Bilder einer kaputten Familie: „Der verreckte Hof“ mit Berthold Biesinger und Kathrin Kestler. Foto: Richard Becker,W. Schmidt, oh - Richard Becker,W. Schmidt, oh

Am Freitag, 25. Oktober, zeigt die Regionalbühne „Der verreckte Hof“ des Bayern Georg Ringsgwandl in schwäbischer Fassung.

Filderstadt/MelchingenWeit über die Grenzen der Alb hinaus hat sich das Regionaltheater Lindenhof aus Melchingen einen hervorragenden Ruf erspielt. „Ein Heimattheater, wie es sonst nirgendwo existiert“, urteilte die Wochenzeitung „Die Zeit“ über das Haus. Seit 25 Jahren kooperiert die Bühne, deren Herzstück die Theaterscheune hinter dem ehemaligen Gasthof Linde ist, auch mit der Filharmonie in Bernhausen. Klassisches Drama und politisches Volkstheater bringen die Künstler ein bis zwei Mal pro Spielzeit auf die Fildern. Am Freitag, 25. Oktober, ist Georg Ringsgwandls Stubenoper „Der verreckte Hof“ zu sehen.

Regie führte Christoph Biermeier, der ehemalige Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Mit einem bekannten Regisseur wie ihm zu arbeiten, das reizt den Schauspieler und Intendanten Bernhard Hurm. Der Träger des Hölderlinrings der Stadt Nürtingen hat das Theater Lindenhof 1981 gemeinsam mit Uwe Zellmer gegründet, prägt das Profil der Regionalbühne. „Uns reizen Stoffe, die sich mit der Geschichte einer Region und mit dem Leben der Menschen auseinandersetzen“, sagt der Schauspieler und Intendant. Als Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochne Krug“ hat Hurm ebenso seine Größe als Charakterdarsteller bewiesen wie in der tragischen Rolle des Dichters Friedrich Hölderlin. Als Komödiant reißt der Schwabe sein Publikum mit. Als geiziger Karl Knaup spielte er Thaddäus Trolls hintergründigen Humor in „Der Entaklemmer“ grandios aus.

Mit 22 Städten in Baden-Württemberg hat der Lindenhof einen Kooperationsvertrag – wie auch mit Filderstadt und seiner Filharmonie. „Das verschafft uns eine solide finanzielle Basis, auf der wir unsere Spielpläne planen können“, nennt Hurm einen Vorteil des Modells. Was bedeutet der Tourbetrieb für die Bühne auf der Schwäbischen Alb? „Wir haben einen ganz kurzen Draht zu unseren Gastspieltheatern“, schwärmt Herbert Carl. Der Tourleiter des Lindenhofs findet es nicht zuletzt wegen der Publikumsbindung schön, dass die Lindenhöfler ihre festen Spielorte haben. „Die Besucher kennen die Spieler, freuen sich übers Wiedersehen.“ Zwar lässt sich das moderne Kultur- und Kongresszentrum in Bernhausen nicht mit der Theaterscheune auf der Alb vergleichen. Aber gerade darin liegt für den Tourchef die Herausforderung: „Weil wir die Spielstätten sehr gut kennen, denken wir die jeweiligen Abstecher gleich mit.“

Ein besonderer Reiz des Lindenhof-Konzepts liegt für Bernhard Hurm darin, gemeinsam mit den Spielorten Theaterprojekte zu entwickeln. Diesen Sommer stand der Theaterchef in der Produktion „Lass’ mich atmen, oh gnädiger Himmel – Geschichten hinter den Mauern“ im Festungsgraben des Hohenasperg auf der Bühne. Anlass war das 1200-jährige Bestehen der Stadt. Regisseur Christof Küster, einer der Hausregisseure an der Württembergischen Landesbühne Esslingen, hat der Geschichte von Intellektuellen nachgespürt, die dort zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert inhaftiert waren.

Könnte der Theaterchef sich so ein Projekt auch in Filderstadt vorstellen? „Die Geschichte der Landwirtschaft auf den Fildern, das wäre schon spannend“, findet Hurm. 2011 hat das Ensemble von der Alb mit Friedrichshafen am Bodensee anlässlich des 200-Jahre-Stadtjubiläums die Produktion „Kommen und gehen“ realisiert. „Solche Projekte mit Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln, dabei mehr über ihre Eigenheiten zu erfahren“, ist für Bernhard Hurm ein wichtiger Baustein der Theaterarbeit. Mit Regisseur Klaus Hemmerle, der am Staatstheater Stuttgart als Regisseur gearbeitet hat und heute als freier Regisseur tätig ist, war auch dieses Projekt für Asperg ein großer Erfolg.

Literatur ist aus dem Mundart-Konzept der Lindenhöfler nicht wegzudenken. Das Volksstück „Der verreckte Hof“ vom Urbayern Ringsgwandl, in dem es um das Zerbrechen einer Familie auf einem Bauernhof geht, hat Franz-Xaver Ott vom Theater Lindenhof ins Schwäbische übertragen. In der Stubenoper, die von Musik und wortwitziger Alltagssprache lebt, stirbt die Landwirtschaft der Eltern. Die Kinder reiben sich in ihren Berufen auf. Kritisch geht der bayerische Arzt und Kabarettist mit dem Zeitgeist ins Gericht. „Eine Handlung, wie sie auch in Baden-Württemberg in vielen Familien zu beobachten ist“, sagt Simone Haug, die sich beim Lindenhof um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Probleme, die Menschen in der Region bewegen, interessieren die Theatermacher.

Wie profitiert denn die Filharmonie in Bernhausen von der Zusammenarbeit mit den Künstlern von der Schwäbischen Alb? „Unsere Zuschauer haben da einen ganz, ganz engen Bezug“, findet Alexander Frey, der das Kulturprogramm des Hauses verantwortet. Der Kulturmanager hat nach dem Studium beim Theater Lindehof als Pressereferent angefangen, entdeckte da seine große Liebe zum Theater. Auch Frey wünscht sich, mit dem Lindenhof-Ensemble mal ein Projekt zu realisieren. Mit dem rührigen Stadtarchivar und Historiker Nikolaus Back sieht er da beste Voraussetzungen, „geschichtliche Stoffe zu recherchieren.“

Neben den Tournee-Ensembles, die in der Filharmonie auf dem Spielplan stehen, findet Frey die Kooperation mit dem Heimattheater wichtig. „Die Produktionen des Lindenhofs passen zu unserer Publikumsstruktur.“ Frey baut bei seinem Kulturprogramm „auf ein Konzept, das sich vom riesigen Angebot in der Landeshauptstadt Stuttgart abhebt.“ Da hat der Melchinger Lindenhof aus seiner Sicht eine Schlüsselrolle inne.

Dass er mit den Lindenhöflern nun in anderer Rolle als Kulturmanager wieder zusammenarbeiten darf, freut Alexander Frey. „Die Professionalität der Künstlerinnen und Künstler, aber auch ihr sehr feines Gespür für Sprache und Bilder der Region“, hat ihn schon in seinen ersten Berufsjahren fasziniert.

„Der verreckte Hof“, eine Stubenoper von Georg Ringsgwandl in schwäbischer Fassung, ist am Freitag, 25. Oktober, um 20 Uhr in der Filharmonie in FilderstadtBernhausen in der Tübinger Straße zu sehen. Karten kosten im 1. Rang 23 Euro, im 2. Rang 19 Euro. Junge Besucherinnen und Besucher zahlen 10 Euro. Kartenbuchung online über die Homepage: www.filharmonie-filderstadt.de oder über www.easyticket.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: