Auf dem Weg zum feurigen Jahreswechsel: Zur Sicherheit an Silvester in Stuttgart stellen sich einige Fragen. Foto: picture alliance/dpa

Der Feuerwerksverkauf ist in vollem Gange. Aber in Stuttgart gilt an Silvester in der Innenstadt ein Böllerverbot. Was Feiernde wissen sollten.

Die Polizei wird aufrüsten müssen, damit Silvester in der Stuttgarter Innenstadt sicher bleibt. Denn die Stadt hat die zentral organisierte Lightshow und Feier auf dem Schlossplatz aus Kostengründen gestrichen. Das Innenministerium kündigt stattdessen ein „engmaschiges Raumschutzkonzept“ an. Und benennt die voraussichtlichen Brennpunkte. Das wirft Fragen auf.

Bei Fehlverhalten rund ums Feuerwerk werden Strafen und Bußgelder angedroht. Wie hoch waren sie tatsächlich?

200 Euro. So viel zahlten sieben erwischte Sünder beim letzten Jahreswechsel. Und neun an Neujahr 2024. Allerdings waren es an Neujahr 2023 noch 73 Sünder. Das Ordnungsamt hat seine Geldbußen somit im unteren Bereich verhängt. Nach eigenen Angaben sind bis zu 5000 Euro möglich. In schweren Fällen sieht das Sprengstoffgesetz bis zu 50 000 Euro vor.

Aber der Transport von Böllern im Stadtzentrum, ohne sie zu zünden, das ist doch erlaubt?

Nein. Im gesamten Bereich innerhalb des Cityrings gilt von 18 bis 6 Uhr auch ein sogenanntes Mitführverbot von Feuerwerk. Die Zone liegt zwischen Hauptbahnhof und Paulinenstraße sowie zwischen Hauptstätter Straße und Theodor-Heuss-/Friedrichstraße.

Hier sind Feuerwerkskörper tabu. Foto: Grafik/Yann Lange

„Feuerwerkskörper werden beschlagnahmt und unbrauchbar gemacht“, heißt es beim Ordnungsamt. Ein explizites Böllerverbot gilt außerdem im Bereich der Grabkapelle auf dem Württemberg in Rotenberg sowie rund ums Schloss Solitude. Gleiches gilt grundsätzlich im Umfeld von Krankenhäusern, Kirchen, Pflegeheimen, Fachwerkhäusern.

Doch wie soll das alles in der Innenstadt kontrolliert werden?

Mehr Polizei. „Wir haben unsere Kräftekonzepte angepasst“, formuliert es der Stuttgarter Polizeisprecher Timo Brenner. Das heißt: Mehr Beamte als zuletzt bei der organisierten Silvesterfeier, bei der es Zugangskontrollen und Unterstützung durch einen privaten Sicherheitsdienst gab.

Das Innenministerium hat dem FDP-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Friedrich Haag auf Anfrage Größenordnungen verraten, die es bisher gab. Beim letzten Mal, mit zentraler Feier, seien 353 Beamte im Einsatz gewesen. 2021 waren es noch 423. Die aktuelle Zahl hänge noch von „intensiven Abstimmungen“ ab. Haag sieht höhere Kosten voraus: „Eine abgesagte Feier spart nicht automatisch Geld, sondern kann Sicherheitsrisiken erhöhen.“

Ist der Schlossplatz ohne Fest also ein offen zugänglicher Bereich?

Nein. Die landeseigenen Flächen des Schlossplatzes werden mit Gittern abgesperrt und sind nicht zugänglich, überwacht von einem privaten Sicherheitsdienst. Die Absperrung reicht bis zum Musikpavillon, die Königstraße und Planie bleiben also frei. Betroffen ist auch das Riesenrad, dessen Betriebszeit schon um 17 Uhr endet. Früher drehte es sich bis 23 Uhr. Drumherum hat die Polizei das „engmaschige Raumkonzept“ mit „anlassunabhängigen Kontrollen“ vorgesehen.

Wo werden weitere Brennpunkte in der Stadt erwartet?

Erfahrungsgemäß: In der Klett-Passage mit Anbindungen zum Hauptbahnhof und den Bahnstationen sowie die untere Königstraße. Geplant ist eine zusätzliche mobile Beleuchtung am Pusteblumenbrunnen sowie im Oberen Schlossgarten, auch fürs Sicherheitsgefühl. Die Polizei nutzt zur Beobachtung ein Bildübertragungsfahrzeug und insbesondere die stationäre Videoüberwachung, die den Schlossplatz, Oberen Schlossgarten und Kleinen Schlossplatz im Visier hat.

Ist Silvester die arbeitsreichste Nacht für die Feuerwehr?

Ja. Beim letzten Mal gab es knapp 100 Einsätze, unter anderem einen aufwendigen Dachflächenbrand eines Geschäftshauses in der Holzstraße. „Vor allem gab es viele Kleinbrände“, sagt der Stuttgarter Feuerwehrsprecher Daniel Anand.

Silvester ist für die Wehrmänner immer wieder eine heiße Nacht. Foto: Feuerwehr Stuttgart

In der Branddirektion werden 90 Einsatzkräfte um zwölf zusätzliche Helfer aufgestockt, über 1000 ehrenamtliche Wehrmänner in den 24 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr rechnen ebenfalls mit ihrem Einsatz. Zur Stuttgarter Blaulichtgemeinde zählen laut Innenministerium unter anderem 13 Rettungswagenbesatzungen und vier Teams in den Notarzteinsatzfahrzeugen.

Was sind letztlich die heißesten Tipps zum Brandschutz in der Silvesternacht?

Erstens: Alle Balkone und Terrassen aufräumen, brennbare Gegenstände wegräumen. Zweitens: Alle Fenster und Lüftungsklappen schließen, auch das hilft gegen verirrte Raketen. Drittens: Abgebrannte Feuerwerkskörper vollständig abkühlen lassen, ehe sie im Hausmüll entsorgt werden. Viertens: Eine Flasche allein ist keine Abschussrampe.