Aktion für einen Fußgängerüberweg: Kinder der Kornwestheimer Silcherschule stellen selbst einen Zebrastreifen dar. Foto: /Marc Tuscher

Immer wieder setzen sich Eltern für Zebrastreifen an Schulen ein, wie aktuell in Kornwestheim (Landkreis Ludwigsburg). Warum das nicht immer gelingt und wie Eltern durch ihr Verhalten selbst für mehr Sicherheit ihrer Kinder sorgen können.

„Wenn wir schon keinen Zebrastreifen haben, dann machen wir uns selbst einen.“ Das könnte das Motto sein, unter dem sich Erstklässler kürzlich auf dem Hof der Silcherschule in Kornwestheim zu einem besonderen Gruppenbild getroffen haben. Mit einem weißen Blatt über dem Kopf und von einer Drohne aus fotografiert, stellten sie einen Zebrastreifen dar.

Die Aktion wurde von Eltern initiiert, die sich auch über eine Online-Petition dafür einsetzen, dass rund um die Grundschule Zebrastreifen gebaut werden. „Wir hoffen, dass nicht erst etwas passieren muss, damit endlich ein Zebrastreifen kommt“, sagt Emilie Geißler. Gemeinsam mit Tatjana Schneider, Antje Jensen und Jasmin Mader hat sie die Petition gestartet. Bis Sonntagmittag hatte diese 542 Unterstützer, davon 438 aus Kornwestheim.

„Wir appellieren an die zuständigen Stellen, jeweils einen Zebrastreifen an der Beethoven- und an der Karl-Joos-Straße vor der Silcherschule einzurichten“, heißt es in der Petition. Es sei „besorgniserregend“, dass der Weg direkt vor der Schule derzeit nicht ausreichend gesichert sei. Es gebe keine geeignete Maßnahme, um die Straße sicher zu überqueren.

Verkehrswacht will Elternlotsen

Neben dem normalen Durchgangsverkehr in den Straßen rund um die Schule wird in der Petition auch der Hol- und Bringverkehr durch die Eltern, die sogenannten Elterntaxis, als Problem bezeichnet. Für Jutta Kuhn, Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Ludwigsburg, liegt da ein großes Problem: „Ich bin immer für Zebrastreifen, aber es ist auch ein Umdenken erforderlich“, sagt sie mit Blick auf die Elterntaxis. Schon lange setzt sich die Kreisverkehrswacht dafür ein, dass Kinder selbst den Weg zur Schule gehen. „Wenn ich nur im Auto sitze, lerne ich nichts über den Straßenverkehr“, sagt Kuhn. So falle es Kindern als Fußgänger schwerer, Gefahren einzuschätzen.

Jutta Kuhn hat für die engagierten Eltern noch eine weitere Idee parat: „Elterlotsen.“ Der Einsatz am Runden Tisch sei sehr gut, aber wenn man einen Schritt weitergehe und sich als Elternlotse einbringe, könne man noch viel mehr für die Verkehrssicherheit tun. Diese Elternlotsen helfen zu den Stoßzeiten ganz aktiv vor Ort mit, dass Kinder sicher über die Straßen kommen. Gerade in Kornwestheim sei dies passend, sagt Kuhn, weil dort vor 75 Jahren die ersten Schülerlotsen Deutschlands ihren Dienst begannen.

Zieldatum Herbst 2024

Von der Stadtverwaltung ist zu hören, dass man dem konkreten Anliegen aus der Petition aufgeschlossen gegenüber steht. „Im Rahmen der Schulwegeplanung hat die Stadtverwaltung im Frühsommer zugesichert, die Einrichtung von Fußgängerüberwegen an allen Grundschulen zu überprüfen. So ist beispielsweise der Zebrastreifen an der Schillerschule im Sommer 2023 verwirklicht worden“, sagt Michael Siegel, Leiter des Fachbereichs Recht, Sicherheit, Ordnung der Stadt Kornwestheim.

Die Fraktion Grüne/Linke hat zudem bei den Haushaltsberatungen den Antrag gestellt, mehrere Maßnahmen rund um die Silcherschule zu prüfen – etwa die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Beethovenstraße oder die Sperrung der Straße zu Schulbeginn und -schluss. Auch ein Fußgängerüberweg wurde dabei genannt. Die Stadt will nun die Verkehrssituation im Bereich der Grundschule umfassender beleuchten. Ziel sei es, die Ergebnisse im Herbst 2024 in die Verkehrs- und Radwegeschau einzubringen.

In Sachsenheim wird Zebrastreifen erneut geprüft

Im Umfeld von Schulen gibt es kreisweit immer wieder Diskussionen, Fußgängerüberwege zu bauen. So hat man wegen vieler Elterntaxis an der Lichtenbergschule in Oberstenfeld vor einem Jahr auch an einen Zebrastreifen gedacht. Bürgermeister Markus Kleemann sagte damals, er wolle einen solchen Überweg beim Landratsamt Ludwigsburg beantragen. Nach der jüngsten Verkehrsschau wird dort als Querungshilfe nun aber eher an eine Gehwegnase gedacht.

Eine lange Geschichte hat auch der Kampf einzelner Eltern in Sachsenheim für einen zweiten Zebrastreifen an der Oberriexinger Straße, wo mehrere Schulen und Kindergärten liegen. Mit Hinweis auf die mangelnde Sichtbarkeit des Überwegs wurde dieses Ansinnen bislang stets abgelehnt. „Aufgrund weiterer Geschwindigkeitsregelungen aus Lärmgründen ist die Anlage eines Zebrastreifens aktuell erneut in der Prüfung“, teilt das Landratsamt Ludwigsburg nun auf Anfrage mit.

90 Prozent der Unfälle mit Kindern passieren beim Überqueren

Fußgänger
 Unfälle mit Fußgängern passieren laut Landesverkehrsministerium überwiegend dort, wo sie die Straße queren. Bei Kindern ereignen sich sogar 90 Prozent der Unfälle beim Überqueren.

Voraussetzungen
 Zebrastreifen können bei 200 oder mehr Autos in der Spitzenstunde des Fußverkehrs auch in Tempo-30-Zonen angeordnet werden, wenn Überquerungen besonders Schutzbedürftiger oder Überquerungen an Haltestellen zu sichern sind. Die Anordnung eines Fußgängerüberweges ist jeweils eine Einzelfallentscheidung, die unter Beteiligung der Polizei und Straßenbaubehörde entschieden wird.