Wer nach einem Auszeit wieder arbeiten will, sollte klären, wie sich Kinder und Job vereinbaren lassen. Foto: dpa/Mascha Brichta - dpa/Mascha Brichta

Vor dem beruflichen Wiedereinstieg nach langer Pause stellen sich Fragen: Ist man dem Job noch gewachsen? Möchte man überhaupt zurück zu der alten Arbeit? Das lässt sich herausfinden.

Heilbronn/MünchenAusbildung oder Studium absolviert, danach einige Jahre gearbeitet und Karriere gemacht. Dann kamen die Kinder – oder man entschied sich, für eine Weltreise länger Pause zu machen: Joballtag ade. Aber nicht für immer. Irgendwann keimt bei den meisten das Bedürfnis auf, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Mit dem Wunsch kommen aber nicht selten auch Zweifel. Kann man mit den Entwicklungen mithalten, ist man der rasant fortschreitenden Digitalisierung gewachsen? Solche Fragen sind ganz normal. Es hilft, für den Wiedereinstieg ausreichend Vorlauf einzuplanen. So lassen sich Optionen in Ruhe ausloten.

Sechs bis zwölf Monate vor dem geplanten Wiedereinstieg sollten Berufsrückkehrer ihr Vorhaben angehen. „So bleibt genügend Zeit, um sich zu informieren und sich gegebenenfalls fortzubilden“, sagt Ute Gietzen-Wieland, Business- und Mental-Coach in Bielefeld.

Bevor es ans Bewerben geht, sollten sich Rückkehrer ein klares Konzept machen, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen. Wer holt das Kind vom Kindergarten ab und was ist, wenn der Sohn krank ist? Wer bringt die Tochter zum Training? Solche Fragen müssen geklärt und Aufgaben verteilt sein, denn das Thema dürften potenzielle Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch ansprechen.

Orientierungsangebote im Netz

Und dann ist da noch die Frage: Wo möchte man arbeiten? Ist die Tätigkeit, die man vor seiner Pause gemacht hat, überhaupt noch die richtige? Hier lohnt ein Blick auf die Website der Bundesagentur für Arbeit. In der Rubrik „Karriere und Weiterbildung“ finden angehende Wiedereinsteiger Checklisten sowie Informationen zu Berufen, Verdienstmöglichkeiten oder Weiterbildungsmöglichkeiten.

Außerdem bietet die Agentur mit dem Berufe-Check ein Selbsteinschätzungstool, das eigene Stärken mit Anforderungen von Berufen abgleicht. „Gerade nach einer längeren Familienphase ist es sinnvoll, sich ein Bild über die vorhandenen Fähigkeiten und ihren aktuellen Wert für den Wiedereinstieg zu verschaffen“, sagt Sandra Büchele. Sie ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in Heilbronn.

Unterstützung bietet auch das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ an. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Arbeitsagentur vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen. Deutschlandweit gibt es über 20 Standorte, bei denen sich Frauen und Männer individuell oder in Gruppenmodulen beraten lassen können, wie ihnen der Weg zurück ins Berufsleben am besten gelingt. Angeboten werden zum Beispiel Workshops zu den Themen Kompetenzerfassung, Bewerbung und Gehaltsverhandlungen. In München werden solche Workshops von dem Netzwerk power_m organisiert. Monika Wegat ist Teil des Projektteams. „Wir machen mit Teilnehmern Rollenspiele“, erzählt sie. Experten loten dabei soziale, fachliche und methodische Kompetenzen der Teilnehmer aus.

Danach steht ein individuelles Gespräch auf dem Plan. Stellt sich hier heraus, dass jemand in den früheren Beruf zurückkehren möchte, aber veraltete Fachkompetenzen hat, könnte man sich etwa von der Arbeitsagentur mit einem Bildungsgutschein eine Weiterbildung fördern lassen. Schließlich geht es an die Stellensuche und das Schreiben von Bewerbungen. Wer unsicher ist, kann sich einen Coach an die Seite holen, der Tipps für die Bewerbung gibt und bei den Vorbereitungen auf die Vorstellungsgespräche hilft.

Selbstbewusst auftreten

Beim Gespräch sollten Wiedereinsteiger selbstbewusst auftreten ohne zu übertreiben, rät Büchele. Bewerber können einfließen lassen, dass sie während der Auszeit wichtige Kompetenzen erworben oder verstärkt haben, die auch im Berufsalltag essenziell sind. Gleichzeitig gilt es, überzeugend aufzutreten und seinem Gegenüber das Gefühl zu geben, die gestellten Anforderungen erfüllen und neue Herausforderungen meistern zu können. Generell sollten Wiedereinsteiger darauf achten, dass die angestrebte Tätigkeit einem mehr als bloß Geld bringt. „Der Beruf muss auch Spaß machen“, stellt Wegat klar. Sie rät dazu, eine Vision zu entwickeln, wo man in fünf oder zehn Jahren mit Blick auf den Job stehen möchte. Der Wiedereinstieg ist schließlich oft nur der erste Schritt, mit dem eine neue lange Berufsphase beginnt. Und noch eine Empfehlung: „Die interessanten Jobs werden selten in kleiner Teilzeit oder halbtags vergeben“, erklärt Büchele. Rückkehrer sollten darum mit einer möglichst hohen Stundenzahl wieder einsteigen.

http://dpaq.de/P3U60

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: