Der Fund einer verendeten Graugans mit Vogelgrippe hat Folgen für die Hühner auf dem Reyerhof (Archiv- und Symbolbilder). Foto: privat, imago/imagebroker

Nach dem Fund einer toten Graugans mit Vogelgrippe in Stuttgart sind Geflügelhalter in Alarmbereitschaft. Wie geht der Reyerhof in Möhringen mit der Situation um?

Eigentlich legt Lukas Dreyer großen Wert darauf, dass seine Hennen und Hähne ausgiebig Auslauf bekommen. Der Stuttgarter leitet gemeinsam mit Anna Laura Hübner den Reyerhof, einen Demeter-zertifizierten Landwirtschaftsbetrieb mit artgerechter Haltung in Möhringen. Anders als üblich dürfen die gut 270 Hühner dort ihren Stall derzeit aber nicht verlassen. Dreyer spricht deshalb von einer „massiven Einschränkung“.

Hintergrund ist der Fund einer toten Graugans mit Vogelgrippe in Stuttgart-West. Bei dem Tier war in der vergangenen Woche das Influenza-A-Virus H5N1 festgestellt worden. Seitdem sind die Stuttgarter Geflügelhalter in Alarmbereitschaft. Zwar hat das Amt für öffentliche Ordnung nach Angaben der Stadt bislang keine generelle Stallpflicht angeordnet. Doch auf dem Reyerhof müssen die Hühner vorübergehend eingesperrt bleiben. „Artgerecht ist das nicht mehr“, merkt Dreyer an.

Reyerhof in Stuttgart relativ selten betroffen

Der Landwirt weiß allerdings auch, welches Risiko die für Gelfügel hochansteckende Krankheit birgt: „Wenn man auf dem Hof einen Fall hat, muss man alle Tiere keulen.“ Bedeutet: alle Hühner töten, ohne sie verwenden zu können. Das wäre für einen Direktvermarkter wie den Reyerhof ein enormes Problem. Schließlich könnte er seine Kunden dann im Zweifelsfall über Monate hinweg nicht beliefern. Denn ein neues Demeter-Huhn bekomme man nicht auf die Schnelle, sagt Dreyer. Tiere, die unter den entsprechenden Bedingungen gezüchtet wurden, müsse er etwa ein halbes Jahr im Voraus bestellen.

Lukas Dreyer (rechts) ist Co-Leiter des Reyerhofs. Foto: Alexandra Kratz

Üblicherweise verbreitet sich die Geflügelpest in Deutschland über Zugvögel. Sie tritt deshalb vor allem im Herbst und im Frühjahr auf, wenn die Tiere wärmere Regionen ansteuern oder von dort zurückkehren. „Wir haben Glück, dass wir nicht auf der Hauptroute liegen“, sagt Dreyer. Während seiner Zeit als Leiter des Reyerhofs habe sich noch kein Huhn das Virus eingefangen. Auch eine Stallpflicht sei relativ selten und zuletzt vor drei Jahren eingetreten. „Aber jetzt ist hier halt auch mal wieder einer der Vögel vom Himmel gefallen“, fügt Dreyer mit Blick auf die verendete Graugans im Rotwildpark hinzu.

Reyerhof tauscht Herde wegen Vogelgrippe später aus

Immerhin: Die Situation trifft den Betrieb nicht komplett unvorbereitet. Bereits im Herbst war das Virus bei mehreren Wildvögeln im Land festgestellt worden. Daraufhin entschied sich der Reyerhof, den Austausch seiner Herde nach hinten zu verschieben. Gemeint ist damit, die alten Hühner planmäßig im Frühjahr zu schlachten und durch neue zu ersetzen. Mit dem Aufschub will Dreyer nun vermeiden, dass die Stallpflicht die neue Herde trifft.

Zwar erfülle der Stall die Demeter-Anforderungen mit maximal sechs Legehennen pro Quadratmeter. „Aber die Hühner sind Auslauf gewohnt“, sagt Dreyer. Eingesperrt werde ihnen auf Dauer langweilig. „Dann gehen sie sich gegenseitig an. Das kann eine ganze Herde versauen.“

Landwirt aus Stuttgart hofft auf baldiges Ende der Stallpflicht

Dreyer setzt deshalb darauf, dass die Stallpflicht vor dem geplanten Austausch endet. Seine Prognose: „Ich gehe davon aus, dass die Hühner spätestens ab Mitte April wieder raus können.“ Sollte es so kommen, halte sich der wirtschaftliche Schaden für den Reyerhof in Grenzen. Vorausgesetzt, dass die Vogelgrippe dort tatsächlich nicht ausbricht und die alten Tiere als Suppenhühner verkauft werden können.

Nach dem Ende der Reisezeit der Zugvögel winkt dem Hof erst einmal Ruhe. Denn im Sommer ist die Vogelgrippe-Gefahr gering. „Und dann hoffen wir, dass das Theater im Herbst nicht wieder von vorne losgeht“, sagt Lukas Dreyer. Seine Demeter-Hühner seien zwar gesünder und besser gegen Parasiten geschützt als Geflügel in Massentierhaltung. Aber gegenüber einem Virus sei ein Landwirt bis zu einem gewissen Grad eben machtlos.