Zum Schulanfang muss das Outfit stimmen. Der Schulranzen ist Teil des Gesamterscheinungsbildes von Abc-Schützen – und es gibt bei der Auswahl bestimmte Trends.
Gendergerechtigkeit auch bei Schulranzen. Früher wurden die Taschen bei „Heiges Spiel- und Lederwaren“ in Esslingen nach Mädchen- und Jungenmotiven sortiert. Doch im Zeichen der Geschlechterneutralität, sagt Geschäftsführer Jens Walter, wurde eine Neu-Kategorisierung nach Farben vorgenommen. Genützt hat es nichts. Klischees blieben. Mädchen möchten Aufdrucke mit Einhörnern, geflügelten Pegasus-Pferden, Feen oder Prinzessinnen, Jungs bevorzugen Autos oder „auch mal ein Monster“.
Nicht jede kindliche Wahl wird von Eltern akzeptiert. Es gibt auch, was Jens Walter „Mama-Ranzen“ nennt – jene Taschen, die Erwachsene favorisieren. Sie seien gediegener, solider, gedeckter. Die meisten Schulanfänger aber hätten es gern ein wenig knalliger, auffallender und bunter. Doch Vorlieben ändern sich. Ideal für wechselnde Geschmacksfragen ist der Trend „Schlichte Grundform, vielfältige Ausgestaltung“. Die meisten Schulranzen, die Jochen Liebrich von „Wall am Markt“ in Kirchheim verkauft, sind auffällig unauffällig mit Blick auf Form, Farbe oder Bildgebung. Motive seien meist gar keine drauf. Denn es gebe als besonderen Coup Patches oder Kletties. Sie können mittels Klettverschluss, via Magnet oder als Anhänger an die Schultasche angebracht und wieder abgenommen werden.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Patches können leuchten, reflektieren, strahlen. Es gibt sie rund, eckig oder strahlenförmig mit Tieren, Gesichtern, Sonnen, Früchten, Gemüse, Fahrrädern, Regenbogen oder Robotern darauf. Kreative können sie auch selbst bemalen. „Die Patches sorgen für Individualität“, freut sich Jochen Liebrich, der sich noch gut an seinen eigenen Ranzen mit einer Unterwasserwelt erinnert.
Die schwimmt heute nicht mehr ganz oben in der Gunst der Schüler mit. Polizeimotive, Dinosaurier, Schmetterlinge, Monster und Wildkatze Chiko kommen besser an, sagt Axel Kern von der gleichnamigen Schreibwarenhandlung in Reichenbach. Ein cleverer Hersteller habe auch einen Schulranzen zum Variieren kreiert. Ihn gibt es mit verschiedenen Motiven. Doch durch das Betätigen eines Reißverschlusses verschwindet das Motiv und der Ranzen wird unifarben. Fürs kindliche Wohlbefinden sorgt auch eine weitere Erfindung. An einem Modell kann die Rückenpartie ähnlich wie ein Airbag mit Luft gefüllt und wieder entleert werden, um so den Tragekomfort zu verbessern.
Denn Körpergrößen ändern sich. Schulanfang ist meist im September, Schulranzenkauf oft zu Jahresbeginn. Ein Grund dafür sind laut Jens Walter limitierte Spezialeditionen mancher Hersteller etwa mit Leuchtstreifen oder besondern Motiven, die rasch vergriffen seien.
Der frühe Kauf stellt die Verkäufer aber vor Herausforderungen. Der Schulranzen, so erklärt Petra Guth von der Buchhandlung Zimmermann in Nürtingen, sollte nicht nur gefallen, sondern auch passen. Werde die Schultasche ein halbes Jahr früher gekauft, müsse das Wachstum der Kinder bis Schuljahresbeginn einkalkuliert werden. Auch während der Grundschulzeit verändert sich die Größe von meist etwa 1,10 Metern vor Beginn bis zu 1,60 Meter am Ende. Daher sei es wichtig, dass die Ranzen gut verstellbar sind und an die Größe angepasst werden können.