Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, denen es nicht gut geht, hat nach Corona zugenommen, berichten Schulleiter. Foto: dpa/Friso Gentsch

Die CDU-Fraktion hat sich eine Schulpsychologin oder einen Schulpsychologen für die Realschule und Werkrealschule in Leinfelden gewünscht. Diese Unterstützung soll es auch bald geben. Allerdings nicht aufgrund des Antrags der Christdemokraten.

Immer mehr Kinder brauchen psychologische Hilfe, das hat Heike Hauber, die Leiterin der Immanuel-Kant-Realschule, festgestellt. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, denen es nicht gut geht, hat zugenommen“, hatte die Rektorin unserer Zeitung gesagt. Insbesondere nach Corona sei deren Zahl sprunghaft angestiegen. Diese Heranwachsenden leiden unter Angstzuständen oder Depressionen. Sie fehlten viel oder könnten sich an die Regeln der Schule nicht mehr halten. Die CDU-Fraktion wollte helfen und hatte beantragt, dass an der Leinfelder Realschule, aber auch an der benachbarten Ludwig-Uhland-Schule (LUS) künftig jeweils eine Schulpsychologin oder ein Schulpsychologe im Einsatz ist. Finanziert werden könnte das zum Teil über das Präventionsprogramm einer Krankenkasse, hatten die Christdemokraten dazu erklärt.

„Wir haben geflüchtete Kinder, haben Krieg in Europa und massive gesellschaftliche Veränderungen“, sagt die Stadträtin Claudia Zöllmer dazu. Zudem fange das Kultusministerium an, an den Realschulen und Hauptschulen herumzusägen, was die Situation nicht besser mache. Zwölf Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bieten am Staatlichen Schulamt Nürtingen Familien und Schulen Unterstützung an. Für die CDU-Fraktion ist das nur ein „Tropfen auf den Stein.“ Schließlich seien diese Fachkräfte für sehr viele Schulen zuständig.

Der Vorstoß der CDU wurde allerdings im jüngsten Sozialausschusses des Gemeinderats mit großer Mehrheit abgelehnt. Knackpunkt aus Sicht von Sozialbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell war dabei, dass die CDU auch beantragt hatte, an der Realschule eine Assistenzstelle zu schaffen. Diese Kraft sollte sich um Schülerinnen und Schüler kümmern, die aus unterschiedlichen Gründen von jetzt auf nachher nicht mehr am Unterricht teilnehmen können, aber auch Unterrichtsmaterialien organisieren und Schulbücher ausleihen und somit das Schulsekretariat entlasten.

OB Ruppaner will keine Doppelstrukturen schaffen

Diese Assistenzstelle fand bei den anderen Fraktionen keine Gegenliebe. Sie sind der Argumentationslinie der Verwaltung gefolgt. „Um eine Entlastung der Schulsekretariate aller Schulen zu erreichen, haben wir bereits mehrere Maßnahmen ergriffen“, ist dazu in einem Papier der Stadt nachzulesen. Alle zwei Jahren bemesse die Verwaltung den Beschäftigungsumfang der Schulsekretärinnen neu, weil sich dort die Aufgaben immer wieder veränderten, sagte Anette Mika-Fehrle, die zuständige Abteilungsleiterin im Sozialausschuss. Außerdem prüfe man gerade, ob einige dieser Stellen aufgestockt werden können – zumindest befristet. Im schulpsychologischen Bereich gebe es schon ein sehr breites Angebot, betonte der Oberbürgermeister Otto Ruppaner. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) – eine Landesbehörde – sehe keine Notwendigkeit nachzuschärfen. „Wir müssen auch schauen, dass keine Doppelstrukturen entstehen“, sagte Ruppaner.

Dennoch wird es vom kommenden Schuljahr an auch an der Realschule und an der LUS ein schulpsychologisches Angebot geben. Um die Folgen der Coronapandemie abzufedern, hatte der Gemeinderat 2021 ein Pilotprojekt für eine niederschwellige schulpsychologische Beratung auf den Weg gebracht. Schulleitungen sowie Eltern hatten sich das gewünscht. Die Stadt hat eine Vollzeitstelle finanziert, die bei der Psychologischen Beratungsstelle Filder des Kreisdiakonieverbands Esslingen verankert und bis Sommer 2027 befristet ist. Eine Schulpsychologin hatte dann zwei Jahre lang Beratungen und Workshops an allen Schulen der Stadt angeboten, wie zum Beispiel zur Stressbewältigung, zum Medienkonsum oder zum Umgang mit Ängsten bis sie aus familiären Gründen nicht mehr arbeiten konnte. Nach einer mehrmonatigen Vakanz ist die Stelle seit Oktober 2023 wieder besetzt, allerdings wegen des Fachkräftemangels nur mit einer 50-Prozent-Kraft. Die Stelleninhaberin ist an den beiden Gymnasien der Stadt im Einsatz, weil es dort die meisten Schülerinnen und Schüler gebe, so Mika-Fehrle.

Der Kreisdiakonieverband hat die weiteren 50 Prozent der Stelle neu ausgeschrieben. Zurzeit sieht es danach aus, dass die neue Kollegin oder der neue Kollege, seine Arbeit an der LUS und der IKR bereits zum Beginn des neuen Schuljahr aufnehmen kann, sagte die Abteilungsleiterin. „Damit wird die Forderung aus dem Fraktionsantrag erfüllt und auch IKR und LUS verfügen wieder über ein schulpsychologisches Angebot“, so der Bürgermeister. Darüber freut sich freilich auch die CDU-Fraktion.

Corona-Nachsorge

Folgen der Pandemie
In der Hochphase der Coronapandemie mussten gerade junge Menschen viel zurückstecken. „Ängste, Stress, Niedergeschlagenheit, Einsamkeit, Schwierigkeiten im Umgang mit Anderen bis hin zu psychischen Auffälligkeiten“ hätten spürbar zugenommen“, hieß es im April 2023 in einem fraktionsübergreifenden Antrag.

Stabil – Läuft bei Dir
Stadträte unterschiedlicher Couleur setzten sich mit diesem Vorstoß dafür ein, dass das Schulprojekt „#stabil – Läuft bei Dir“ in Leinfelden-Echterdingen weitergeführt wird. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Psychologischen Beratungsstelle Filder, die vom Kreisdiakonieverband Esslingen getragen wird.