Auch der Aufbau des „Tor des Lebens“ ist ein Gemeinschaftswerk gewesen. Foto: Edgar Layher

Der Skulpturenpfad im Weissacher Tal ist komplett erneuert worden. Ein fast vier Meter großes Objekt, das nicht weniger als das gute Leben symbolisiert, hat der Althüttener Bildhauer Jo Nagel mit Kindern und Jugendlichen gestaltet.

Miteinander, Gesundheit, Sport, Wissen, Glück, Gerechtigkeit, Frieden oder Kultur – das sind Schlagworte, die Jugendlichen in den Sinn kommen, wenn sie gefragt werden, was für sie ein gutes Leben ausmacht. Der Althüttener Bildhauer Jo Nagel hat diese Frage mit Kindern und jungen Erwachsenen im Alter zwischen neun und 18 Jahren nicht nur ausgiebig erörtert, sondern sich gemeinsam mit ihnen Gedanken gemacht, wie sich das in einem Kunstobjekt darstellen lässt. Nagel war zuvor nach einem Beitrag für eine Skulpturenschau im Weissacher Tal angefragt worden.

Kreativ in den Ferien

In den Faschingsferien ist das Projekt im örtlichen Bildungszentrum konzipiert worden. In den Osterferien haben sich die Beteiligten mit viel Enthusiasmus und Engagement an die Umsetzung gemacht und Einzelteile aus Holz, Stein, Metall,Wachs und Glas gefräst, gesägt, geschliffen oder bemalt.

Entstanden sind verschiedene Symbole: Ein Storch als Sinnbild für die Geburt, ein Kreuz für den Tod, zwei sich drückende Hände für das Miteinander, eine Gitarre für die Musik oder ein Herz für die Liebe. Alle Symbole zusammen sollen ein „Tor des guten Lebens“ bilden. Streng genommen sind es drei Tore, die hintereinandergereiht eine fast vier Meter hohe Skulptur bilden und von einem Friedenszeichen gekrönt werden.

Die Begrifflichkeiten stehen einerseits für ihren Hintergrund, sollen aber als Einheit auch verdeutlichen, dass ein gutes Leben nur in einer Gemeinschaft entstehen könne, sagt Jo Nagel, der neben seinem künstlerischen Schaffen unter anderem auch als Dozent an der Jugendmusik- und Kunstschule in Backnang tätig ist. „Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit sind inhaltslos, solange sie nicht von allen gelebt werden“, sagt der Künstler. Darum trage das Projekt auch den Untertitel „Gemeinsam geht mehr“.

Auch die Eltern helfen mit

Gemeinsam sind am vergangenen Wochenende denn auch die Einzelteile des Kunstwerks zusammengebaut worden. Mehr als 25 Kinder, Jugendliche und Eltern haben letzte Hand an das angelegt, was seither in einer Garage zwischengelagert worden war. Dazu mussten noch Balken mit Hammer und Stechbeitel zurecht gehauen und Balkenschuhe neben dem vorhanden Sockel eingesetzt werden – was wegen des steinigen Untergrundes gar nicht so einfach gewesen sei, wie Jo Nagel berichtet. Von findigen Eltern sei deshalb aber noch rasch ein Spaten organisiert und ein großer Bohrhammer besorgt und zum Einsatz gebracht worden. Ein echtes Gemeinschaftswerk eben.

Alle drei Jahre neu

An diesem Sonntag wird das fast vier Meter hohe Gebilde nun als Teil des neuen Weissacher Skulpturenpfads feierlich eingeweiht. Seit dem Jahr 2012 wird im Teilort Unterweissach Kunst im öffentlichen Raum präsentiert. Alle drei Jahre werden die Objekte des Pfads „An Bücken und Wegen“ nach Möglichkeit erneuert.

Ein neuer Blickfang in diesem Jahr ist etwa ein mehrere Meter großes rotes Kleid, das sich am Brüdenbach gegenüber dem Rathaus dreht. Die kinetische Skulptur aus Stahl, Stoff, Glasfaser und Epoxidharz hat die Wendlinger Künstlerin Anja Luithle „Ella“ genannt, sie spielt damit auf die griechische Schönheit Helena an.

Hera als nackter Torso

Auch Maria Magels „Hera“, nur einen Steinwurf entfernt vor dem hiesigen Bürgerhaus platziert, hat einen Griechenland-Bezug. Die Schutzgöttin der Ehe, der Frauen und der Familie ist von der Immendinger Künstlerin als nackter Torso konzipiert.

Gut 300 Meter weiter findet sich Nepomuk. Andreas Welzenbach hat den Brückenheiligen „umgeschnitzt“ und jenem Märtyrer, der einst Ende des zwölften Jahrhunderts von der Prager Karlsbrücke in die Moldau geworfen worden war, wo er ertrank, eine Schwimmweste verpasst.

Zehn Skulpturen mitten im Ort

Gegenüber liegt „Quo vadis“ auf dem Brückengeländer. Aus einem einzigen Eichenstamm hat Ariane Ehinger aus Bad Waldsee ein komplexes Werk aus Schlaufen und Wendungen gearbeitet. Die Skulptur sei als Beispiel für die Verschmelzung von Interaktion und Beziehung zu sehen, für das Gefühl von Bewegung und Lebendigkeit und damit auch als ein Synonym für die Kreisläufe unseres Lebens, heißt es in der Werksbeschreibung.

Insgesamt zehn Skulpturen umfasst der Skulpturenpfad mitten im Ort. Ob zum Schmunzeln, zum Nachdenken oder einfach nur Erfreuen – für drei Jahre haben die Passanten im Weissacher Tal hier nun wieder eine neue Inspiration.

Veränderter Skulpturenpfad in Weissach

Anfänge
 Der Skulpturenpfad „An Brücken und Wegen“ ist im Jahr 2012 ins Leben gerufen worden. Geplant und umgesetzt wird er von Ehrenamtlichen des Kulturkreises Bildungszentrum Weissacher Tal mit Unterstützung der Gemeinde. Der Rundweg umfasst zehn Standorte.

Eröffnung
 Die fünfte Auflage wird an diesem Sonntag, 23. Juni, um 11.15 Uhr eröffnet. Treffpunkt ist das Bürgerhaus in Unterweissach im Welzgraben 8. Nach der Begrüßung durch den Weissacher Bürgermeister Daniel Bogner führt Michael Schützenberger in die Werke ein.