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Der Kabarettist Django Asül war mit seinem Programm „Letzte Patrone“ zu Gast in der Festhalle Denkendorf. Dabei verzichtete er auf politische Korrektheit.

DenkendorfWie üblich bei seinen Auftritten hat Django Asül am Anfang seines Auftritts in der praktisch ausverkauften Festhalle Denkendorf ordentlich Lokalkolorit geboten. Die Festhalle sei ja das Vorbild für die Elbphilharmonie gewesen, stellte er fest, und Denkendorf für die Stuttgarter wohl so etwas wie Kitzbühel für die Münchner. Kitzbühel sei schon etwas anders, sie sei dort gewesen, meinte eine Besucherin später in der Pause. Wie ebenfalls üblich übernahm dann Django Asül dieses und ein paar andere Pausengespräche flugs in den zweiten Teil seines Programms. Er reagierte überhaupt sehr schnell: „Die Presse ist auch da. Woher? Eßlinger Zeitung? Da ist Denkendorf sicher Auslandsberichterstattung.“ Der Titel von Django Asüls Soloprogramm lautet „Letzte Patrone“, doch sein Magazin ist noch lange nicht leer.

Normalerweise bietet der Veranstaltungsring Denkendorf in seinem Jahresprogramm kein Kabarett, dafür ist der Jazzclub zuständig. Somit war der Auftritt des schlagfertigen Niederbayern mit türkischen Wurzeln eine Ausnahme. Die Veranstalter hatten dafür eine gute Wahl getroffen und dem Publikum einen vergnüglichen Abend beschert. Auch wenn der Kommentar des Kabarettisten zu Veranstaltungssreihen wie die Denkendorfer am Ende seines Programms vielleicht anderes vermuten lässt: „Die Abonnenten sind immer die ganz Harten, die werden sechsmal im Jahr hergeprügelt.“

So erstaunlich die Sicht des Kabarettisten auf Denkendorf war, so erstaunlich waren auch die kabarettistischen „Berichte“ aus seinem Heimatort Hengersberg im Landkreis Deggendorf. Was es dort nicht alles gibt, etwa zwei Stammtische mit herrlich skurrilem Personal, natürlich komplett vom Kabarettisten dargestellt. Herrlich nimmt er dabei Ressentiments aufs Korn: Dass er gegen etwas nichts habe, meint ein Stammtischbruder zum Thema Flüchtlinge, heiße ja noch nicht, da es da sein müsse, vor allem nicht in größerer Stückzahl. Um die diffusen Ängste zu bekämpfen, gründet Django Asül eine Bürgerwehr. Doch was will einer, der nicht mal ein Deo benutzt, mit Pfefferspray? Dann lieber eine Pfeffermühle, in XXL. Und was will einer mit diffusen Ängsten mit einer Pistole, er weiß ja gar nicht, wohin er schießen soll. Die Psychologen würden in diesem Fall die Schrotflinte empfehlen. Vor der örtlichen Apotheke hat er Kunden auf Drogen gecheckt und dabei die Erfahrung gemacht: „Macht macht sexy.“ Die Frauenherzen seien ihm nur so zugeflogen. Von manchem in Hengersberg darf sich der Außenstehende nicht schrecken lassen, etwa vom Krieger- und Veteranenverein: „Das entspricht an anderen Orten den Rotariern.“

Jeder hat seine persönlichen Grenzen, beim Kabarettisten war in der Schule die Kernphysik jenseits davon gelegen, das gab im Abitur null Punkte. Erst viele Jahre später habe er den Physiklehrer wieder getroffen, berichtet Django Asül stolz: „Da hat er schon Eintritt zahlen müssen.“ Eine Alternative zum Eintritt wäre für den Lebensunterhalt ja vielleicht eine gute Geldanlage. Der Kabarettist hat sich das Buch „Die Millionärsformel“ von Carsten Maschmeyer genau angesehen. Entscheidend sei, habe er darin ganz erstaunt gelernt, das Delta zwischen Einnahmen und Ausgaben. Jeden Tag fünf Euro zur Seite legen, okay, aber wie in der Niedrigzinsphase diese zu sieben Prozent Zinsen anlegen, damit in 40 Jahren tatsächlich eine halbe Million daraus wird?

Doch irgendwann soll das an einen Nachfolger übergeben werden, was gar nicht so einfach ist, braucht es doch dazu unter anderem ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. „Ich selbst falle unter die Altfallregelung.“ Eine gute Kandidatin ist die sechsjährige Nichte. Sie wollte jüngst von ihrem eigenen Geld einen Wohnzimmertisch kaufen – um den elterlichen Spruch „so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst“ endlich selbst anwenden zu können. Er selbst habe im Alter von sechs Jahren bereits ein Auslandssemester in Italien verbracht, erzählte Django Asül. Okay, es ging nur eine Woche und fand in Begleitung einer Nachbarsfamilie statt.

Inzwischen hat er über 20 Jahre Bühnenerfahrung und bietet viele gute Beobachtungen und einen erfrischenden Verzicht auf zu viel politische Korrektheit. Dabei reicht das Spektrum von deutscher Kriegführung, bei der Tornados „Terror ist pfui“-Handzettel abwerfen, bis zur Frage von Cw-Wert und Gewicht bei Autos und Frauen. Verbunden mit ganz praktischen Ratschlägen und Warnungen für den Alltag und die Zukunft, etwa vor dem selbstfahrenden Auto: „Da hat die Frau mit dem Handy gespielt und du landest statt beim Sport bei den Schwiegereltern.“

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