Das alte historische Echterdingen, neu gedacht. Foto: Friedl

Im Foyer des Technischen Rathauses Echterdingen werden die Siegerentwürfe für die neue Historische Mitte gezeigt. Wann sollen die Arbeiten beginnen?

Wird es in der Bernhäuser Straße künftig überhaupt noch Parkplätze geben? Oder bekommt diese Straße einen Kopfsteinpflaster-Belag, um die Nähe zum historischen Ortskern zu verdeutlichen? Und was geschieht mit dem technischen Rathaus aus den 1960er Jahren?

Fragen wie diese beschäftigen immer wieder die Echterdinger, finden dabei Gegner und Befürworter. In einem Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat deshalb 2018 die Historische Mitte Echterdingen (Himi) zum Sanierungsgebiet ernannt. Und zwar so, dass da auch mit Geld vom Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ von Bund und Land gerechnet werden kann. Das Ziel ist, dem Ort wieder möglichst viel Lebensqualität zurückzugeben. Und das eben nicht mit Stückwerk, sondern mit Planung in einem größeren Kontext. Und da die Aufgaben vielschichtig und verschiedenartig sind, wurde diese Aufgabe in drei Teile aufgegliedert.

Das neue alte Echterdingen

Etliche Architektur- und Planungsbüro haben sich ans Entwickeln gemacht. Eine Jury hat die besten Entwürfe ausgewählt, sie sind nun im technischen Rathaus zu sehen. Dafür gab es viel Lob von Bürgermeister Benjamin Dihm. Dabei ist auch ihm klar, dass die Arbeit nicht getan ist, sondern erst ansteht. Denn herausgekommen sind naturgemäß Idealentwürfe, die den Realitätstest noch vor sich haben. Deshalb sind diese Siegerentwürfe im Technischen Rathaus auch nicht in Stein gemeißelt, sondern in Form von weißen Papphäuschen modelliert. Gar zu lang Zeit lassen kann sich der Gemeinderat aber nicht, wenn er etwa das Fördergeld von Land und Bund in Anspruch nehmen will, denn solche Angebote sind zeitlich befristet.

Und klar ist auch: Wenn es um Änderungswünsche oder -anforderungen geht, spricht man mit dem Sieger eines Planungswettbewerbs. Einen finanziellen Rahmen will Dihm deshalb derzeit noch nicht nennen, einen zeitlichen schon: „2028 werden wohl spätestens die Arbeiten beginnen.“

Um was geht es? Da ist die bereits erwähnte Bernhäuser Straße, die attraktiver werden soll als eine Einkaufsstraße, in der man sich gerne aufhält. Dazu soll es einen Stadtgarten geben als zentrale öffentliche Grünfläche. Eine Fußgängerzone wäre naheliegend, aber Dihm schränkt ein: „Die Feuerwehr benötigt diese Straße um Aus- und Einzurücken“. Auch die Autofahrer auf dem Weg zur Tiefgarage Zehntscheuer beanspruchen einen Zipfel dieser Straße. Da kann sich Dihm einen anderen Zugang vorstellen.

Einen anderen Teil des Planungswettbewerbs betrifft das Schafhaus-Areal. Hier geht es zum einen um eine Nutzungsänderung hin in Richtung Wohnen. Es geht aber auch um die Kirchengemeinde, die gerne ein neues Gemeindehaus hätte, möglichst nah an der Stephanuskirche und eingebunden zum Stadtgarten.

Im Gespräch: das Alte und das Technische Rathaus

Der dritte und kniffligste Teil: das historische und das Technische Rathaus aus den 1960er Jahren. Was den Junior betrifft, stehen die Zeichen derzeit auf Abrissbirne: „Man könnte jetzt natürlich noch einiges mit Sanieren machen“, so Dihm, „aber die Befürchtung ist, dass wir in 20 oder 30 Jahren wieder vor dem Problem stehen abreißen oder sanieren.

Mehr Platz im historischen Echterdingen. Foto: Friedl

Und es geht ja nicht nur um das reine Gebäude. Sondern auch um die Frage, was darin geschehen soll: Bleibt es weiter ein Standort der Verwaltung, interessieren sich Vereine oder Verbände für eine Nutzung? Kann etwa die Kirche dafür gewonnen werden, dort Veranstaltungen zu machen? Ist möglicherweise gar ein Gebietstausch möglich, der stadtplanerisch ganz neue Möglichkeiten eröffnet? – Da hier vieles möglich ist, wurde in diesem Fall eine Machbarkeitsstudie ausgelobt.

Eine einschneidende Beruhigung des Durchgangsverkehrs auf der Hauptstraße ist nicht Teil des Wettbewerbs: „Das steht und fällt mit dem Weiterbau der Nord-Süd-Straße, da hat dieser Planungswettbewerb keinen Einfluss drauf“, so Dihm.

Die sehr umstrittene Energiezentrale war auch kein Thema bei der Präsentation, der Stadtgarten schon. Vor allem die Anwohner fürchten, dass relevante Sicherheitsfragen nicht geklärt sind. Der Stadtplaner Albrecht Reuß, der als Geschäftsführender Gesellschaft der citiplan GmbH den Wettbewerb geleitet und die Präsentation vorgestellt hat, schildert die typische Herangehensweise eines Stadtplaners: „Wir beginnen beim Optimum. Das ist in diesem Fall eine grüne Fläche, die für alle zugänglich ist, wo sich alle gerne aufhalten.“ Wenn sich das dann später als unrealistisch erweist, gibt es verschiedene Maßnahmen: Zeitweise Sperrung etwa, Sicherheitspersonal und möglicherweise gar einen Zaun drumherum