Sie waren mal modern. Dann verschwanden sie aus den Wohnungen. Nun sind sie plötzlich wieder mitten unter uns: künstliche Pflanzen. Aber warum, fragt sich unsere Kolumnistin
Giftgrün und glänzend erschreckt er mich auf der Kneipentoilette, ich zucke vor ihm zurück, als ich mich erhebe, um die Spülung zu drücken. Obwohl ich am Ende eines langen Tages kaum noch aufnahmefähig bin, springt mir das Ding regelrecht ins Gesicht. Dabei bleibt er ganz ruhig auf seinem Fenstersims stehen, der künstliche Farn, lässt seine langen, gefiederten Blätter über den Rand des Übertopfs wallen, ungerührt, unbelebt, unanständig. Noch während ich ihm den Rücken zuwende, werde ich beim Händewaschen erneut überrascht. Am Spiegel klebt ein Reagenzglas mit Saugnapf. Mein erster Gedanke bei seinem Anblick ist Erleichterung darüber, dass hier ein echter Eukalyptuszweig im Wasser steht, aber dieser Stängel braucht keine Feuchtigkeit, er wird ewig leben, wie mir seine harten Plastikblätter beweisen.
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