Stefan Eidt ist als Handballtrainer und Sporttherapeut doppelt vom Lockdown betroffen. „Es gibt viele, viele Fragezeichen“.
Deizisau/Wendlingen - Im Leben von Stefan Eidt dreht sich sehr viel um Sport. Aber im Sport bewegt sich gerade sehr wenig. Das beschäftigt den 40-jährigen Köngener. Eidt ist Coach des Handball-Württembergligisten TSV Deizisau. Spiel- und Trainingsbetrieb ruhen. Im Hauptberuf arbeitet der Sportwissenschaftler im Bereich der medizinischen Trainingstherapie beim Vesalius-Therapiezentrum in Wendlingen, seine Frau Tanja Friedrich ist dort eine von drei Gesellschafterinnen. Hier ruht der Betrieb zwar nicht ganz, ist jedoch sehr eingeschränkt.
Es war kein leichter Start für Eidt bei dem Deizisauer Traditionsverein. Der Trainingsbeginn stand unter dem Eindruck der Beschränkungen des ersten Lockdowns. „Dann konnten wir endlich trainieren, dann ging endlich die Runde los und es lief gut“, erzählt er. „Und dann ging die Schranke schon wieder runter. Klar, dass da nicht jeder gejubelt hat.“ Zwei Saisonspiele hat die Mannschaft absolviert, beide in eigener Halle, beide siegreich. Das erste noch vor Zuschauern, das zweite vor leeren Rängen – und jetzt ist erst mal ganz Schluss, bis mindestens Ende November.
„Wir müssen die Zeit so gut wie möglich überbrücken“, sagt Eidt. Die Spieler bekommen Laufpläne, einmal pro Woche trifft sich das Team vor dem Bildschirm zu einer virtuellen Fitnesseinheit. Für Eidt kein Problem, er ist ja vom Fach. Und dann? „Wir müssen froh sein, wenn wir im Dezember zumindest wieder zum Training in die Halle können“, erklärt er, „bis wir wieder spielen können, braucht es dann wieder.“
Nach vier Wochen Trainingspause kann man als Leistungssportler nicht gleich in die Vollen gehen. Zumal auch nicht klar ist, ob zunächst nur Einheiten in Kleingruppen oder gleich volles Training mit Körperkontakt erlaubt ist. Wenn die Hallen angesichts der Infektionslage überhaupt in diesem Jahr noch für Amateursportler geöffnet werden.
Dass der Württembergische Handball-Verband erst auf seinem Verbandstag am 28. November über das weitere Vorgehen entscheidet, macht es den Trainern bei der Planung nicht gerade leichter. „Wenn man das zehnstufige Programm des Deutschen Handball-Bundes ,return to play’ anschaut, sind wir von Stufe acht wieder auf Stufe zwei gerutscht“, sagt Eidt. Und weiß wie alle Kollegen nicht, wann und in welchem Modus es mit dem Spielbetrieb weitergeht.
Handball ist für den früheren Spieler des TSV Zizishausen und langjährigen Frauencoach der TG Nürtingen das wichtigeste Hobby. Mindestens so große Sorgen macht er sich über seinen Beruf. Für ihn und seine etwa 15 Kolleginnen und Kollegen gibt es derzeit deutlich weniger zu tun als üblich. Zwar dürfen Therapiezentren im Gegensatz zu Fitnessstudios geöffnet bleiben. Aber klar ist die Lage nur, was Menschen betrifft, die mit einem Rezept vom Arzt kommen. Sie werden weiter behandelt, wenn auch unter strengen Hygienebedingungen. „Man kann einen, der mit einer operierten Hüfte aus der Reha kommt, ja nicht für vier Wochen nach Hause schicken“, erklärt Eidt.
In seinem Bereich der Trainingstherapie ist es besonders ruhig. Die meisten seiner Klienten sind Selbstzahler, auch wenn etwa 90 Prozent von ihnen zuvor auf Rezept behandelt worden waren. Ob sie zumindest allein oder zu zweit trainieren dürfen, ob sie das überhaupt wollen und ob etwa der Trainer zusätzlich zu zwei Patienten im Raum sein darf, wird im Moment geklärt. „Es gibt viele, viele Fragezeichen“, sagt Eidt und man hört ihm den Frust an. Eine der Fragen ist, wie lange die Situation so bleibt, wie sie momentan ist. Als „sehr schwierig“ bezeichnet Eidt sie. Gerade für Sportler, die sich nach einer Verletzung zurückkämpfen. Und für die Belegschaft. Er versteht nicht ganz, nach welchen Kriterien Einrichtungen geschlossen oder eingeschränkt wurden: „Ich habe den Eindruck, dass gerade diejenigen, die sich am meisten Mühe mit Hygienekonzepten gegeben haben, jetzt dicht gemacht werden: Gastronomie, Sportvereine, Fitnessstudios.“
Aber der handballverrückte Sportwissenschaftler will nicht zu laut klagen. „Ich hoffe, dass die jetzigen Maßnahmen greifen und wir im Dezember zumindest wieder einigermaßen zur Normalität übergehen können.“ Denn ein Leben ohne Sport, das ist nichts für Stefan Eidt.
Serie „Sportler in der Warteschleife“
In der Serie „Sportler in der Warteschleife“ berichten wir während der Zeit des Shutdowns im Sport über Athleten verschiedener Disziplinen und ihren Umgang mit der Coronavirus-Krise. Mit diesem Teil setzten wir die Serie aus der ersten Corona-Pause im Frühjahr in loser Folge fort.