Die Sitz- und Flitzhasen stehen wieder im Scharnhauser Park. Petra Enz-Meyer, Daniel Blank, Holle Nann und OB Christof Bolay (von links). Foto: Roberto Bulgrin

Die Menschen in Ostfildern haben 40 000 Euro für die Reparatur der Skulpturengruppe von Rosalie gespendet. Nun steht das Kunstwerk wieder im Scharnhauser Park.

Die Zeit der einsamen Möhre im Scharnhauser Park ist vorbei. Die Sitz- und Flitzhasen der Künstlerin Rosalie erstrahlen wieder im neuen Glanz. Monatelang waren die zwölf Hasenpaare in einer Werkstatt in Berlin. Kunstsinnige Bürgerinnen und Bürger spendeten für den Erhalt des Kunstwerks im öffentlichen Raum. Den Rest gab die Stadt dazu.

Dass der Erhalt des Kunstwerks auch in Zeiten knapper Kassen möglich wurde, freut Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay. Am 13. Dezember wird rund um das Kunstwerk eine Hasenparty gefeiert.

Weil die riesigen, stilisierten Figuren stark beschädigt waren, stand der Abbau der Skulptur zur Debatte. Das wollten viele Menschen verhindern. „Die Sitz- und Flitzhasen sind zu einem Wahrzeichen der Stadt Ostfildern geworden“, sagte der OB. Das Kunstwerk steht auch geografisch im Zentrum der Großen Kreisstadt mit 40 000 Einwohnern. Rosalie, die sich als Bühnenbildnerin, Lichtkünstlerin und Bildhauerin international einen Namen gemacht hatte, starb 2017 im Alter von 64 Jahren. Für die Landesgartenschau 2002 in Ostfilderns jüngstem Stadtteil hat sie neben den zwölf Hasen-Paaren in Gelb und Pink den Froschbrunnen in unmittelbarer Nähe geschaffen.

Klare Bekenntnis von Bürgerschaft und Gemeinderat zur Kunst

Dass die Skulptur dank der Spendenaktion und dem klaren Bekenntnis des Gemeinderats zur Kunst erhalten werden konnte, ist für Daniel Blank keine Selbstverständlichkeit. Der Leiter des Fachbereichs Kultur und soziales Miteinander denkt da an andere Städte wie etwa Dortmund, in denen Rosalies farbenfrohe Kunst im öffentlichen Raum abgebaut werden musste.

Die Sitz- und Flitzhasen sind ein Wahrzeichen der Stadt Ostfildern geworden. Foto: Roberto Bulgrin

Mit Holle Nann, der Leiterin der Galerie der Stadt Ostfildern und mit engagierten Menschen um Petra Enz-Meyer hat Blank eine Initiative ins Leben gerufen. Die Mitglieder trieben die Aktion mit Nachdruck voran. Dass so viel Geld zusammenkam, hat Enz-Meyer verblüfft. Das zeigt ihr auch den hohen Stellenwert, den die Kultur für die Menschen in Ostfildern hat. Der Froschbrunnen, den die Künstlerin Rosalie ebenfalls geschaffen hat, ist bei Kindern wie bei Kunstfans gerade im Sommer sehr beliebt. Da sei allerdings in absehbarer Zeit keine Reparatur geplant, sagt Christof Bolay.

Großspender wie die Hofkammer, die Margarete-Müller-Bull-Stiftung und die Bürgerstiftung Ostfildern haben nach den Worten von OB Bolay dazu beigetragen, dass das Spendenziel erreicht wurde. 40 000 Euro brachten die Bürgerinnen und Bürger für das ambitionierte Rettungsprojekt auf – und das in wenigen Monaten. Trotz schwieriger Finanzlage bewog das die Kommunalpolitiker dazu, denselben Betrag beizusteuern. Dass die Reparatur der Figurengruppe längst überfällig war, gibt die Kunsthistorikerin Holle Nann zu bedenken. „Wenn man die Skulpturen berührte, hörte man schon das Regenwasser, das sich im Inneren staute“. Nicht nur das Wetter, auch spielende Kinder haben den Kunstwerken aus Kunststoff zugesetzt. Die Chefin der Galerie ist froh, dass die Reparatur gelungen ist.

Wiese im Scharnhauser Park wiederaufgebaut

Der Transport in die Werkstatt war nach ihren Worten ebenso herausfordernd wie der Wiederaufbau auf der Wiese im Scharnhauser Park. „Da haben nicht zuletzt die Mitarbeiter unseres Bauhofs viel geleistet“, lobte OB Bolay den Kraftakt seines Verwaltungsteams. Sie mussten die Skulpturen aus den Fundamenten heben. Auch Bolay selbst hat für die Spendenaktion geworben. Aus seiner Sicht liegt es an der Strahlkraft des Kunstwerks, dass die Spenden so reichlich geflossen sind. Die Idee, Bürgerinnen und Bürger ins Boot zu holen, sei zwar in diesem Fall geglückt, sagt der OB. Allerdings ist das für den Kommunalpolitiker kein Heilmittel, um knappe Etats aufzustocken. Einen Spielplatz mit Spenden von Eltern zu finanzieren, das käme für Bolay nicht in Frage. Sonst stumpfe die Spendenbereitschaft schnell ab. In Ostfildern habe das aber auch früher funktioniert, etwa beim schweren Erdbeben in der Partnerstadt Mirandola im Jahr 2012. Da rief Bolay alle Bürger auf, einen Euro zu spenden – das wären dann 40 000 Euro. „Am Ende sind 150 000 Euro zusammengekommen“, erinnert der OB an das vorbildliche bürgerschaftliche Engagement.

An den Sitz- und Flitzhasen nagte der Zahn der Zeit. Foto: Ines Rudel

Dass nun die Sitz- und Flitzhasen mit Spendengeldern gerettet werden konnten, zeigt Holle Nann, wie wichtig den Menschen in Ostfildern die Kultur gerade jetzt ist. „Dass aus der Initiative nun ein Freundeskreis für die Galerie entstanden ist, freut mich besonders.“ Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage sei es wichtig, dass sich die Menschen zur Kultur bekennen. Durch Kooperationen mit Schulen, gemeinsame Projekte und Führungen erreicht die Chefin der Galerie ein breites Publikum in der Stadtgesellschaft.

Die Künstlerin Rosalie

International erfolgreich
Die Stuttgarter Künstlerin Rosalie hat mit ihren Theater- und Bühnenbildprojekten für Oper, Ballett, Schauspiel und Film sowie mit ihren Ausstellungsprojekten in der zeitgenössischen Bildkunst und Lichtkunst international Akzente gesetzt. Sie starb 2017. „Sie hat in diesen künstlerischen Disziplinen neue Sprachen der Ästhetik entwickelt und mediale Vernetzungen in innovativen Grenzüberschreitungen realisiert“, ist auf der Homepage zu lesen, die an ihr Schaffen erinnert: www.rosalie.de.

Kunst im öffentlichen Raum
Die Installation „Lustgarten“, die sie anlässlich der Landesgartenschau im Scharnhauser Park geschaffen hat, bestand aus drei Teilen. Neben den Sitz- und Flitzhasen und dem Froschbrunnen gab es noch einen dritten Teil, die „Windhosen“. Letztere bewegten sich als rote und gelbe Zeichen weithin sichtbar im Wind. Sie wurden nach der Landesgartenschau abgebaut.