Seit Liliane Leopoldino 13 Jahre alt gewesen ist, geht es in ihrem Leben um Schokolade. Für ihre handgemachten Pralinen hat die gebürtige Brasilianerin mehrere Preise erhalten. Wo werden sie verkauft und welche Variationen gibt es?
Liliane Leopoldino steht an einer großen Maschine und drückt mit ihrem rechten Fuß ein Pedal. Die flüssige Schokolade fließt in einem dicken Strahl in einen großen Tank und wird anschließend wieder nach oben gepumpt. Die junge Frau hat eine Form mit mehreren runden Einkerbungen vor sich, die mit Lebensmittelfarbe bunt ausgemalt sind. Sie lockert ihren Tritt und lässt die süße, dunkle Masse in die Löcher fließen. Dann nimmt sie eine Art Spachtel, streicht glatt, entfernt Reste und dreht die Form schließlich um. Entstanden sind dünne Schokohüllen – die Basis für Leopoldinos Pralinen.
Die 39-Jährige mit dem Pferdeschwanz hat sich in einer ehemaligen Backstube im Stuttgarter Stadtteil Heumaden eine kleine Manufaktur eingerichtet, in der neben Pralinen auch Tafeln, Aufstriche und Kuchen entstehen. Für viele ihrer Süßis ist sie von der Academy of Chocolate ausgezeichnet worden, einem britischen Zusammenschluss von Schokoladenkennern, der Aufmerksamkeit auf den Unterschied zwischen „feiner“ und massenproduzierter Schokolade lenken will.
„Die Kombination kommt aus meinem Kopf“
Ist die Hülle trocken, geht es an die Füllung. Die besteht bei Leopoldino in der Regel aus zwei Elementen. „Die Kombination kommt aus meinem Kopf“, sagt die gebürtige Brasilianerin lachend. Neben verhältnismäßig klassischen Varianten wie Kokos oder Kirsche zusammen mit Schokolade, gibt es auch Guave-Parmesan, Caipirinha und Mango-Maracuja. Etwa 3000 Pralinen stellt Leopoldino pro Woche her. Vom Verkauf leben kann die 39-Jährige davon nicht – und trotzdem denkt sie nicht daran, etwas Anderes zu machen. Denn: sie kennt es nicht anders.
Schon im Alter von 13 Jahren verkaufte Leopoldino selbst gemachte Kuchen und Pralinen – damals „in der Schule an Mitschüler“, damit sie sich von dem Gewinn etwa einen Kinobesuch leisten konnte. In Brasilien sei so etwas ganz normal, so jung etwas Geld zu verdienen, sagt sie. Als sie erwachsen war, brachte sie anderen ihr Handwerk bei. Das war „wie eine Showküche“ in einer Manufaktur für Kuvertüre im brasilianischen Uberlândia.
Geschäft mit Schokolade lange Zeit als Nebenjob
Doch so groß ihre Leidenschaft für Schokolade auch war: Das Geschäft mit Pralinen und Kuchen war für sie immer ein Nebenjob. Daran änderte sich auch nichts, als sie mit ihrem Partner erst nach São Paulo zog und 2015 für zwei Jahre wegen seines Jobs nach Deutschland kam. Als das Paar nach kurzem Zwischenstopp zurück in São Paulo Brasilien endgültig den Rücken kehrte und mit Sack und Pack nach Deutschland kam, war für Leopoldino klar, dass sie ihre ganze Aufmerksamkeit der Schokolade widmet.
Das praktische Wissen hatte sie, das theoretische stellte sie in einer Prüfung bei der Handwerkskammer unter Beweis. Im November 2021 eröffnete sie ihren eigenen Laden namens „Pralilinen“ – eine Wortkombination aus dem, was sie herstellt und ihrem Vornamen. Ihr Mann sei auf die Idee gekommen, die sie erst blöd gefunden, später aber selbst im Kopf gehabt habe.
Bald wieder im Dorotheen Quartier erhältlich
Fast zwei weitere Jahre dauerte es, bis Leopoldino an der Mannspergerstraße im Stuttgarter Stadtteil Heumaden ihre eigenen Geschäftsräume eröffnete. Zuvor hatte sie die Küche einer Degerlocher Kochschule genutzt, dann aber wegen gesundheitlicher Probleme ihrer Mutter und ihres Mannes eine Pause einlegen müssen.
Dass ihr kleiner Laden in Heumaden weitab vom Schuss ist, stört Leopoldino nicht. Im Gegenteil: sie wohnt „direkt nebenan“ in Sillenbuch und schätzt den kurzen Arbeitsweg. Außerdem verkaufe sie den Großteil ihrer Waren ohnehin online. Die Mischung der Pralinen kann man sich beim Einkauf im Internet selbst zusammenstellen. Das ist auch bei Fyra möglich, einem Stuttgarter Conceptstore, der am Samstag, 16. März, nach kurzer Pause im Stuttgarter Dorotheen Quartier wiedereröffnet. In Degerloch gibt es die Pralinen bei Romi & Juli, fertige Boxen werden außerdem in der Kunstfactory in Esslingen und in der Brasileia in Tübingen verkauft. In ihren Laden in Heumaden, der vor allem auch als Küche dient, kommen dagegen nur wenige.
Leopoldino geht zurück an die große Schokoladenmaschine. Wieder hält sie die Form in den Händen, in deren Einkerbungen die süße Masse mittlerweile hart geworden ist. „Jetzt kommt der Deckel drauf“, sagt sie. Und dann sind preisgekrönten Pralinen auch bald schon fertig.
„Pralilinen“ mehrfach auf dem Treppchen
Auszeichnungen
Im Jahr 2023 ist Liliane Leopoldino von der Academy of Chocolate mehrmals ausgezeichnet worden. Für ihre mit Banane und Karamell sowie ihre mit Feige und Dulce de Leche gefüllten Pralinen gab es Gold. Silber erhielt sie für die Kombinationen Crunchy/Tonkabohnen und Kokos/Schokolade. Ihre mit Guave und Parmesan gefüllten Pralinen und ihr gerösteter Kokos-Erdnuss-Aufstrich wurden jeweils mit Bronze ausgezeichnet. 2022 gab es Gold für die mit Caipirinha gefüllten Pralinen und Bronze für Vanille-Himbeere.
Akademie
Die Academy of Chocolate mit Sitz in London wurde eigenen Angaben zufolge im Jahr 2005 von fünf führenden britischen Schokoladenexperten gegründet, die überzeugt davon sind, dass der Verzehr guter Schokolade zu den größten Freuden des Lebens gehört. Die Akademie setzt sich für bessere Schokolade ein und will das Bewusstsein für den Unterschied zwischen qualitativ hochwertiger Schokolade und den massenproduzierten Waren stärken, heißt es auf der Internetseite.