Der neue Investor hofft, dass der Fellbacher Schwabenlandtower bei der Internationalen Bauausstellung 2027 groß rauskommt. „Die Architektur ist klasse“, sagt Joachim Ebner.
Macher zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie eine Vision haben – und diese möglichst auch zielstrebig umsetzen wollen. So ein Macher ist der aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) stammende Immobilienexperte Joachim Heinz Ebner. Für sein neuestes Projekt, den Schwabenlandtower, formuliert er jetzt diese Vorstellung: Der Wohnturm könnte doch bei der Internationalen Bauausstellung 2027 in der Stadtregion Stuttgart eine große Rolle spielen. Denn Ebner ist überzeugt: „Der Tower wäre ein echtes Leuchtturmprojekt.“
Diese Idee hat der demnächst 65-jährige Geschäftsführer von Ebner Immobilien im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert. Bei der in gut eineinhalb Jahren startenden IBA’27 ist Fellbach nach aktuellem Stand mit dem Projekt „Agriculture meets Manufacturing“ dabei. Auf einem riesigen, 110 Hektar umfassenden Areal im Westen der Kernstadt, südlich und nördlich der Stuttgarter Straße, soll es um Zukunftslösungen für Landwirtschaft und Gewerbe gehen.
Attraktion der Bauausstellung 2027
Darunter können sich auch in Fellbach viele Menschen ziemlich wenig vorstellen. So richtig verankert ist die IBA in der Stadt denn auch noch nicht. Deutlich präsenter wäre in der Öffentlichkeit freilich ein dann fertiggestellter Schwabenlandtower, der viele, an Architektur interessierte Menschen in den Fellbacher Osten locken könnte.
Die Internationale Bauausstellung 2027 sei ja nicht zufällig exakt 100 Jahre nach der wegweisenden Ausstellung 1927 auf dem Stuttgarter Weißenhof wieder hierher geholt worden, erläutert Ebner – und dieses Mal sei auch die Region um die Landeshauptstadt Stuttgart herum einbezogen.
Dies biete „eine total gute Chance“, dass nun „die Weltöffentlichkeit eben nicht nur nach Stuttgart sondern auch nach Fellbach kommt“. Doch internationale Gäste aus China, Brasilien, USA, Kanada oder von sonstwo her locke man vom Flughafen Echterdingen „nur mit herausragenden, ambitionierten und visionären Bauwerken“.
Dazu zählt für ihn der Tower – jedenfalls eher als ein Mehrfamilienhaus, wie an der Eppingerstraße in Fellbach geplant, oder ein Parkhaus in Bahnhofsnähe, spöttelt Ebner ein wenig über einstige Gedankenspiele von Stadträten, auf dem ebenfalls zum Fellbacher IBA-Gebiet gehörenden, sogenannten Klenk-Areal an der Esslinger Straße, Ecke Auberlenstraße „eine Garage zur Linderung der öffentlichen Parkplatznot in Fellbach zu bauen“.
„Die Architektur des Towers finde ich klasse“
Das 107 Meter hohe Hochhaus über der alten Bundesstraße in Fellbach jedenfalls hat es dem Immobilienfachmann Ebner auch persönlich angetan. „Die Architektur finde ich klasse“, sagt er, „der Zustand des Towers ist super und auch die Statik lässt vielfache Nutzungen zu.“ Von jeder Etage, selbst den unteren, könne man über die Dächer von Fellbach bis ins Remstal oder gen Stuttgart schauen.
Weil der von Architekt Jörg Wolf entworfene, als Wohngebäude genehmigte Turm in seiner Architektur in der Höhe bei jeder weiteren Etage auch etwas breiter wird, „schaut einem von oben auch niemand rein“. Jeder könne „individuell wohnen“.
Das Engagement für den Wohnturm sieht Ebner offenbar auch als persönliche Herausforderung. Denn seit vielen Jahren kommt er bei der Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsort nahe des Cannstatter Kurparks zum Büro in der Heerstraße 111 im Waiblinger Industriegebiet nahe des Remsparks eben an diesem seit neun Jahren im Rohbau verharrenden, 34-stöckigen Hochhaus vorbei.
Dass es für den Tower keine Lösung geben könne, wollte er jedenfalls nicht hinnehmen. Bereits vor mehr als zwei Jahren, als dann auch durch einen Bericht unserer Zeitung bekannt wurde, dass die Adler Group sich vom Tower trennen wolle, zeigte Ebner erneut Interesse.
Dieser Kontakt mündete schließlich in den mit der Adler-Group geschlossenen Vertrag. Und nun will er auch am Ball bleiben. Ebner verspricht: „Mir ist es ein Anliegen, dass dieses für Fellbach wichtige Gebäude fertig wird und wenn nun alle Beteiligten an einem Strang ziehen, müsste es auch gelingen können.“
Zeitlich befristete Unterbringung von Flüchtlingen?
Wie die Zukunft im Tower konkret aussehen wird, dazu sind natürlich noch viele Gespräche auch mit der Stadt nötig. Mehrere Konzepte für verschiedene Nutzungsvarianten hat er mit seinen Partnern bereits entworfen. Da geht es um allgemeine Wohnbebauung, aber auch um eine zeitlich befristete Unterbringung von geflüchteten Menschen in diversen Stockwerken. Die Grundrisslösungen ließen sowohl diese als auch eine daran anschließende, dauerhafte Wohnnutzung zu. Das Konzept sieht bezahlbare Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen vor.
Auch wurde der Ruf der Stadtverwaltung nach Wohnungen für Mitarbeitende Fellbacher Unternehmen gehört. Werkswohnungen bieten Chancen zur Gewinnung von Mitarbeitenden und sind staatlich bezuschusst. Nach Ebners Einschätzung sicherlich auch eine interessante Lösung. Einige Unternehmen hätten sich schon gemeldet.
Der Bau biete doch die Chance für das, was aktuell angesichts der Wohnungsnot und der Situation auf dem Markt sinnvoll ist, nämlich „eine geringe Grundstücksfläche, auf der viele Menschen wohnen“. Genau darum sei es doch auch bei der Werkbundausstellung 1927 gegangen.
Zu den weiteren Ideen zählt, Gastronomie und Hotelerie in dem Turm unterzubringen, eventuell auch ganz nach oben als „Sky Roof Bar“, oder die Flächen im Sockel- Bereich etwa für die Unterbringung und Pflege älterer Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu nutzen. Und auch „weitere Behörden“, das Deutsche Rote Kreuz oder die Polizei suchen nach Ebners Einschätzung immer wieder Flächen. „Die Ideen sind da, allerdings muss man es ja auch zahlen.“
„Es kann etwas ganz Besonderes entstehen“
In den nächsten Monaten, insbesondere nach der Sommerpause, dürfte sich konkretisieren, was möglich ist und was auch von der Stadtpolitik als sinnvoll eingestuft wird. Ebner verspricht jedenfalls volles Engagement beim Tower. Getreu seinem allgemeinen Motto: „Wir sehen die Bedürfnisse, entwickeln, bauen und kümmern uns auch Jahre nach der Erstellung noch um den Erhalt – man kann doch nicht einfach davon springen.“
Joachim Ebner, in Fellbach gelegentlich schon als der „Tower-Retter“ bezeichnet, ist jedenfalls von der positiven dauerhaften Strahlkraft des Turms überzeugt: Wenn mit Blick auf 2027 „alle mitziehen, kann sicher etwas ganz Besonderes entstehen“.