Der Unvollendete: 107 Meter hoch ragt der Turm-Rohbau aus der Fellbacher Stadtsilhouette. Foto: Dirk Herrmann

Der Einstieg des Immobilienexperten Joachim Ebner könnte die Initialzündung sein, dass der Wolkenkratzer irgendwann tatsächlich irgendwann bezogen werden kann.

Ein Großprojekt, das bald neun Jahre nach der ersten Insolvenz immer noch als eine Art Bauruine dasteht _ da liegt die Frage nahe: Wird das überhaupt noch jemals etwas? Oder ist es eine Never Ending Story? Beim Fellbacher Schwabenlandtower machte sich in der Bevölkerung jedenfalls Sarkasmus Stimmung breit.

Wie die Stimmung in Fellbach in den vergangenen Jahren war, ließ sich an den Schlagzeilen unserer Zeitung erkennen. „Der Tower-Kran wird wieder abgebaut“, lautete die Überschrift im Juli 2023. Im Februar 2024: „Fellbacher Tower als unendliches Drama.“ Im Juni 2024 dann: „Der ewig Unvollendete?“ Wenige Wochen danach: „Wer rettet den Schwabenlandtower?“ Weitere zwei Monate später: „Schwabenlandtower ohne Perspektive.“

Viele lustige Ideen für den „Dauer-Tower“

Es folgte im November vergangenen Jahres „Viele Ideen für den Dauer-Tower“ – gemünzt auf einen Aufruf der SWR-Landesschau und die dazu eingegangenen zahlreichen Nonsens-Tipps, welche Nutzungen es denn fürs Hochhaus noch geben könnte. Also die Bauruine angesichts der im obersten Stockwerk nistenden Wanderfalken als „teuerstes Vogelhäuschen der Welt“ zu nutzen.

Oder den Tower in einen „Parkplatz für Luftschiffe“ umzumünzen, angelehnt an ein Leserfoto in unserer Zeitung, das einen Zeppelin direkt an der Towerspitze vorbei fliegend zeigt. Oder den Tower in Christo-Manier ein- und dann wieder auszupacken – womöglich verbunden mit noch ein paar Euro als Einnahmen für den notleidenden Wolkenkratzer-Investor.

Sogar bundesweit wurde das offenkundig gescheiterte Projekt zum Gespött. die NDR-Sendung „Extra 3“ nahm im März den Stillstand auf die Schippe. Im Interview äußerte sich „ein schwäbischer Immobilienexperte“ so: „Da wollten ein paar Kommunalpolitiker groß rauskommen, nach dem Motto: ,Wir sind die Größten, wir haben den Längsten.’ Und das ischt granatenmäßig schiefgegangen.“ Fellbacher Fernsehzuschauer erkannten natürlich umgehend, dass es sich bei diesem namentlich nicht genannten, spitzzüngigen Schwaben um Harald Raß, den langjährigen SPD-Fraktionschef im Gemeinderat, handelte.

Geheime Verhandlungen um den Schwabenlandtower

Zeitgleich mit dieser Häme, dem Hohn und Sarkasmus schien sich in diesem Frühjahr das Blatt allerdings doch zum Guten zu wenden: „Hoffnungsschimmer für den Tower?“ lautete die Rubrik unserer Zeitung. Und im Juli: „Die geheimen Verhandlungen um den Verkauf des verwaisten 107-Meter-Wohnturms.“ Klandestine Konsultationen also, die jetzt zum erfolgversprechenden Deal mit Ebner führten.

Der Einstieg des pfiffigen Fellbacher Immobilienfachmanns Joachim Ebner lässt jedenfalls in der Sommerpause das Pflänzchen wachsen, wonach sich doch noch alles zum Guten wendet. Damit irgendwann nicht nur nächtlich die roten Warnlichter auf dem Towerdach blinken, sondern nach den Vögeln nun auch Menschen in den „langen Lulatsch“ in die beleuchteten Wohnungen einziehen und alle sehen können, dass endlich Leben in der hohen Bude herrscht.