Wasser ist kostbar. Daher sollte man Regenwasser so gut wie möglich auffangen und nutzen. Foto: dpa/Andrea Warnecke - dpa/Andrea Warnecke

Mit einer Regenwassernutzungsanlage kann Regen gesammelt und zum Beispiel für die WC-Spülung, zum Putzen und Wäschewaschen genutzt werden.

Darmstadt/Sankt AugustinDer Sommer 2018 bleibt vielen mit seinen Extremen in Erinnerung: In einigen Regionen Deutschlands gab es wochenlange Trockenheit, in anderen zeitweise Starkregen und Überschwemmungen. Angesichts solcher Naturereignisse fragt sich mancher: Wie kann ich zu Hause vorsorgen? „Eine Antwort auf diese Fragen kann die Nutzung des Regenwassers sein“, sagt Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung in Darmstadt. „Die Trinkwassereinsparung beträgt dadurch etwa 50 Prozent des häuslichen Verbrauchs“, erklärt Sperfeld. Diese Anlagen sind auch bei Starkregen hilfreich – denn die Zisterne kann viel Wasser auffangen.

Wie funktioniert eine Regenwassernutzungsanlage?

„Der Regen von der Dachfläche wird gesammelt und über die Regenfallrohre durch einen Filter geleitet. Dann fließt es in einen Erdspeicher, auch Zisterne genannt“, erklärt Andreas Braun vom Zentralverband Heizung Sanitär Klima. Diese Speicher lassen sich unauffällig unter der Garagenzufahrt oder im Garten unterirdisch unterbringen. Wichtig ist, dass das Regenwasser gut gereinigt wird. „Dazu dient neben dem Filter ein beruhigter Regenwasserzulauf.“ Er vermeidet, dass im Speicher Sediment aufgewirbelt wird. Um das Wasser aus den saubersten Schichten zu entnehmen, wird der Entnahmeschlauch schwimmend verlegt.

Wo kommt das Zisternenwasser im Haushalt zum Einsatz?

Es eignet sich beispielsweise für die WC-Spülung, zum Putzen und zum Wäschewaschen. „Die Trinkwassereinsparung beträgt dadurch etwa 50 Prozent des häuslichen Verbrauchs“, erklärt Sperfeld.

Wer Wäsche mit Regenwasser reinigt, sollte aber vorsichtig sein, wenn Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder Säuglinge im Haushalt leben. „Zwar werden beim Wäschewaschen mit Regenwasser durch Temperatur und Waschmittel gesundheitsgefährdende Keime in der Regel abgetötet“, sagt Kirschbaum. „Bei den anschließenden Spülungen mit kaltem Wasser ist dies jedoch nicht sichergestellt, sodass Keime in die Wäsche übertragen werden können.“ Dieses Risiko kann man nur durch eine geeignete Aufbereitung des Wassers ausschließen, oder wenn man die Wäsche anschließend bügelt. Grundsätzlich gilt: „Regenwasser hat oft die Qualität von Badegewässern, ist also sauber und klar“, sagt Sperfeld. „Kommt es allerdings von begrünten Dächern, kann es leichte Verfärbungen haben, die aber die Qualität nicht beeinträchtigen.“

Kann jeder so eine Anlage nutzen?

Nicht ganz. „Einige Dachmaterialien sind für das Auffangen und die weitere Nutzung von Wasser im Garten nicht oder nur beschränkt geeignet“, sagt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. So können von Dächern aus Kupfer und Zink Metallverbindungen abgeschwemmt werden, auch bei Dächern mit Teerpappe kann die Bitumenabdichtung Biozide freisetzen. Hier sollte man von einer Regenwassergewinnung absehen.

Brauche ich dafür eine separate Regenwasserleitung im Haus?

Ja. „Wer Regenwasser nutzt, braucht ein zweites Leitungssystem zusätzlich zur Trinkwasserleitung“, sagt Braun. Denn laut der Trinkwasserverordnung muss man sicher stellen, dass es an der Regenwassernutzungsanlage eine Sicherung gibt, die verhindert, dass sich Regenwasser mit Trinkwasser mischt. Diese Leitungen müssen farblich so gekennzeichnet sein, dass offensichtlich ist, dass sie kein Trinkwasser führen.

Wie lange reicht ein Regenwasserspeicher bei Trockenheit?

Das kommt auf den Verbrauch an. „Drei bis vier Wochen sollte das Wasser schon reichen, wenn der Speicher voll war“, sagt Sperfeld. Braun rät: „Wer viel Regenwasser nutzt, sollte mit seinem Versorger sprechen, ob die Trinkwasseranlage dann kleiner ausfallen kann und damit günstiger wird.“ Mit Regenwasser und einem zusätzlichen Brunnen wäre sogar eine autarke Wasserversorgung möglich. Aber dies sei in Deutschland kaum ein Thema, so Sperfeld: Nur ein Prozent der Verbraucher ist nicht an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen.

Dennoch: Es lohnt sich eigentlich immer, Regenwasser zu speichern und zu nutzen. „Das ist ökonomisch und ökologisch. Denn sauberes Trinkwasser kann in vielen Regionen nur mit immer größerem Aufwand bereitgestellt werden und wird daher immer teurer“, erklärt Sperfeld.

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