroffer Gegensatz zu den heiteren Texten. Der aus Böblingen stammende Tim Wigger hatte sich für die erste Programmhälfte einen Satz aus Beethovens Sturmsonate ausgesucht, dann das Andante Spianato und Grande Polonaise von Chopin und Harmonies du soir von Liszt aus dessen legendärem Zyklus Études d’éxecution transcendante. Wigger bewältigte die beachtlichen technischen Anforderungen mit professionellem Zugriff. Sein Interpretationsstil war geprägt von klanglich-struktureller Klarheit, sodass man die feinsten Verästelungen nachvollziehen konnte. Vor allem bei Chopins Frühwerk blitzte dann aber auch klangmalerische Phrasierungskunst durch. Für den begeisterten Beifall bedankte er sich mit einer Zugabe von Robert Schumann.

Die zweite pianistische Hälfte gestaltete Elisabeth Namchevadze. Sie bot den ersten Satz aus Mozarts Klaviersonate „KV 547a“, von Chopin die „Ballade op. 47“, die klanglich raffinierte „Ondine“ aus Debussys Préludes, Liszts klangmalerische „Campanella-Etüde“ und als Abschluss Balakirews orientalische Fantasie „Islamey“. Ihre interpretatorischen Stärken waren vor allem ein sehr erzählerischen Phrasierungsstil und feine Tempowechsel sowie ihre technische Souveränität . Beachtliche Variationen in der Klangfarbe machten ihre Darbietungen spannend. Als Zugabe gab es auch mal etwas Heiteres, eine perlende Sonate von Scarlatti.

Weitere Termine sind am 25. August und 1. September, ehe die Klaviernacht am 15. September die Sommerserenaden abschließt.