Am Hörnle ist noch Platz auf der Liegewiese. Foto: dpa

Seit der vergangenen Woche ist der Breitnauer See gesperrt. Auch am Bodensee wird es an den offenen Badestellen eng. Die ersten Gemeinden haben schon reagiert.

Sipplingen - Baden, Lagern und Grillen verboten: nach Sipplingen greift auch die westliche Nachbargemeinde Bodman-Ludwigshafen durch. Auf den Uferanlagen am Bodensee sehe es aus, „als gäbe es kein Corona“, erklärte der Hauptamtsleiter Stefan Burger. Die Menschen lagerten dicht an dicht und hielten die Abstandsregeln nicht ein. Offenbar würden viele wegen der Besucherbegrenzungen in den Freibädern auf die offenen Seezugänge ausweichen. Die Ufersperrung in Sipplingen erhöhe den Druck weiter.

In Bodman-Ludwigshafen ist das Baden künftig außerhalb der beiden Strandbäder nur noch morgens bis 10 Uhr erlaubt. Das Verbot gelte bis zum 15. September, heißt es in der erlassenen Allgemeinverfügung. Sipplingen hatte die Ufersperrung hingegen zunächst nur für Freitage, Samstage und Sonntage, zwischen 11 und 17 Uhr verhängt. „Wir haben auch Gäste, und ich möchte kein Spielverderber sein“, sagte der Sipplinger Bürgermeister Oliver Gortat. Allerdings hätten Kontrollen nicht weiter geführt. „Wenn unser Gemeindevollzugsdienst auf die Abstandsregeln hinweist, trifft er auf viel Verständnis. Aber wenn er zurückkommt, sitzen schon wieder andere da“, sagte Gortat.

Konstanz und Friedrichshafen warten ab

Es ist kein Zufall, dass die beiden Gemeinden vorpreschen. Sie sind die ersten, die über die A 81 von Stuttgart aus erreicht werden. Droht am See nun ein Dominoeffekt mit weiteren Sperrungen? Vor allem die großen Städte winken ab. „Wir haben die Kapazitäten“, sagte der Sprecher der Stadtwerke Konstanz, Christopher Pape. Allein am kostenlosen Strandbad Hörnle dürften nach den Corona-Regeln bis zu 4500 Menschen baden. „Dasl haben wir bisher nicht erreicht.“

Auch in Friedrichshafen ist man bisher gelassen. „Die Situation lässt sich handhaben“, sagte die Sprecherin der Stadt, Andrea Kreuzer. Im Park unterhalb des Graf-Zeppelin-Hauses und auf dem Freizeitgelände im Ortsteil Manzell werde regelmäßig kontrolliert. Bisher hätten keine Bußgelder wegen der Missachtung der Abstandsregeln verhängt werden müssen. In den kostenpflichtigen Strand- und Freibädern habe man den eingeführten Schichtbetrieb sogar aufgehoben. „Die Leute dürfen wieder so lange bleiben wie sie wollen“, sagte die Sprecherin. Ein Ampelsystem im Internet, warne vor voller Belegung. Bisher habe die Ampel aber noch nie auf Rot gestellt werden müssen.

Auch am Schluchsee ist man aufmerksam

Wegen der längeren Uferlinie am Bodensee sei die „Gesamtthematik nicht so dramatisch wie am Breitenauer See“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg. Der Baggersee bei Obersulm (Kreis Heilbronn) ist seit vergangenem Freitag gesperrt. Auch anderswo blicken die Verantwortlichen nervös auf ihre Liegewiesen. In Kirchentellinsfurt bei Tübingen seien die Flächen voll, aber bisher laufe alles auf Abstand.

Nicht die Corona-Vorschriften seien das Problem, sondern der Müll, der am Ufer liegen bleibe, sagte der Hauptamtsleiter Michael Schäfer. Chaotisch sei auch die Parksituation. Um den Andrang zu drosseln, wurde der Parkplatz geschlossen. Dies führt dazu, dass Autos wild abgestellt und viele Strafzettel verteilt werden. Man habe die gesamte Lage im Blick, versicherte Schäfer. „Wenn sich in den nächsten Tagen etwas anbahnen würde, wäre das Thema Sperrung denkbar.“

Der größte See im Schwarzwald, der Schluchsee, ist fast überall gut zugänglich. „Wir haben 18 Kilometer Strand“, sagte Bürgermeister Jürgen Kaiser. Auch er war schon im Wasser. Hochsommerlich belebt sei das Ufer, falls es sich zu sehr fülle, werde man reagieren, kündigte Kaiser an.

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