Stehen die Zeichen bald wieder auf Grün für den hier von der Abendsonne beschienenen Schwabenlandtower in Fellbach? Foto: Dirk Herrmann

Trotz der Übernahme des Projekts durch Joachim Ebner: Die Fellbacher Lokalpolitik hält sich nach den vielen Quer- und Rückschlägen der Vergangenheit mit Euphorie zurück.

Eine gewisse Erleichterung ist zumindest bei jenen, die dem Hochhaus-Projekt seit jeher eher aufgeschlossen sind, durchaus zu spüren. Doch uneingeschränkte Euphorie darüber, dass mit dem Fellbacher Immobilienfachmann Joachim Ebner sich nun jemand bereit erklärt hat, den seit neun Jahren im Rohbau stagnierenden Schwabenlandtower zu Ende zu bringen, ist kaum zu spüren.

Zu häufig hatte es in den vergangenen Jahren durch die diversen Investoren großspurig anmutende Terminverlautbarungen für die Fertigstellung des Super-Hochhauses gegeben und wurden gar Bezugstermine für den Wolkenkratzer verkündet, die sich dann als Seifenblasen entpuppten. Die auf diese Weise sich über Jahre hin aufgestaute Skepsis lässt sich nun nicht auf einmal beiseiteschieben. Und die zahlreichen Fellbacher Grundsatzkritiker eines Hochhauses an diesem Standort werden erst recht nicht zu glühenden Verfechtern des Schwabenlandtowers.

OB Zull: Fertigstellung des Schwabenlandtowers „wäre sehr wünschenswert“

Im Fellbacher Rathaus wird die aktuelle Entwicklung natürlich durchaus wohlwollend aufgenommen. Wobei das Frohlocken der Anfangsphase längst passé ist, als die Verwaltungsspitze – damals allerdings noch in anderer Besetzung – völlig begeistert war, dass durch den Gewa-Tower nun endlich „der Schandfleck“ der dort vor sich hin gammelnden Hotelruine beseitigt werden sollte. Der damalige Oberbürgermeister Christoph Palm, der das Hochhaus-Projekt vehement unterstützte, schwärmte: „Wir setzen ein Zeichen für unser städtisches Selbstbewusstsein und demonstrieren, dass es in Fellbach vorwärts und aufwärts geht.“

Die Ernüchterung folgte dann bei Palms Nachfolgerin Gabriele Zull recht schnell: Kaum war sie 2016 im Amt, gab es beim Gewa-Tower den Baustopp und die Insolvenz des damaligen Investors. „Der Turm war von Anfang an unser Sorgenkind – und ist es leider auch bis heute geblieben“, skizzierte Zull die Situation noch in ihrer Neujahrsrede Anfang 2024.

Jetzt allerdings ist die Zuversicht im Rathaus stark gestiegen. Zull erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion in einem aktuellen Statement: „In dem – im Jahr 2013 genehmigten – Tower waren grundsätzlich Wohnungen und ein Hotel vorgesehen. Eine Fertigstellung wäre bei der nach wie vor angespannten Situation am Wohnungsmarkt sicher sehr wünschenswert.“

Zull gibt sich optimistisch: „Die Stadtverwaltung würde sich freuen und wäre dankbar, wenn Herr Ebner den Tower, den er vom bisherigen Eigentümer, der Adler GmbH, erwirbt, in dieser Hinsicht entwickelt. Wir freuen uns auf Gespräche im Sinne dieser Entwicklung.“

Klar wird auch, dass man dem in Fellbach lebenden Immobilienfachmann zutraut, den Tower bezugsfertig zu bekommen. Zull: „Herr Ebner hat in Fellbach, der Region und darüber hinaus zahlreiche innovative Projekte umgesetzt. In Fellbach ist dies beispielsweise das Wüst-Areal in der Innenstadt.“

Mit hoffnungsvoller Vorfreude blicken auch weite Teile der Lokalpolitik auf das Engagement von Ebner Immobilien beim Tower. CDU-Fraktionschef Franz Plappert nennt zwei Stichworte: „Zum einen ist es ein Rohbau, zum anderen benötigen wir dringend Wohnraum.“ Das Hochhaus sei mehr als halb fertig und gehöre auf jeden Fall vollendet.

Der Vorteil: Ebner lebt in Fellbach

Ebner sei dies zuzutrauen, bisher habe er noch jedes Projekt, das er angepackt habe, auch umgesetzt. Außerdem sei Ebner, anders als die bisherigen Investoren, in Fellbach zu Hause und auch schon deswegen interessiert, den Tower zu Ende zu bringen.


Gleich zwei Stadträte kennen die anfängliche Höhengewinnung des Towers wie die anschließend jahrelange Stagnation aus nächster Nähe. Einer davon ist der Grünen-Fraktionschef Stephan Illing: „Ich wohne ja direkt gegenüber“, sagt der Kinderarzt. Und da sei es, bei aller grundsätzlichen Bedenken gegen das Projekt, „gut, wenn es vorangeht“.

Ebenfalls von seinem Balkon aus den Blick auf den Tower hat SPD-Stadtrat Hans-Peter Krause. Er gehört seit jeher zu den Kritikern und hat auch die Bürgerinitiative „Fellbach ist nicht Manhattan“ mitgegründet. Vor zwei Jahren sagte er unserer Zeitung: „Ich habe große Zweifel, dass der Tower überhaupt jemals fertig gebaut wird.“

Krause: „Baugenehmigung für den Tower ist abgelaufen“

Das sieht mittlerweile zwar anders aus. Dennoch: „Ich bleibe dabei, dass ein Hochhaus an dieser Stelle nichts zu suchen hat.“ Krause erwartet, dass auch der Gemeinderat sich demnächst mit dem Tower intensiv befassen muss. Allein schon deshalb: „Meiner Meinung nach ist die Baugenehmigung für den Tower abgelaufen.“

Martin Oettinger, Fraktionschef der Freien Wähler/Freien Demokraten, ist einerseits positiv gestimmt, dass es nun beim Tower offenkundig weitergeht. „Wir sind in der Fraktion froh, wenn sich was tut, und denken, dass dies bei Herrn Ebner richtig verortet ist.“ Allerdings räumt er auch einen lediglich verhaltenen Optimismus ein, angesichts der Tower-Historie. Seitdem die Vorgänger unter den Investoren und Managern wie Michael G. Warbanoff oder Christoph Gröner viel versprochen hätten, das dann nicht eingehalten wurde, „bin ich unheimlich vorsichtig geworden“, so Oettinger.