Gela Hildebrandt will in Kornwestheim eine Blasrohrabteilung gründen. Dafür sucht der Senior Mitstreiter und wirbt für die ungewöhnliche Waffe. Wie er Jung und Alt überzeugen will.
Uralt und doch sehr neu ist das Blasrohrschießen. „Nach der Steinschleuder ist das Blasrohr die älteste Waffe der Welt“, sagt Gela Hildebrandt. Der Waiblinger beschäftigt sich nicht aus archäologischem Interesse mit dem Blasrohr, er will dafür sorgen, dass mehr Menschen es wieder entdecken.
Hildebrandt ist aktiv bei der Schützengilde Kornwestheim und seit 15 Jahren ein passionierter Bogenschütze. Mit über 80 Jahren nehmen bei ihm die körperlichen Einschränkungen aber zu und das Spannen des Bogens fällt nicht mehr so leicht. Er hat sich deshalb nach einer Alternative umgeschaut und ist beim Blasrohr fündig geworden. „Die Hand-Auge-Koordination hat mich gleich begeistert“, sagt Hildebrandt.
Kleine Pfeile schießen aus dem Blasrohr
Anders als beim Bogen steht der Blasrohrschütze frontal gegenüber der Zielscheibe. Die Rohre sind unterschiedlich lang und haben variierende Durchmesser. „Je länger und breiter das Rohr, desto mehr Puste braucht man“, sagt der Waiblinger. Die Kosten für das Hobby sind dabei überschaubar. Ein gutes Blasrohr bekomme man schon für 85 Euro, die Pfeile – auch Darts genannt – für wenige Euro.
Auch beim Deutschen Schützenbund (DSB) gibt es schon Fachleute zu der Sportart. „Die noch junge Sportart erfreut sich immer größerer Beliebtheit und erlebt eine rasante, europaweite Entwicklung“, heißt es auf der Webseite des DSB. Laut Hildebrandt wurden schon Meisterschaften in der Sportart ausgeführt, in der Region Stuttgart gebe es Schützenvereine, die es schon anbieten.
Zu dem erlauchten Kreis soll bald auch die Schützengilde der Salamanderstadt gehören. Am Schützenhaus in der Aldinger Straße zeigen Hildebrandt und seine Frau Sonja Olkus, wie es geht. Aus sieben Metern Entfernung schießen sie mit ihren Rohren auf kleine Zielscheiben. Die Darts kommen mit hoher Geschwindigkeit aus den Rohren geschossen und bohren sich mit ihrer Metallspitze tief in die Zielscheibe. Auch Olkus hat an dem Sport Gefallen gefunden. „Sie ist wahrscheinlich besser als ich“, sagt Hildebrandt.
Blasrohrschießen als Chancefür Schützenverein
Beim Schützenfest in Kornwestheim haben Hildebrandt und Olkus für den Sport geworben und hoffen, bald eine eigene Abteilung eröffnen zu können. Sie haben dafür sogar Blasrohre zum Leihen angeschafft. Für Schützenvereine sei das Blasrohr eine gute Möglichkeit, ältere und auch jüngere Menschen gleichermaßen anzusprechen. Schon ab sechs bis acht Jahren kann man sich nach Hildebrandts Einschätzung am Blasrohr versuchen.
Eine Disziplin des Sports erinnert an dessen historische Wurzeln. Bei „3D“ werden Kunststofftiere in einem Parcours angeordnet – der Schütze muss sich mit dem Blasrohr durch den Kurs bewegen und die Ziele „erlegen“. Dabei geht es weniger um eine Jagdsimulation – die Tiere sind nicht immer maßstabsgetreu – sondern um eine besondere Schwierigkeit beim Zielen.
Beim Schützenhaus in Kornwestheim hat Hildebrandt zur Veranschaulichung unter anderem einen Panther, eine Gans und einen Bären drapiert.
Wie beim Schießen auf Zielscheiben gilt es für Blasrohrschützen, die richtige Atmung zu trainieren und einen Luftstoß mit einem Mal kräftig herauszudrücken. Das Ganze auch noch mit ruhigem Arm, weil sonst das Rohr verzieht.