Beitragserhöhung bei Krankenkassen bringen Privatpatienten teils in Geldnot (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Zoonar

Beitragserhöhungen von mehreren hundert Euro im Monat setzen Privatversicherte unter Druck. Auch in Baden-Württemberg häufen sich Hilferufe.

Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) bringen viele Versicherte derzeit an ihre finanziellen Grenzen. Zweistellige Steigerungen sind keine Seltenheit, in einzelnen Fällen steigt der Monatsbeitrag um mehrere hundert Euro. Bundesweit betrifft das Millionen Menschen: Rund 8,7 Millionen Versicherte haben hierzulande eine private Krankenvollversicherung.

Auch in Baden-Württemberg wächst die Verunsicherung. Bei der Verbraucherzentrale in Stuttgart gehen deutlich mehr Anfragen ein als in den Jahren zuvor. „Uns erreichen viele Hilferufe von Privatkrankenversicherten, die teils massive Beitragserhöhungen erhalten haben“, sagt Peter Grieble, Leiter der Abteilung Versicherung, Pflege und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Besonders betroffen: Ältere und Selbstständige

Auffällig ist, wer sich meldet: vor allem ältere Versicherte und Selbstständige. Viele von ihnen seien in jungen Jahren in die PKV gewechselt, weil sie damals spürbar günstiger war als die gesetzliche Krankenversicherung. „Das kann über viele Jahre gut gehen“, sagt Grieble. Er fügt hinzu: „Problematisch wird es, wenn keine ausreichenden Rücklagen gebildet wurden oder sich die Einkommenssituation anders entwickelt als geplant.“

Rund 8,7 Millionen Menschen in Deutschland sind voll privat versichert. Foto: IMAGO/Westend61

Gerade im Alter werde die Situation dann schnell zur Falle. Denn der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist für die meisten Privatversicherten versperrt. Wer einmal drin ist, bleibt häufig auch dann, wenn die Beiträge stark steigen.

Experte: Erhöhungen haben teils „existenzielle Bedeutung“

Nicht jede Erhöhung sei ruinös, betont Grieble – zumindest rechnerisch. „Wenn ein Beitrag von 250 auf 450 Euro steigt, ist das prozentual ein extremer Sprung“, erklärt er. In absoluten Zahlen liege der Beitrag dann aber in einem Bereich, den auch gesetzlich Versicherte erreichen könnten. Doch für viele Betroffene ändere das wenig. „Für manche haben diese Erhöhungen existenzielle Bedeutung.“

Peter Grieble ist Referent für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Foto: Wolfram Scheible

Der Verband der Privaten Krankenversicherung nennt einen durchschnittlichen Beitragsanstieg von rund 13 Prozent. Doch dieser Wert verschleiert die Ausreißer. „Zu uns kommen vor allem diejenigen, die es besonders hart trifft“, sagt Grieble. In der Beratungspraxis der Verbraucherzentrale lägen viele Erhöhungen bei 20, 25 oder 30 Prozent – vereinzelt deutlich darüber.

Steigende Beiträge sind Teil des Systems

Dass PKV-Beiträge langfristig steigen, ist kein Betriebsunfall, sondern systembedingt. Medizinischer Fortschritt, steigende Behandlungskosten und der demografische Wandel wirken direkt auf die Beitragskalkulation. „Ein dauerhaft stabiler Beitrag ist unrealistisch“, sagt Grieble. Umso wichtiger sei eine ehrliche Beratung beim Abschluss.

Bei der Verbraucherzentrale in Stuttgart finden Betroffene Hilfe. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie

Problematisch werde es dort, wo Risiken kleingeredet oder künftige Einkommen zu optimistisch eingeschätzt würden. „Solche Annahmen rächen sich oft erst Jahrzehnte später – dann, wenn kaum noch Handlungsspielraum bleibt“, meint Grieble.

Was Betroffene jetzt tun können

Wer einen deutlich höheren Beitrag zahlen soll, sollte nicht überstürzt reagieren. Ein Wechsel zu einem anderen Versicherer ist aus Sicht der Verbraucherzentrale meist keine Lösung, da dabei angesparte Altersrückstellungen verloren gehen. Sinnvoller sei oft ein Tarifwechsel innerhalb der eigenen Versicherung.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg unterstützt Betroffene bei der Einordnung ihrer Erhöhungsschreiben und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. „Viele wissen nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, alle Wechselmöglichkeiten offengelegt zu bekommen“, betont der Verbraucherschützer. Durch geringere Selbstbehalte oder den Verzicht auf bestimmte Zusatzleistungen lasse sich der Beitrag häufig senken. Voraussetzung sei allerdings eine genaue Prüfung des eigenen Bedarfs.