Katja Köhler. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Alltagsdinge verschwinden immer wieder. Katja Köhler hat einen Verdacht, was daran schuld sein könnte.

EsslingenNeulich ist es Wissenschaftlern gelungen, ein Schwarzes Loch zu fotografieren. Das wurde in der Fachpresse als großer Erfolg, ja sogar als nobelpreisverdächtig gefeiert. Eine Medaille des renommiertesten Preises aus Stockholm für die Abbildung eines Lochs. Das ist nachvollziehbar: Versuchen Sie mal etwas zu fotografieren, das irgendwie: nichts ist. Schwierig.

Dass man ein Nichts nicht oder doch nur schwer fotografieren kann, bedeutet allerdings nicht, dass es nicht existiert. Soweit habe ich das mit dem Schwarzen Loch verstanden. Gerade auch im Alltag. Seit langem habe ich beispielsweise die Vermutung, dass auch in meiner Handtasche so ein winzig kleines Schwarzes Loch sein Unwesen treibt. Es verschluckt Dinge, die ich ganz bestimmt hineingetan hatte: Labello, Kulis, Taschentücher, Handcreme, Geld, manchmal sogar mein Handy, das Gott sei dank bislang immer woanders wieder aufgetaucht ist. Daraus schlussfolgere ich, dass so ein Schwarzes Loch auch einen Ausgang haben muss. Sagt meine Erfahrung. Die widerspricht zwar vermutlich allem, was Wissenschaftler bisher über Schwarze Löcher herausgefunden haben. Aber mich beruhigt diese Vorstellung auf jeden Fall, zumal das Schwarze Loch offensichtlich auch über die Fähigkeit zu wandern verfügt. Von der Tasche zur Waschmaschine etwa. Zuletzt habe ich nach einer Wäsche zu drei Socken das Pendant gesucht. Und den Waschmittelbecher außerdem. Vergeblich. Dabei hatte ich wirklich, wirklich alles in die Trommel getan.

Wie gesagt: Der Erfahrung nach spuckt das Schwarze Loch die Dinge irgendwann wieder aus. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich es doch mal um die Ecke huschen sehe. Sollte ich mein Handy in dem Moment griffbereit haben, mache ich damit ein Foto von ihm und schicke es nach Stockholm. Aber wahrscheinlich hat das Schwarze Loch gerade dann das Handy endgültig verschluckt.

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