Die Pandemie hat gezeigt, wie mau es teils um die technische Ausstattung von Schulen bestellt ist. Gleichzeitig hat die Krise dem Ganzen einen Schub verpasst. Es gibt viel Fördergeld. Offen ist die Frage, wer sich um die Technik kümmert.
Leinfelden-Echterdingen - „Wir ziehen dezernatsübergreifend an einem Strang, wir haben keinen Fördertopf ausgelassen“, versprach der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Es gab einen Corona-Boost“, sagte er während der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses in Leinfelden-Echterdingen. Es wurde umfangreich in die Ausstattung der Schulen sowie der Lehrer und Schüler investiert. Allerdings stellt sich inzwischen die Frage, wer einmal die Folgekosten der ganzen neuen Technik übernimmt. Immerhin müssen Geräte und Infrastruktur regelmäßig gewartet und unter Umständen mit Softwareupdates versorgt oder irgendwann ersetzt werden. Bund und Land, die nun großzügig Fördergelder verteilten, sollten die Folgekosten nicht vergessen, meinte Kalbfell deshalb. „Sonst haut uns das irgendwann richtig ins Budget rein.“ Doch worum geht es eigentlich genau?
Digitale Endgeräte
Sabine Baudoux vom Amt für Schulen, Jugend und Vereine lieferte einen Sachstandsbericht zur Digitalisierung der Schulen. Unter anderem habe die Anschaffung von digitalen Endgeräten, vor allem Notebooks und Tablets, im Mittelpunkt gestanden. Inzwischen seien fast 1200 Geräte für Lehrer und Schüler beschafft worden. Das Ziel der Stadt Leinfelden-Echterdingen sei es, alle Klassenstufen mit je einem Satz Geräte auszustatten. Bis dieses Ziel erreicht sei, würden aber noch weitere 500 bis 600 Geräte gekauft werden müssen.
WLAN
Neben der Anschaffung von digitalen Endgeräten gehört die Komplettversorgung der Schulen mit WLAN zu den dringlichsten Aufgaben. Nach und nach sollen alle Schulen in Leinfelden-Echterdingen flächendeckendes WLAN bekommen. Wichtig sind die baulichen Voraussetzungen an den Schulen. Am Immanuel-Kant-Gymnasium muss beispielsweise viel getan werden, bis das WLAN läuft. Dort kosten die neue Verkabelung und das WLAN mehr als eine Million Euro.
Medienentwicklungspläne
Der Medienentwicklungsplan, kurz MEP, ist die Voraussetzung dafür, dass Schulen Mittel aus dem Digitalpakt des Bundes bekommen. Im MEP soll der Einsatz digitaler Medien geplant und die dafür erforderlichen Voraussetzungen beschrieben werden. Allerdings sind noch nicht alle MEP der Schulen in Leinfelden-Echterdingen geschrieben. „Corona hat die Schulen ganz schön ins Schleudern gebracht“, berichtet Baudoux. Nicht überall sei der MEP daher schon fertig.
Software
Die meisten Computer nutzen Office-Programme der Firma Microsoft. Allerdings lehnt der Datenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg den Einsatz von Office 365 an Schulen grundsätzlich ab. Bis eine Alternative gefunden ist, wird der Einsatz von Office 365 an den Schulen vom Kultusministerium geduldet. Die Gebühren für Softwarelizenzen übernimmt die Stadt.
Glasfaseranbindung
Bislang sind die Ludwig-Uhland-Schule, das Immanuel-Kant-Gymnasium, die Immanuel-Kant-Realschule, die Goldwiesenschule und das Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium an die Breitbandinfrastruktur der Stadtwerke angebunden. Als nächstes sollen die Schulen in Musberg und Stetten (Eichbergschule und Lindachschule) angeschlossen werden. Die bislang nicht angeschlossenen Grundschulen Zeppelinschule und Schönbuchschule könnten sogar noch in diesem Jahr mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet werden.
Reaktionen auf den Bericht
„Es ist absolut notwendig“, betonte Eberhard Wächter (Freie Wähler) hinsichtlich der Investitionen in die Schuldigitalisierung. Allerdings hätten Vertreter der Jugendgemeinderates berichtet, dass die neue Technik zuweilen noch nicht so funktioniere, wie sie funktioniere solle, so Wächter. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafften noch große Lücken. Dass sich nicht die Lehrer um die Technik kümmern könnten, das betonten der Stadtrat Martin Klein (Bündnis 90/Die Grünen) und Barbara Sinner-Bartels (SPD). „Lehrer können vieles, aber nicht alles“, meinte sie. Die Pädagogen seien für den Unterricht da. Die CDU-Stadträtin Marie Céline Kühnel betonte, dass man das Geld für die Digitalisierung gerne in die Hand nehme. Für die Fraktion L.E. Bürger sagte Sabine Onayli, dass die Digitalisierung der Schulen die Kommunalpolitik weiter beschäftigen werde. „Das wird so schnell kein Ende haben“, meinte sie.