Problemzone Schmidener Straße in Waiblingen: Seit rund zehn Jahren wird über die Sanierung diskutiert (Archivbild). Foto: Gottfried Stoppel

Die marode Schmidener Straße in Waiblingen ist laut Stadt ein Sicherheitsproblem. Um die Sanierung für drei Millionen Euro zu stemmen, schlägt die Verwaltung einen Kompromiss vor.

Die Schmidener Straße, eine wichtige Zufahrt ins Zentrum von Waiblingen (Rems-Murr-Kreis), würden viele beim Befahren selbst mit verbundenen Augen erkennen. Die zahlreichen Unebenheiten, Schlaglöcher und Bodenwellen sind nervig für Autofahrer und teils gefährlich für Radler. Die Sanierung und Neugestaltung der Straße ist seit mehr als zehn Jahren ein Thema im Waiblinger Gemeinderat. Nach jahrelangem Debattieren und Ringen um gute Lösungen, auch unter Beteiligung der Bürgerschaft, sah es im Frühjahr 2025 so aus, als könnte es nun endlich konkret vorangehen.

Doch lang geplante Projekte laufen Gefahr, von der Realität überholt zu werden. Das ist auch bei der Schmidener Straße der Fall: Die Pläne für ihre Sanierung sind in finanziell besseren Zeiten geschmiedet worden, und jetzt, wo alles bereit wäre für die rund drei Millionen Euro teure Maßnahme, fehlt der Stadt das Geld. „Die Sanierung wäre nur mit einer Schuldenaufnahme möglich. Das halten wir für bedenklich“, sagte Stadtrat Peter Abele in der Haushaltsdebatte. Deshalb beantragte die CDU-Gemeinderatsfraktion, dass die Sanierung um ein weiteres Jahr verschoben wird. Ein Vorschlag, den auch die Fraktion der Demokratischen Freien Bürger (DFB/FW) für sinnvoll erachtet. Ihr Vorsitzender Siegfried Bubeck bezeichnete eine baldige Sanierung als „nicht realisierbar“.

Der erste Antrag für eine Sanierung stamme bereits aus dem Jahr 2014, hielt Iris Förster (Grüne) dagegen und argumentierte: „Wir machen uns doch unglaubwürdig, wenn wir die Sanierung nochmal verschieben.“ Auch der Oberbürgermeister Sebastian Wolf machte deutlich, dass er wenig bis nichts vom Aufschieben hält. Er wolle einen Investitionsstau vermeiden, sagte Wolf angesichts diverser weiterer großer Bauvorhaben, die ebenfalls anstehen und dann noch länger warten müssen. Dazu gehört beispielsweise die ebenfalls geplante Umgestaltung der Talstraße.

Stadt sieht Sicherheitsrisiko in Schmidener Straße

Aus Sicht der Stadt stellt die holprige Schmidener Straße ein Sicherheitsrisiko dar (Archivbild). Foto: Frank Rodenhausen

Der Zustand der Schmidener Straße ist aus Sicht der Verwaltung „sehr kritisch“. Der Fahrbahnbelag sei auf der gesamten Länge nicht mehr verkehrssicher. „Die Brems- und Beschleunigungswellen haben teilweise Ausmaße, die über den zulässigen Abweichungen liegen“, heißt es in der Stellungnahme. Ob die Straße wirklich in so einem desolaten Zustand sei, wollte Julia Goll (FDP) von Baubürgermeister Dieter Schienmann wissen. Der antwortete, stellenweise sei bereits der Schotterunterbau sichtbar, weil kein Asphalt mehr vorhanden sei. Durch das Bremsen und Beschleunigen der in der Straße fahrenden Busse werde der Schotter verschoben, was zu Wellen führe. Die Höhenunterschiede seien so stark, dass ein Sicherheitsrisiko vorliege: „Wir müssen unbedingt anfangen. Falls mal Steine rausfallen, wenn ein Bus drüberfährt, wird es gefährlich.“

400.000 Euro für Sicherheit: Notwendige Ausgaben oder Verschwendung?

Selbst wenn die Baumaßnahme um ein Jahr verschoben werde, müsse Geld fließen, um die gröbsten Unebenheiten zu beheben, betonte die Verwaltung. Kostenpunkt: rund 400 000 Euro. „Allein zur Sicherheit 400 000 Euro auszugeben, wäre verlorenes Geld und nicht verantwortbar“, sagte Urs Abelein (SPD) dazu.

Letzten Endes einigten sich Gemeinderat und Verwaltung auf einen Kompromiss. Die Sanierung der Straße soll nicht im Februar, sondern erst Mitte des Jahres beginnen und so sollen die Baukosten auf zwei Jahre verteilt werden: 1,6 Millionen Euro in 2026 und weitere 1,57 Millionen Euro in 2027. Die 1,6 Millionen kann die Verwaltung nur nutzen, wenn der Gemeinderat das Geld zuvor freigegeben hat. Bis zum Jahresbeginn soll die Stadt prüfen, wie sich bei der Sanierung Geld einsparen lässt. Das angepeilte Ziel sollte nach Auffassung der DFB-Fraktion zehn Prozent sein.