Connor Storrie (links) und Hudson Williams sind seit „Heated Rivalry“ Superstars – und bekommen einen Geburtstagsgruß vom Stuttgarter Pragsattel. Foto: Sabrina Lantos/HBO Max/dpa/IMAGO / Arnulf Hettrich

Keine Serie sorgt gerade für mehr Buzz als „Heated Rivalry“. Die deutschen Fans haben sich für die Hauptdarsteller eine ganz besondere Aktion ausgedacht – und das in Stuttgart.

Es ist vielleicht der heißeste Export aus Kanada seit Ryan Gosling: „Heated Rivalry“. Das queere Eishockeydrama hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Seit Anfang Februar ist die Serie auch in Deutschland zu sehen – die ersten sechs Folgen laufen beim neuen Streamingdienst HBO Max. Die Hauptdarsteller Hudson Williams und Connor Storrie – die im Plot zwei Eishockeyprofis spielen, die sich auf dem Eis bekämpfen und in der Umkleide begehren – waren sogar Fackelträger bei den Olympischen Winterspielen in Italien. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani ist ein Fan und empfahl seinen Bürgern das Binge-Watching von „Heated Rivalry“ kürzlich während eines Schneesturms am „Big Apple“.

Fans machen verrückte Sachen, um ihren Lieblingsserien zu huldigen. Auch Funda Doghan, Susann Claviez und ihre Mitstreiterinnen. Sie haben für diesen Freitag die LED-Werbefläche auf dem Hochbunker am Stuttgarter Pragsattel gemietet – um Hudson Williams (in der Serie der Montreal Metros-Star Shane Hollander) zum Geburtstag zu gratulieren. Der Kanadier mit koreanischen Wurzeln wird am 13. Februar 25.

„Loons of Germany“ – die deutschen Fans von „Heated Rivalry“

Über Fandom Night, einen Veranstalter, der in ganz Deutschland Motto-Partys zu allen möglichen Filmen und Serien organisiert, haben die „Heated-Rivalry“-Fans zusammengefunden. In eine Whatsapp-Gruppe traten in kaum einer halben Stunde über 200 Leute ein. Der ganz frisch gegründete Fanclub nennt sich „Loons of Germany“ – nach den kanadischen Eistauchern, die in „Heated Rivalry“ (ohne hier zu sehr zu spoilern) immer wieder eine wichtige Rolle spielen. Inzwischen gibt es auch einen Instagram-Auftritt und einen Tiktok-Kanal.

So ist die Aktion am Stuttgarter Pragsattel geplant

Die Idee, einen kurzen Videoclip zusammenzubasteln und ihn auf der LED-Wand unter dem blauen Mahle-Schriftzug zu zeigen, hatte die Stuttgarterin Funda Doghan. Bis um vier Uhr saß die 41-Jährige, die im Eventmanagement arbeitet, in den vergangenen Nächten am Computer und hat den kurzen Einspieler gebastelt: Einen Zusammenschnitt von „Heated Rivalry“-Szenen, Kurzfilmen und Interviewschnipseln sowie den Geburtstagswünschen für Williams. Die Rechteinhaber zeigen sich bei solchen Fanaktionen meist großzügig, schließlich sind sie kostenlose Werbung für ihre Serie.

Der Clip wird am Freitag ab fünf Uhr morgens bis ein Uhr Samstagnacht laufen. Alle zwei Minuten haben sie einen Zehn-Sekunden-Slot gebucht. „An der Kreuzung ist ja fast immer Stau, deswegen werden es hoffentlich viele Menschen sehen“, sagt die Stuttgarterin.

So viel geben die Fans für die „Heated-Rivalry“-Stars aus

Selbstverständlich bekommt nicht nur Williams einen Geburtstagsgruß. Am 22. Februar wird Connor Storrie, der den russischen Bad‑Boy Ilya Rozanov spielt, 26 Jahre alt. Auch für ihn haben die „Loons of Germany“ die LED-Wand am Hochbunker gemietet. Einen „mittleren dreistelligen Betrag“ gibt der harte Kern um Doghan und Claviez für beide Aktionen aus. „Aber das ist es uns wert“, findet Doghan, „wir sind mit dem ganzen Herzen dabei.“

Jetzt hoffen die „Loons of Germany“ natürlich, dass Williams und Storrie von der Aktion in Stuttgart auch etwas mitbekommen. „Wir werden die beiden auf jeden Fall auf Social Media markieren und hoffen, dass es so bei ihnen ankommt“, sagt die Freiburgerin Susann Claviez.

„Heated-Rivalry“-Fanparty in Stuttgart steigt im April

Schon fest bei den Frauen im Kalender eingetragen ist übrigens die „Heated Rivalry“-Fanparty im April: Die steigt am 10. April ab 22 Uhr im neuen Club Lerche 22 an der Ecke Bolz- und Königstraße.

Was macht „Heated Rivalry“ eigentlich so gut?

Die kleine kanadische Produktion von Autor und Co-Produzent Jacob Tierney nach der Romanreihe „Game Changers“ von Rachel Reid hat weltweit einen unglaublichen Hype ausgelöst. Dass gerade auch straighte Frauen die Bücher und Serie verschlingen, ist dabei ein viel diskutiertes Phänomen. Susann Claviez, 40, sagt: „Natürlich sind die erotischen Szenen die, die viral gehen – aber man bleibt bei der Serie, weil die Liebesgeschichte so toll und komplex ist und weil die Charaktere einem ans Herz wachsen.“ Die Abteilungsleiterin in einem großen Hotel und Mutter eines Teenagers findet die Perspektive spannend: „Eine homosexuelle Beziehung im Profisport und die ganzen Hindernisse, die das mit sich bringt.“

„Die Serie macht uns darauf aufmerksam, dass Homosexualität in vielen Bereichen des Profisports immer noch ein Tabu ist“, meint auch Funda Doghan. „Ich war schon immer ein Ally der queeren Community“ – also jemand, die sich für die Rechte von LGTBQ+-Menschen einsetzt. „Ich finde es schlimm, wenn jemandem das Leben schwer gemacht wird, weil er ist, wer er ist und liebt, wen er liebt.“ Dass ein Amateur-Schiedsrichter, der seinem Freund im vollen Stadion des 1. FC Köln einen Heiratsantrag gemacht hatte, nun offenbar Opfer einer gewaltsamen homophoben Attacke wurde – „das macht mich total betroffen“.

„Heated Rivalry“ hat aber auch im Leben der beiden Frauen einiges umgekrempelt: So beeindruckt war Funda Doghan von den durchtrainierten Körpern der Darsteller, dass sie sich dazu durchgerungen hat, sich im Fitnessstudio anzumelden. „Ich trainiere jetzt dreimal die Woche.“ Und weil in der Serie viel Russisch gesprochen wird, hat Susann Claviez wieder angefangen, die Sprache zu lernen.