Er will nicht gendern, hat Probleme mit dem Thermomix und der Spermaprobe – und die Halle lacht sich schlapp. Warum? Vielleicht ist Mario Barth einfach authentisch.
„Männer sind nichts ohne die Frauen“ – genau so heißt Mario Barths jüngstes Programm, es steht in Leuchtschrift über der Bühne, die von zwei Türmchen, einer Backsteinmauer und einer Stadtlandschaft im Hintergrund gebildet wird. Allerdings, diese Beobachtung lässt sich nicht vermeiden: Männliche Randfiguren mag es bei Mario Barth einige wenige geben – den Arzt, der Barth um eine Spermaprobe bittet, den Pubertierenden, der zweimal zweiundzwanzig Hähnchenschlegel wegschlabbert, als wären sie ein halbes Milkshake – Frau gibt es für ihn jedoch nur eine, namenlos, und die wird gezeichnet als ein Schreckgespenst, als eine Peinigerin, jederzeit aufgelegt zu fiesen Menschenversuchen, auszuführen am eigenen Mann, und zur Paarung nie gestimmt.
Bei Mario Barth geht es viel ums Unterleibsthema
Im Mittelpunkt des Programmes steht nur einer, Mario Barth natürlich, in Jeans und grünem T-Shirt, der meckert, röchelt, haspelt, sich auf die Brust klopft, in stets leicht vorgebeugter Haltung dem Mikrofon seinen aufgekratzten Redefluss anvertraut, nicht leise. Vor allem eine Sorge treibt ihn um, die, er könnte, bei einem Fahrradunfall möglicherweise, seiner Genitalen verlustig gehen, oder eines Teiles derselben. Tatsächlich kreisen ums Unterleibsthema gewiss zwei Drittel seines Programmes, denn sehr viel Platz darin nimmt auch jene Episode ein, in der er erzählt, wie er seinem Freund, dem Arzt, die Samenprobe überbrachte, in einem abgeflammten Sambuca-Glas, mehrfach, denn immer wieder machte Mario Barth irgendetwas falsch bei der Befüllung.
Barth nennt sich selbst, ganz unbescheiden, zu Beginn des zweiten Teils seines Programmes den größten Komiker der Welt. Sein Erfolg ist außerordentlich. Die Porsche-Arena ist bis auf den letzten Platz besetzt am Freitagabend. Wellen von Gelächter durchziehen die Stuhlreihen. Mario Barth stellt gerne Rekorde auf. Geschlechterklischees beschäftigen ihn, seit er auf der Bühne steht. Acht Programme hat er in 26 Jahren dorthin gebracht, und jedes dieser Programme beginnt mit dem Wort „Männer“, auf das ein seltsames Lob folgt, oder eine Bemerkung über Frauen. Das Geheimnis des Erfolgs des Mannes, der vor etwas mehr als 53 Jahren in Berlin geboren wurde und heute T-Shirts verkauft, auf denen steht: „Ich gendere nicht“, könnte darin zu liegen, dass Mario Barth, so wie er grinst und sich die Hände reibt, durchaus keine Kunstfigur zu sein scheint. Viele Auftritte abseits der Bühne, Meinungsäußerungen, Kontroversen, haben gezeigt: Der Typ ist möglicherweise echt, fast schon – authentisch.
Auf dem Shirt steht: „Ich gendere nicht“
Und also eilt Mario Barth von einem Ende der Bühne zur anderen, löst Gelächter aus, schimpft im beschleunigten Berliner Stammtischidiom vor sich hin und beklagt die Diskriminierung des Mannes. Denn Männer, dies denken Frauen und Barth deckt es auf, können gar nichts und vor allem nicht die Spülmaschine einräumen. „Du kannst der beste Gehirnchirurg der Welt sein – zuhause bistn Vollidiot!“ Der Thermomix dagegen, den die Frau unbedingt haben will, kann alles. „Weißt du, was du mit dem Thermomix machen kannst?“, gellt der Komödiant mit Frauenstimme. „Kartoffelpüree!“ Männer müssen vieles erdulden. Mehr noch: „Nachts, wenn du schlafen gehst, kommen Außerirdische, nehmen dein Gehirn raus, tun Brot rein!“ Mario Barth weiß Bescheid.