Schwimmbäder auf Rädern helfen Kindern, schwimmen zu lernen. Leinfelden-Echterdingen will sich dennoch nicht für das Projekt bewerben.
In Stuttgart-Freiberg steht seit dem Jahr 2023 ein Containerbad. 300 Kinder haben in dem umgebauten Schiffscontainer schon das Schwimmen gelernt. Der TV Cannstatt hat es zusammen mit der Schwimmschule Aqua Academy eröffnet. Das Angebot kommt gut an. Der Verein will das Bad nun dauerhaft in Freiberg verankern. In Remseck am Neckar war derweil für zehn Wochen ein mobiles Schwimmbecken der Josef-Wund-Stiftung aufgebaut. Dabei handelt es sich um ein Lehrschwimmbecken auf Rädern, das auf einem gebrauchten Lastwagen-Auflieger montiert ist. Mittlerweile steht es in Großbottwar (beides Kreis Ludwigsburg). Bis Ende Oktober werden dort vier- bis achtjährige Kinder erste Schwimmerfahrungen sammeln.
Davor hatte es schon bei der Freien Grund- und Gemeinschaftsschule in Stuttgart-Vaihingen Station gemacht. Ginge es nach der Grünen-Fraktion in Leinfelden-Echterdingen, sollten auch Kinder in Leinfelden-Echterdingen von diesem Angebot profitieren. Denn Kommunen können sich darum bewerben, dass das mobile Bad zu ihnen kommt. Die Stiftung stellt es für einige Wochen zur Verfügung. Seit Herbst 2022 ist das Mobil jedes Jahr an etwa sechs Standorten im Einsatz. Ziel ist es, den Nachwuchs ans Wasser zu gewöhnen.
Seit dem Abriss des Leinfelder Hallenbades ist es für Familien schwieriger geworden, vor Ort kostengünstig planschen zu gehen. „Es gibt Familien, die können sich den Besuch im F3, im Leuze oder im Fildorado nicht leisten“, sagt der Grünen-Fraktionschef David Armbruster. Zumal auch das Hallenbad in Bernhausen gerade geschlossen ist, weil es saniert wird. Damit Kindergartenkinder möglichst schnell zum Seepferdchen kommen, brauchen sie Wassergewöhnung, ist der Stadtrat überzeugt. Diese sei in einem solchen Mini-Bad leicht möglich. Das Personal werde von der Stiftung gestellt. „Eltern oder die Kita-Fachkraft bringen ihre Kinder dorthin und holen sie nach einer Stunde wieder ab.“ Das Angebot könne auch für Kitas eine Entlastung sein. „Wir sollten uns die Chance nicht entgehen lassen, uns dafür zu bewerben“, sagt Armbruster.
Antrag wurde abgelehnt
Genau das aber wird jetzt nicht passieren. Denn der Grünen-Antrag wurde am Dienstagabend im zuständigen Gemeinderatsausschuss abgelehnt. Die Mehrheit der Stadträte hat sich der Meinung der Verwaltung angeschlossen. Die hält es nicht für notwendig, das Bonsai-Bad aufzustellen. Der Schwimmunterricht der Schulen könne trotz des Abrisses des Leinfeldener Bades weitgehend stattfinden, heißt es aus dem Rathaus. Die Schülerinnen und Schüler nutzen dafür das Echterdinger Goldäckerbad und das Musberger Lehrschwimmbecken. Nur bei den Gymnasien mussten Schulstunden gestrichen werden, wird argumentiert. Die Schwimmkurse der Vereine könnten ebenfalls weiterlaufen. Den Schwimm- und Tauchvereinen könnte ein eingeschränktes Angebot unterbreitet werden. Das Goldäckerbad ist zudem seit Februar sonntags auch für alle anderen Schwimmerinnen und Schwimmer geöffnet.
„Wenn wir das Leinfelder Hallenbad neu bauen, gibt es eben auch eine Zeit der Entbehrung. Nicht alles im Leben muss immer kompensiert werden“, sagte der Oberbürgermeister Otto Ruppaner dazu in der Sitzung. „Wir haben auch deshalb Hemmungen, weil wir mit der Arbeitsbelastung am oberen Ende sind“, ergänzte der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Wir brauchen einen Platz, Zuwasser, Abwasser.“ Das binde Personal und bedeute Aufwand für die Verwaltung.