Wegen akuter Raumnot soll die Esslinger Seewiesenschule weitere Klassenzimmer in einem geplanten Schulcontainer des Schelztor-Gymnasiums bekommen.
Steigende Schülerzahlen im Esslinger Norden und Raumkapazitäten, die damit nicht Schritt halten können: Das Problem ist bekannt und auch im städtischen Arbeitskreis Schulentwicklung schon seit Längerem ein Thema, wie Bernd Berroth, der Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, jüngst im Sozialausschuss betonte. Doch zuletzt ist die Raumnot so akut geworden, dass rasch gehandelt werden müsse. Das gilt für das Schelztor-Gymnasium genauso wie jetzt auch für die benachbarte Seewiesenschule. Bereits im Herbst 2024 hatten die Stadträtinnen und Stadträte beschlossen, dass das Gymnasium an der Barbarossastraße einen Interimsbau erhalten soll.
Ursprünglich sollte dieser Modulholzbau sieben Klassenzimmer umfassen. Nun ist geplant, ihn um drei zusätzliche Unterrichtsräume und weitere Nebenzimmer zu erweitern. Diese sollen künftig von Gemeinschaftsschülern der Seewiesenschule genutzt werden. Der Schulausschuss hat dieser Erweiterung in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Zwischen den beiden Schulen liegen geschätzt fünf bis zehn Minuten Fußweg. Gehen müssen den keine Grundschüler, vielmehr soll die 10. Klassenstufe der Gemeinschaftsschule zeitweise umziehen. „Eine Auslagerung ist alles andere als optimal, aber wir sehen derzeit keine andere Lösung“, warb Berroth um Verständnis.
Esslingen: Standort des Schulcontainers ist noch offen
Geplant ist, dass der Behelfsbau ab September 2026 in Betrieb geht. Wo genau er auf dem Gelände des Schelztors, das mit dem Slogan „Schule im Grünen“ für sich wirbt, stehen wird, ist noch nicht beschlossen. Einiges spricht aber dafür, dass der Behelfsbau auf der östlich des Parkplatzes angrenzenden Wiese an der Barbarossastraße stehen könnte. Gleichzeitig sollen die Pläne für einen Erweiterungsbau südlich des Bestandsgebäudes ab 2032 vorangetrieben werden. Zunächst ist eine Machbarkeitsstudie geplant.
Akute Raumnot an Seewiesenschule Esslingen
Auch die Seewiesenschule, zu der die einzügige Hainbachgrundschule als Außenstelle gehört, verzeichnet seit Jahren einen zunehmenden Zulauf. Bis zum Schuljahr 2012/13 war sie eine Grund- und Werkrealschule. Im Jahr 2013 ist sie als erste Esslinger Gemeinschaftsschule an den Start gegangen. Die neue Pädagogik und der rhythmisierte Ganztagesbetrieb stellten veränderte Anforderungen an das Raumkonzept. Deshalb gab es umfassende Umbau- und Erweiterungsarbeiten an Schulhaus und Mensa, die 2019 abgeschlossen wurden. Laut Stadtverwaltung orientierten sich diese Maßnahmen an einer durchgängigen Zweizügigkeit. Doch diese wird immer häufiger überschritten. Im Sekundarbereich musste dreimal eine dritte Klasse gebildet werden. Die Schule war deshalb gezwungen, Differenzierungsräume aufzulösen. „Aktuell droht die Auflösung von Fachräumen, da keine weiteren Klassenzimmer oder sonstigen Räume mehr zur Verfügung stehen“, sagt Rainer Sorg vom Eigenbetrieb Städtische Gebäude (SGE).
Ganztagsangebot an der Esslinger Seewiesenschule ist gefragt
Dazu kommt, dass auch an der Grundschule die Anmeldezahlen steigen, zum ersten Mal muss hier ebenfalls eine dritte Klasse gebildet werden. „Es gibt immer mehr Eltern, die ihre Kinder an der Seewiesenschule anmelden wollen“, sagte Schulamtsleiter Berroth in der Sitzung. Da die Grundschule durch den Verbund mit einer Gemeinschaftsschule per Gesetz nicht auf einen Schulbezirk festgelegt ist, gibt es zahlreiche Anmeldungen auch aus anderen Stadtteilen. Für viele ist vor allem die Ganztagsgrundschule attraktiv, die es seit dem Schuljahr 2017/18 in Wahlform gibt. Von fast 85,5 Prozent der Seewiesenschüler wird sie in Anspruch genommen. Ab dem kommenden Schuljahr muss eine achte Ganztagsgruppe eingerichtet werden.