Foto: Schneiderhan

In Deutschland sind zahlreiche Schmerzmittel frei verkäuflich, fast die Hälfte der Bundesbürger greift zur Pille der Wahl. Doch bei der Selbstbehandlung ist Vorsicht geboten. Erfahren Sie hier, warum Schmerzmittel keine Dauerlösung sind und Sie immer der Ursache auf den Grund gehen sollten.

Das eine Schmerzmittel für alles gibt es nicht

Immer das gleiche Präparat: Vier von zehn Frauen und Männern in Deutschen ab 14 Jahren haben ein Lieblingsschmerzmittel, das sie bei unterschiedlichen Schmerzen eigenständig einsetzen. Das belegt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK für das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Mediziner raten davon ab, bei Schmerzen verschiedenster Art stets das gleiche Medikament einzunehmen. „Ein Universalmittel gegen alle Arten von Schmerzen gibt es nicht“, verdeutlicht Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Schmerzmittel nicht eigenmächtig über einen längeren Zeitraum einnehmen

Wenn starke Schmerzen zur Regel werden, sollte sich niemand mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln über einen längeren Zeitraum selbst therapieren, sondern einen Arzt aufsuchen. Die in den Mitteln enthaltenen Wirkstoffe können Nebenwirkungen haben, die Herz und Nieren belasten und zu Magenbeschwerden führen. Wer Schmerzen einfach zu ertragen versucht, schadet sich ebenso: Schmerzen bedeuten Stress für den Körper. Das und die Angst vor weiteren Schmerzen können die Psyche belasten. Von einer prophylaktischen Einnahme in Eigenregie ist aber erst recht abzuraten!

Chronische Krankheiten wie Morbus Bechterew nicht selbst therapieren

Bei Kater-Kopfschmerzen oder einem geprellten Knöchel verschaffen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Co in der Regel schnelle Linderung. Den Rest, die eigentliche Therapie, regelt der Körper meistens von selbst. Anders sieht es bei chronischen Erkrankungen aus. Ein gutes Beispiel ist Morbus Bechterew, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule, die zur Versteifung von Gelenken führt. „Typisch für Morbus Bechterew ist ein tief sitzender Kreuzschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule“, erklärt Dr. Reinhard Schneiderhan, Facharzt für spezielle Schmerzmedizin und Leiter des Wirbelsäulenzentrums in München/Taufkirchen.

Bei Morbus Bechterew gilt: Je früher die Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen für einen positiven Verlauf. Wird die Erkrankung dagegen nicht oder unzureichend therapiert, kann die Wirbelsäule vollends versteifen.

Ziel der Behandlung von Morbus Bechterew ist es, die Schmerzen zu bekämpfen und die Beweglichkeit zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Dafür sind in der Regel gezielte Krankengymnastik und Medikamente notwendig. Verordnet werden nicht-steroidale Antirheumatika mit Wirkstoffen wie Diclofenac und Kortisonpräparate. Erzielen sie nicht die gewünschte Wirkung, kommen Biologika mit Wirkstoffen wie Secukinumab zum Einsatz.

Jeder dritte Morbus-Bechterew-Patient hat Angst vor Schmerzschüben, welche die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken. „Depressionen sind trotz intensiver therapeutischer Begleitung keine Seltenheit. In diesen Fällen rate ich zu einer begleitenden Psychotherapie“, so Dr. Reinhard Schneiderhan. „Sie kann helfen, die Ängste zu nehmen und die Lebensqualität zu verbessern.“

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