Schwimmausbilderinnen verraten, welche Schwimmhilfen Kinder unterstützen, welche gefährlich sein können und mit welchen Übungen Eltern im Sommer gemeinsam mit ihrem Nachwuchs trainieren können.
Im vergangenen Jahr sind deutschlandweit 378 Menschen ertrunken, sagt Kerstin Ziegler. Sie ist ausgebildete Rettungsschwimmerin und langjährige Schwimmausbilderin bei der Leonberger Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Meistens ertrinken Menschen in unüberwachten Flüssen oder Seen, aber auch eine Pfütze reiche aus. „Daher ist es besonders wichtig, Kinder am und im Wasser im Auge zu behalten und für eine gute Schwimmausbildung zu sorgen.“
Dazu gehöre Ziegler zufolge unter anderem Wetterlagen wie Gewitter und Strömungen nicht zu unterschätzen, das eigene Können nicht zu überschätzen. „Auch Erwachsene können es auf Luftmatratzen schwer haben, bei einer starken Strömung wieder an Land zu schwimmen.“ Ebenso sollen auf Booten oder Stand-Up-Paddle-Boards Schwimmwesten getragen werden – auch wer schon schwimmen könne. „Man unterschätzt, was passieren kann, wenn man sich den Kopf stößt.“ Im heimischen Garten rät Ziegler zudem die Kinder im Planschbecken zu beobachten. „Da reicht oft die eine Minute, in der man aufs Klo geht und die Balkontüre offen stehen lässt“, sagt die Rettungsschwimmerin.
Die DLRG empfiehlt, unbedingt an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen – etwa im Leonberger Freibad oder am Breitenauer See bei Obersulm. Ziegler betont: „Viele Eltern gehen mit dem Seepferdchen davon aus, dass ihr Kind schwimmen kann“. Dabei sei das fatal, schließlich zeige das Abzeichen nur, dass das Kind eine Bahn – also 25 Meter – schwimmen könne. „Bei der DLRG sprechen wir erst von schwimmen können, wenn Kinder das Schwimmabzeichen Bronze haben, für das sie unter anderem 200 Meter, also acht Bahnen, sicher schwimmen können.“
Aus Schwimmflügeln rutscht man leicht raus
Schwimmflügel, Nudel, Brett oder Schwimmgürtel sind für die Rettungsschwimmerin kein Schutz vor dem Ertrinken. „Mit Schwimmflügeln etwa braucht das Kind weniger Kraft, um sich über Wasser zu halten, aber sie ersetzen keine Aufsichtspflicht und können daher auch keinen vollständigen Schutz vor dem Ertrinken bieten.“
Franziska Mally, Schwimmlehrerin der Wasserfreunde Leonberg geht etwas weiter:„Schwimmflügel gehören verteufelt“, sagt sie, das sei „das Schlechteste“, was man machen könne, wenn es ums Schwimmen lernen gehe. Schließlich könnten aufblasbare Schwimmflügel leicht kaputtgehen, die Kinder mit den Armen herausrutschen und in die richtige Schwimmlage bringen sie die Kinder auch nicht. Sie beobachte zudem, Kinder würden häufig Schwimmflügel tragen, die nicht für ihre Größe und Gewicht ausgelegt sind. Mally bringt seit knapp 16 Jahren Kindern das Schwimmen bei. Gemeinsam mit Vivien Horn ist sie bei den Leonberger Wasserfreunden fürs Anfängerschwimmen zuständig.
Schwimmbrett und Nudel seien zum Schwimmenlernen besser geeignet, nur müsse man beides gut festhalten. „Daher müssen immer Personen beim Üben dabei sein“, betonen Ziegler und Mally gleichermaßen. Und auch den Schwimmgürtel empfiehlt Schwimmlehrerin Mally: „An ihm ist das Großartige, dass er mitwächst und die Kinder mit jedem Block, den sie herausnehmen können, ihre Fortschritte sehen.“ Schwimmwesten hingegen, auch solche mit Klötzen drin, würden gerade den Armzug beim Schwimmen behindern.
Kinder müssen an spritzendes Wasser gewöhnt werden
Mally gibt Eltern, Großeltern oder Verwandten einige Übungen mit an die Hand, mit denen der Nachwuchs auch über den Sommer schwimmerisch fit gehalten werden könne: „Das Wichtigste ist es, Kinder ans Wasser zu gewöhnen“, sagt Mally. Sei es beim Duschen Wasser ins Gesicht spritzen zu lassen, mit dem Mund ins Wasser zu blubbern, die Augen unter Wasser aufzumachen oder ins Wasser zu springen – und dabei auch unterzutauchen. Oder aber sich – ganz ohne Schwimmbewegungen – auf dem Bauch oder Rücken liegend, wie eine Rakete abzustoßen.
Wenn das gut klappt, empfiehlt sie zum Beispiel mit den Beinen zu strampeln, entweder mit Brett oder Nudel. „Am besten auf dem Rücken liegend, die Nudel wie einen Schal an den Hals“, erklärt die Schwimmlehrerin. Das geht ebenso auf dem Bauch, dazu die Nudelenden ebenfalls nach vorne strecken, unter die Arme und die Beine lang machen. Möchte man die Arme dazu nehmen, rät sie zu Brustarmen oder Brustbeinen. Letztere sollten zuerst an Land und dann erst im Wasser geübt werden, „am besten zuerst auf dem Rücken.“
Schwimmkurse
Wartelisten
In vielen Gemeinden müssen Eltern ihre Kinder mit einigem Vorlauf zum Schwimmenlernen anmelden, oftmals gibt es lange Wartelisten – wie zum Beispiel in Weil der Stadt oder Gerlingen. Bei den Wasserfreunden Leonberg verzichtet man inzwischen auf Wartelisten.
Sommerferien
Vielerorts finden in den Ferien mehrtägige Kompaktkurse statt – wie etwa bei den Wasserfreunden Leonberg. Dort können neben Seepferdchen auch verschiedene andere Abzeichen gemacht werden. Mehr Infos unter: www.wfr-leonberg.de
Anmeldung
Die nächste Anmeldephase fürs Anfängerschwimmen bei den Wasserfreunden Leonberg beginnt am 1. August ab 20 Uhr für Schwimmkurse von September bis Dezember. In Korntal-Münchingen können für die Kurse ab Oktober noch Plätze gebucht werden: www.schwimmschule-splash.de/korntal-muenchingen/ .