Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen für Privathäuser ist hoch, beim Gewerbe gibt es aber noch Potenzial. Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, soll der Ausbau von PV-Anlagen im Kreis Esslingen gesteigert werden.
Um bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein, gilt eine Pflicht für Photovoltaik-Anlagen bei Neubauten sowie grundlegenden Dachsanierungen. Aber auch Bestandsgebäude werden nachgerüstet: Während die Nachfrage bei Privatpersonen bislang hoch ist, sollte der Zuwachs im Gewerbe und auf Freiflächen noch steigen.
Im letzten Jahr wurde das PV-Ausbauziel in Baden-Württemberg von 1150 Megawatt PV-Zubau erreicht, das Ergebnis betrug 1857 Megawatt. „Das lag vor allem an der großen Nachfrage bei Privatpersonen, aber auch an verbesserten Bedingungen für die Freiflächen-PV“, erläutert Magnus Schulz-Mönninghoff von der Klimaschutzagentur des Landkreises (KSA). Ähnlich ist das Bild im Kreis Esslingen: Mit 51 Megawatt PV-Zubau wurde auch hier für 2023 „ein absolutes Rekordergebnis erzielt“.
Allerdings sind bislang die Einfamilienhäuser und die kleineren, gewerblichen Anlagen der Treiber. „Bei den richtig großen gewerblichen PV-Anlagen und vor allem auch bei der Freiflächen-PV, die wir perspektivisch dringend brauchen, passiert bei uns im Landkreis noch zu wenig“, sagt er.
Treiber sind Einfamilienhäuser
Um das Ziel der Klimaneutralität 2040 zu erreichen, sind landesweit ab 2026 mehr als 2500 Megawatt PV-Zubau pro Jahr erforderlich. „Das ist herausfordernd“, sagt Schulz-Mönninghoff. Denn dafür müsse die Nachfrage im Privatsektor weiter hoch bleiben und der Zubau im Gewerbe und der Freiflächen-PV deutlich verstärkt werden. Allerdings zeichne sich bereits für 2024 ein Nachfrageeinbruch im Privatbereich ab.
Um Gewerbetreibende über Photovoltaik-Anlagen zu informieren, führt die KSA eine Veranstaltungsreihe zum Thema durch. Unternehmer berichten dabei von ihren Erfahrungen mit PV-Anlagen. Gerade für Gewerbetreibende mit eigenem Strombedarf sei oft schnell klar, dass eine Investition in eine PV-Anlage eine sichere und in jedem Fall wirtschaftlich sinnvolle Investition darstelle, sagt Schulz-Mönninghoff. Probleme bei der Installation der PV-Anlagen wegen fehlenden Handwerken oder Materiallieferschwierigkeiten, wie vor etwa zwei Jahren, sind nach Angaben von Schulz-Mönninghoff indes aktuell kein Thema.
Solarthermie oder Photovoltaik?
Außer für Photovoltaik, also die Stromerzeugung mittels Solarpanels, kann die Sonnenenergie auch für Solarthermie genutzt werden, um Wärme zu erzeugen. Zu gewerblichen Solarthermie-Anlagen hat die KSA nach eigenen Angaben allerdings bislang kaum Anfragen erhalten. Die Kommunen seien teilweise im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung an dem Thema interessiert. Bezogen auf die solare Energie pro Quadratmeter Dachfläche weisen Solarthermie-Anlagen eine höhere Effizienz, also einen höheren Energieertrag, als Photovoltaik-Anlagen auf, sagt Schulz-Mönninghoff. „Das sollte jedoch nicht das ausschlaggebende Argument sein.“
Entscheidend ist, welche Form von Energie gebraucht wird: Wer einen niedrigen Strombedarf und eine neue, effiziente Gasheizung habe, könne mit einer Hybrid-Heizung aus Gas und Solarthermie die Vorgabe von 65 Prozent erneuerbare Energien des Gebäudeenergiegesetzes erfüllen – und das günstiger als mit einer Wärmepumpe. Werde jedoch eine Wärmepumpe angeschafft, könne diese die elektrische Energie einer PV-Anlage nutzen und so mindestens das zweieinhalbfache an Wärmeenergie erzeugen. „Dadurch wird der Effizienznachteil der PV-Anlage wettgemacht“, so Schulz-Mönninghoff.
Eine Info-Veranstaltung zu Photovoltaik findet am Donnerstag, 18. Juli, ab 17.30 Uhr bei der Firma Heinrich Feeß in Kirchheim statt. Anmeldungen bis 16. Juli unter www.klimaschutzagentur-landkreis-esslingen.de