Hohe Wellen schlug die Absage der Ostermärkte durch die Aktiven Unternehmer in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) wegen der generellen Sorge vor Anschlägen. Jetzt wird doch gefeiert.
Der große Knatsch zwischen Aktiven Unternehmern und der Stadtverwaltung von Bietigheim-Bissingen ist beigelegt. Nach der Absage des Osterbrunnenfestes und des Bissinger Ostermarktes findet das Herzens Mai’le am 25. Mai mit einem verkaufsoffenen Sonntag statt. Die Bedenken der Unternehmer wegen der Sicherheit scheinen zumindest im Großen und Ganzen vom Tisch – ein mögliches Nein zu allen Festen in diesem Jahr damit auch.
Noch vor wenigen Wochen erklärten sich die Unternehmer überfordert, die Ostermärkte auszurichten. Neue Sicherheitsauflagen nach den Anschlägen in Magdeburg, Mannheim und München hätten umfangreiche Auflagen zu Folge gehabt. Unter anderem müssen Privatwagen oder Lastwagen aufgestellt werden, um potenzielle Amokfahrer aufzuhalten. Inzwischen führten Unternehmer, Verwaltung und Stadträte viele Gespräche. So kann das Herzen’s Maile mit bisher jeweils rund 70 000 bis 100 000 Besuchern stattfinden.
Zufrieden mit dem Agreement äußert sich Sven Schaller, Vorsitzender der Aktiven Unternehmer: „Die Anforderungen an die Herzens Mai’le und das Osterbrunnenfest unterscheiden sich nicht grundlegend, doch haben sich die Rahmenbedingungen und Perspektiven in den vergangenen Wochen verändert.“
Trotzdem hadert Schaller mit den Vorgaben: „Unter den aktuellen Umständen kann dies keine dauerhafte Lösung sein.“ Die Unternehmer setzten sich aber dafür ein, „dass unser gesellschaftliches Leben nicht durch vage, wenn auch zweifellos existente Bedrohungen lahmgelegt wird.“ Die ehrenamtliche Aktivität verdiene Unterstützung.
Über das Gewicht der Absperr-Fahrzeuge herrscht mehr Klarheit
Das Problem ist die Haftung. Weil die Aktiven Unternehmer die Feste ausrichten, müssen sie auch für Schäden geradestehen, an denen ihnen eine Mitschuld nachgewiesen werden könnte. Sven Schaller setzt auf eine gemeinsame Ortsbegehung in dieser Woche mit der Stadtverwaltung. „Wir werden klar definieren, an welchen Stellen welche ,Gewichtsklasse’ eines Fahrzeugs als Zufahrtssperre zu stehen hat.“ Damit könnten die Unternehmer ihre bereits sehr guten Sicherheitskonzepte anpassen – „bisher einer unserer Haupt-Schmerzpunkte“.
In dem Kompromiss sieht Sven Schaller den ersten Schritt. „Unsere Aufgabe ist es, einen tragfähigen Weg zu finden, der die Durchführung solcher Feste langfristig ermöglicht, ohne ehrenamtliche Strukturen zu überfordern.“
Unternehmer fordern immer noch finanzielle Unterstützung
Klare Worte richtet der Unternehmer-Chef an die Adresse von Bund und Land, die ablehnten, die Ausrichter von Festen finanziell zu entlasten, gleichzeitig aber Schulden-Orgien für abstrakte Verwaltungszwecke feierten. Die Lehre daraus: „Finanzielle Unterstützung wird nur vor Ort möglich sein.“ Ehrenamtler gingen nun also überall in Verhandlungen mit Stadtverwaltungen, die selbst – nicht erst seit 2015 – unter immensem Kostendruck stünden.