Erzieherin Carmen Schlick beaufsichtigt die Grundschüler Liam, Auriel, Oliver und Leon beim Schnitzen. Foto: Roberto Bulgrin

Der Trägerverein des Waldkindergartens Schurwaldspatzen in Baltmannsweiler hat mit Unterstützung der Gemeinde eine Schulkindbetreuung eingerichtet. Anfang des Monats ging es los.

Baltmannsweiler - Nachmittags gehört das Gelände des Waldkindergartens Schurwaldspatzen seit Anfang des Monats den größeren Kindern. Der vom gleichnamigen Verein getragene Kindergarten hat auf einen Gemeinderatsbeschluss hin begonnen, Betreuung für Grundschulkinder anzubieten.

„Die Erzieherinnen haben im Februar mit der Planung und der Beschaffung von Inventar für die Bauwagen begonnen“, berichtet die Vereinsvorsitzende, Christine Vlasina. Aktuell werden an zwei Nachmittagen in der Woche bis zu sieben Kinder betreut. „Ab Sommer wird’s voller“, sagt Vlasina. Dann sollen bis zu zehn Kinder in der Schulkindbetreuung einen Platz finden. Ab September wird ein dritter Nachmittag, voraussichtlich der Montag, dazu kommen.

Waldkinder haben zunächst Vorrang

Die Idee zu dem Projekt sei den Vereinsmitgliedern gekommen, „weil unsere Bauwagen ab 13.30 Uhr sonst leer stehen. Das wäre doch schade“, so Vlasina. Man freue sich, dass die Idee im Gemeinderat sowie bei der Verwaltung auf großen Zuspruch gestoßen sei. Sebastian Bauer, seit Februar stellvertretender Hauptamtsleiter der Gemeinde, sagte, es sei keine schwierige Entscheidung gewesen, den Weg zu einer Schulkindbetreuung im Wald mitzugehen. „Der andere pädagogische Schwerpunkt trägt zur Vielfalt der Betreuungsangebote in unserer Gemeinde bei“, so Bauer. Darüber hinaus passe das Angebot gut zu Baltmannsweiler, „denn wir haben hier viel Wald“.

Zunächst, so die Vereinsvorsitzende, seien die Betreuungsplätze mit Kindern besetzt, die auch schon den Waldkindergarten besucht hätten. Mit der Gemeinde habe man aber vereinbart, dass auch andere Kinder aufgenommen werden können, wenn das Kind davon in besonderem Maße profitieren könne. Nach fast zehn Jahren habe sich der Verein inzwischen etabliert. Man helfe einander, wo man könne, so Bauer.

Nach den Hausaufgaben geht’s raus

Die „Schulspatzen“, wie der Verein die neue Gruppe nennt, kommen derzeit mittwochs und donnerstags in der Zeit von 12 bis 16 Uhr zur Betreuung. Dazu werden sie von Eltern oder von Angestellten des Waldkindergartens von den beiden Schulstandorten im Ort abgeholt. Anschließend essen die Kinder zusammen im Bauwagen. Auch das Mittagessen bringen in der Regel die Eltern mit. „Die Eltern sind ja auch alle im Verein, die sind es gewöhnt, sich zu beteiligen. Es gibt viel ehrenamtliches Engagement“, sagt Vlasina. „Das ist das Schöne an unserer Elternschaft. Alle sind mit Freude dabei und wollen gemeinsam etwas Gutes entwickeln.“ Das Essen für die Schulkindbetreuung werde vom „Kleinen Termin“ im Ort mit regionalen Zutaten gekocht.

Nach dem Essen sind dann die Hausaufgaben an der Reihe. Die werden – je nach Wetter oder Kind – im Bauwagen oder auch draußen erledigt. „Es ist für die Kinder oft schön, dabei nicht immer drinnen sein zu müssen“, sagt Vereinsmitglied Melanie Seidt. Den Bauwagen habe ein Schreinermeister aus Hohengehren so eingerichtet, dass Kinder verschiedener Altersgruppen dort gemütlich arbeiten können. Sind die Hausaufgaben gemacht – spätestens um 15 Uhr – geht es zum Spielen raus aufs Gelände am Waldrand.

Kein Mangel an Ideen

Was nachmittags gemacht werde, richte sich auch nach den Interessen der Kinder. Geplant sind gemeinsame Projekte, wobei diese aktuell noch schwierig durchzuführen seien. „Die Kinder sind ja nicht alle jeden Tag hier, und sie würden dann schon am gesamten Projekt beteiligt sein wollen“, so Seidt. Auch das Schnitzen unter Aufsicht gehört zu den Aktivitäten, an denen die Kinder sichtlich Spaß haben. „Alle Waldkinder machen in ihrem letzten Kindergartenjahr den Schnitzführerschein, sodass sie sicher mit Messern hantieren können“, sagt Seidt.

Damit die Schulkinder sich gerne im Wald aufhalten, soll demnächst die sogenannte Snoozle-Station am Waldrand wieder auf Vordermann gebracht werden. Dort könnten sich Kinder ausruhen und die Natur auf sich wirken lassen, sagt Erzieherin Carmen Schlick. Auch saisonal wollen die Betreuerinnen mit den Kindern in der Natur arbeiten. So plant Erzieherin Sara Hamm mit den Kleinen zu Ostern Farben aus Pflanzen herzustellen, damit Ostereier zu färben, und diese über dem offenen Feuer zu kochen. Zu Pfingsten und in den Sommerferien plant der Verein zudem Ferienprogramme, die auch für „Nicht-Spatzen“ geöffnet sein sollen. Die Ideen dafür wolle man mit der Kinder- und Jugendarbeit im Ort abstimmen.

Wer sich auf die Schulkindbetreuung im Waldkindergarten einlasse, da sind sich Vlasina und Seidt einig, müsse damit einverstanden sein, dass sein Kind dreckig werde und Neues ausprobiere. Ebenso müssten sich die Kinder auf die Natur einlassen können. So könnten sie nach der Schule gut zur Ruhe kommen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: