Rathauschefin Gabriele Zull ist gegen eine Landeserstaufnahmestelle im Schwabenlandtower – der neue Investor Ebner schließt die Unterbringung von Geflüchteten nicht kategorisch aus.
Wenn in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Rede davon war, wo man denn in Fellbach Flüchtlinge unterbringen könnte, dann verwiesen Leser in Briefen oder E-Mails an unsere Redaktion gerne auf jenes halb fertige Hochhaus am Rande der Stadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Dieses sei zumindest für eine solche Zwischennutzung doch gut geeignet.
Die Fellbacher Stadtverwaltung mit Oberbürgermeisterin Gabriele Zull an der Spitze hat entsprechende Überlegungen stets zurückgewiesen. Allein schon deshalb komme dies gar nicht in Frage, weil es sich beim Tower ja um ein privates Projekt handle, nämlich um eines der Adler Group.
Schwabenlandtower und Flüchtlinge – kein neues Thema
Vor einem größeren Publikum wurde die Verknüpfung von Tower und Flüchtlingen im Frühjahr 2024 in einer Sondersitzung des Fellbacher Gemeinderats genannt, als Vertreter des Landesmigrationsministeriums und des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart sich zu den umstrittenen Plänen für ein mögliches Flüchtlingszentrum in Fellbach äußerten.
Eine Bemerkung sorgte seinerzeit im bestens besuchten großen Sitzungssaal – viele mussten zwischen den Sitzreihen stehen – für große Heiterkeit. Der RPS-Referatsleiter Flüchtlingsaufnahme, Thomas Deines, stellte eine Liste mit den von verschiedenen Seiten angebotenen oder ins Spiel gebrachten Liegenschaften in Fellbach für eine mögliche Landeserstaufnahme (LEA) vor. Ein Vorschlag betraf den im Rohbau befindlichen Schwabenlandtower.
Im Auditorium brach umgehend ausuferndes Gelächter aus: Das wäre ja eine sehr einfache Lösung: Flüchtlinge rein in den leerstehenden Wolkenkratzer, und schnell wären viele Probleme aus der Welt. Doch Deines machte umgehend klar, dass dies nicht passieren wird. Der unfertige Fellbacher Wohnturm sei durchaus schon mal inspiziert und geprüft, aber dann ebenso frühzeitig als ungeeignet eingestuft worden. Im Detail verwies der RP-Beamte auf „komplizierte Eigentumsverhältnisse, die Bauweise als Hochhaus und die unverhältnismäßigen Kosten“.
Nachdem nun Immobilien Ebner beim Tower das Sagen hat, könnte sich an der Einschätzung womöglich etwas ändern. Tatsächlich schloss der in Fellbach lebende Geschäftsführer Joachim Heinz Ebner in ersten Erklärungen nicht aus, dass auch Geflüchtete in Etagen des Schwabenlandtowers untergebracht werden könnten.
Flüchtlinge im einst als Luxusturm konzipierten Tower?
Flüchtlinge im 34-stöckigen Gebäude, das einst für Luxuswohnungen gedacht war – für manche eine eher irritierende Vorstellung. Zumindest als Landeserstaufnahmestelle wird dies nach aktuellem Stand auch nicht passieren.
Das stellt die Fellbacher Oberbürgermeisterin Zull in ihren Bewertungen zu den jüngsten Entwicklungen beim Fellbacher Tower klar – nachdem die Adler Group nach zweijähriger vergeblicher Suche nun mit Ebner Immobilien einen Vertrag geschlossen hat.
Spekulationen um Landeserstaufnahmestelle
In der Stadt halten sich allerdings weiterhin Gerüchte um Spekulationen um eine LEA im Hochhaus. Auf Nachfrage unserer Redaktion erläutert nun die Rathauschefin: „Die Stadtverwaltung hat sich eingehend mit dem Wunsch der Landesregierung, eine Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete in Fellbach zu errichten, beschäftigt. Die Argumente, die unseres Erachtens gegen eine LEA im Gewerbegebiet an der Stuttgarter Straße sprechen, sind für eine LEA im Schwabenlandtower ebenfalls gültig.“
In ihrer Begründung verweist Zull auf die örtlichen Gegebenheiten, die man auch aus der Vogelperspektive erkennen könne: „Allein eine Luftaufnahme des Areals macht deutlich, dass Freiflächen oder ein Sicherheitszaun um einen eventuellen LEA-Standort im Tower nicht möglich wären.“
Die OB bezieht sich im Übrigen auf die bereits genannte Sondersitzung des Fellbacher Lokalparlaments vor 16 Monaten: „Das Regierungspräsidium hatte in der öffentlichen Gemeinderatssitzung zum LEA-Standort in Fellbach im April 2024 eine Bürgeranfrage dazu ebenfalls abschlägig beantwortet.“
Der Fellbacher Tower wird also aller Voraussicht nach keine Landeserstaufnahmestelle. Das bedeutet allerdings nicht, dass die vom RP und dem Ministerium seinerzeit genannten leerstehenden Räume eines ehemaligen Unternehmens in der Erich-Herion-Straße vom Tisch wären.
1000 Bewohner in einem Bürokomplex? „Geradezu absurd“, sagt die OB
Diese Pläne, bis zu 1000 Migranten in dem Bürokomplex im Fellbacher Gewerbegebiet unterzubringen, erscheine ihr „geradezu absurd“, erklärte Zull bereits in der Sondersitzung. So viele Menschen auf einem Grundstück ohne Außenflächen, das wäre „wahrscheinlich bundesweit ein Novum“, so die Oberbürgermeisterin.
Die Erich-Herion-Straße sei „in der laufenden, vertieften Prüfung“, erklärte Deines vor eineinviertel Jahren. Diese Expertise der Stuttgarter Entscheider dauert offenkundig weiter an – bis dato sind im Rathaus jedenfalls keine weiteren Informationen aus dem Migrationsministerium eingetroffen, ob das Land an der LEA im Fellbacher Industriegebiet festhält.