Weniger Perfektion und mehr Gelassenheit: Bloggerin Sarah Stiller ist Cottage-Gärtnerin mit Leidenschaft. Die gebürtige Münchnerin verrät das Geheimnis hinter dem englischen Gartentraum.
"Schluss mit langweiligen Gärten! Mehr Platz für Blütenfülle und Lebensfreude.“ Die Sätze, die sich glatt für ein Demo-Plakat eignen würden, stammen von Sarah Stiller und sollen zur sanften Revolution im heimischen Garten aufrufen. Sie ermutigt, gelassener zu sein, sich mehr dem echten Gärtnern und weniger der verbissenen Gartenarbeit zu widmen.
Und wenn es diese Autorin und Bloggerin geschafft hat, sollte es für Menschen, die bislang eher einen Beton-Finger statt einen grünen Daumen hatten, auch möglich sein. Denn aufgewachsen ist die Mutter von drei Jungs in den 1970er-Jahren als echtes Stadtkind direkt neben dem Hofbräuhaus in München – von Blumen keine Spur.
Aber sie spürte damals schon die Sehnsucht nach einem eigenen Garten in sich: „Ich will kein ’Handtuch mit Blümchenborte’, kein fades rechteckiges Stück Rasen mit braven, kleinen Blümchen außen herum. Mein Garten sollte verwunschen sein, Kletterrosen an der Fassade, Ramblerrosen in alten knorrigen Apfelbäumen, ein bisschen chaotisch, üppig, bezaubernd und sehr natürlich sein“, beschreibt Sarah Stiller ihren grünen Traum.
Nicht nur schöne Erfahrungen beim Gärtnern
In dieser „Sehnsuchtsphase“ habe sie jedes Wissen über Pflanzen in sich aufgesaugt, das sie bekommen konnte. Da sie gemeinsam mit ihrem Mann in den USA, in Frankreich und in der Schweiz lebte, musste die Umsetzung des eigenen Gartens bis 2011 warten. Erst dann kam der Hausbau am Ammersee und damit die Chance, selber von Grund auf zu planen.
Jetzt, Jahre später, als Besitzerin einer üppigen Cottage-Anlage, stellt sie fest: „Ein Garten ist nie fertig – und jedes Jahr ist er anders schön.“ Die Gärtnerin aus Leidenschaft gibt aber auch unumwunden zu, dass sie in dieser Zeit nicht nur schöne Erfahrungen gemacht hat.
„Viel Geld hätte ich direkt in die Pflanzlöcher geben können, statt sie in die Gärtnerei zu tragen.“ Mit Stockrosen habe sie so ihre Probleme gehabt: „Ich schaffte es einfach nicht, sie anzusiedeln.“ Und ihr Kampf gegen Wühlmäuse würde ganze Bücher füllen. Letztendlich habe sie mit Metallstangen, die von Wind erzeugte Klopf-Geräusche in die Erde übertragen, die besten Erfahrungen gemacht – und den Kampf gewonnen.
„Der Moment im Liegestuhl darf nicht zu kurz kommen“
Und was war die gärtnerische Glanzleistung? „Meine Rumblerrosen, die wunderschön in die Bäume hineinwachsen.“ Das Buddeln in der Erde habe sie auch ehrfürchtig gegenüber den großen und kleinen Wundern in der Natur gemacht. „Ich staune jeden Tag.“ Deshalb genieße sie an manchen Tagen einfach nur die Schönheiten in ihrem Garten und überlasse das Gestalten von Zeit zu Zeit der Natur: „Der Moment im Liegestuhl darf nicht zu kurz kommen“, formuliert es die ehemalige PR-Managerin.
Auch jetzt im März, wenn viele Pflanzenfreunde schon ungeduldig durch die Beete spazieren, sitzt Sarah Stiller noch gelassen auf ihrem Sofa, schreibt lieber an ihrem Gartenblog. „Vor Mitte April beginne ich selten mit dem Rückschnitt.“ Erst wenn die Tulpen blühen, ist für die Expertin die neue Saison da. „Dann beginnt für mich der Frühling und es gibt kein Zurück mehr.“
Sarah Stiller: Beobachten lautet das Zauberwort
Welches sind die ersten Schritte zu einem Wohlfühlgarten? Hier laute das Zauberwort „beobachten“: Wo scheint wann die Sonne hin? Was wächst schon von alleine? Sarah Stiller: „Nehmen Sie sich Zeit und fragen Sie sich: Was will ich wirklich? Einen Garten zum Entspannen? Oder will ich mich selbst versorgen? Sollen die Kinder darin spielen können?“
Sarah Stiller rät dazu, bewusst und mutig Räume zu schaffen. Dabei helfen Fragen wie: Wo will ich entspannen und wo möchte ich abends sitzen? Je nach Antwort ergeben sich dann Pflanzen und Farben. Es reiche aber nicht, einfach verschiedene Bereiche zu schaffen. „Man muss diese auch verbinden, beispielsweise durch Wege.“ Sonst verpufften Nutzen und Charme.