Stuttgarts Nicolas Gonzalez (unten) hat gegen den Frankfurter Sebastian Rode das Nachsehen. Foto: dpa - dpa

Beim VfB Stuttgart ist seit Februar ein Aufwärtstrend zu erkennen, wobei die Ergebnisse weiterhin eine andere Sprache sprechen. Gelingt im Endspurt noch die Wende zum Guten?

StuttgartDie Aufarbeitung beim VfB Stuttgart begann direkt am Montagmorgen – mit schwerem Gerät. Drei Traktoren und ein Bagger waren im Einsatz, auf dem Parkplatz des Clubgeländes an der Mercedesstraße türmte sich am Tag nach der 0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt ein großer Erdhaufen auf, der auf einen LKW verladen wurde. Auf Trainingsplatz 3, auf dem die VfB-Profis im Wechsel mit Trainingsplatz 1 üben, wurde die oberste Schicht abgetragen, in den nächsten Tagen kommt ein neuer Rollrasen drauf. Eine Routinegeschichte, regelmäßig wiederkehrend.

So wie der Kampf gegen den Abstieg. Auch damit haben die Stuttgarter mittlerweile viel Erfahrung. Und die lehrt sie: Ruhe bewahren, positiv bleiben, egal, was passiert. Zu viel kann in zu kurzer Zeit geschehen. Wobei der VfB um Trainer Markus Weinzierl nun schon seit dem 16. Spieltag durchgängig den drittletzten Tabellenplatz belegt, den Relegationsrang. Der bittere Gang in die zwei Entscheidungsspiele gegen den Tabellendritten der zweiten Liga Ende Mai erscheint Stand jetzt als das wahrscheinlichste Szenario. „Bitter wäre etwas anderes, aber das Wort nehme ich nicht in den Mund“, sagt VfB-Präsident Dietrich.

Abstieg nicht ausgeschlossen

Ausgeschlossen ist das, was der Clubchef nicht aussprechen möchte – der Abstieg – allerdings längst auch nicht. Der Abstand nach unten ist nach den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes und vor dem Duell mit dem Tabellenvorletzten 1. FC Nürnberg am Samstag (15.30 Uhr) mit nur vier Punkten kleiner als nach oben. „Da muss gepunktet werden. Wir wissen alle um die Bedeutung“, sagt VfB-Torwart Ron-Robert Zieler.

Beim Tabellenvierten Eintracht Frankfurt gab es für den VfB am Sonntagabend wie schon so oft in dieser Rückrunde bei einer Spitzenmannschaft Komplimente, aber keine Punkte. Lob formulierte beispielsweise Adi Hütter. Der Erfolgstrainer von Eintracht Frankfurt ist überzeugt, „dass Markus Weinzierl das auf die Reihe bringt“: „Die Stuttgarter haben schon eine tolle Mannschaft, von der Qualität der Mannschaft her dürften sie normal nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Doch die Fakten sprechen eben eine andere Sprache. Die Stuttgarter stecken tief drin im Schlamassel und haben in den ersten zehn Partien der Rückrunde nur einen Punkt mehr geholt als zum vergleichbaren Zeitpunkt in der Hinrunde (damals fünf, jetzt sechs). Sie haben sichtbar mehr defensive Stabilität entwickelt, aber genau gleich viele Gegentore bekommen (je 24). Einen VfB-Auftritt ohne Gegentreffer gab es in diesem Jahr noch nicht.

Zwar haben die Stuttgarter die Zahl der eigenen Tore im Vergleichszeitraum von 6 auf 14 gesteigert, aber das Offensivspiel ist weiter ein Problem. Die Suche nach einem neuen Stürmer für die Rückrunde blieb erfolglos, bis Saisonende muss der VfB mit dem Personal auskommen, das er hat. „Die Winterpause ist kein Wunschkonzert. Ich wüsste keinen Transfer, der gelaufen ist, der uns weitergebracht hätte. Dass uns jemand geholfen hätte, der jetzt acht Tore schießt, ist keine Frage“, sagt Präsident Dietrich. „Mit der Mannschaft, dem Trainer und dem Umfeld, das wir haben, müssen wir die Liga halten. Es gibt keine andere Option.“

Es ist beim VfB zwar seit dem Desaster in Düsseldorf (0:3) im Februar ein Aufwärtstrend zu erkennen, doch so lange das nicht mit entsprechenden Ergebnissen in Einklang gebracht wird, hilft das eben nicht viel. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. Wir haben noch vier Heimspiele, und die müssen wir alle gewinnen, fertig – so einfach ist es“, sagt Dietrich.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der VfB die Nürnberger und danach auch den wankelmütigen Tabellensiebten Bayer Leverkusen (13. April), den schwächelnden Tabellenfünften Borussia Mönchengladbach (27. April) und am vorletzten Spieltag den hochfliegenden Tabellenachten VfL Wolfsburger (11. Mai) bezwingt. Bis jetzt steht gegen die Teams aus der vorderen Hälfte des Klassements allerdings nur ein Sieg zu Buche – bei zwölf meist deutlichen Niederlagen sowie zwei Unentschieden. Und einem Torverhältnis von 7:39 Treffern. „Die Statistik ist natürlich brutal“, sagt Torwart Zieler.

Genauso brutal: Nach 27 Spielen steht der VfB bei 20 Punkten. Die schlechteste Ausbeute der Stuttgarter in der Bundesliga liegt bei acht Siegen, acht Unentschieden und 18 Niederlagen. In der Saison 1974/75 (24:44 Zähler bei Zweipunkteregel) stiegen sie damit ab, in der Saison 2013/14 (32 Zähler bei Dreipunkteregel) schafften sie damit den Klassenverbleib. Egal, wie die Saison es vollends ausgeht, wird es bei der Aufarbeitung mit oberflächlichen Eingriffen wohl kaum getan sein – anders als auf Trainingsplatz 3.

Die Restprogramme

14. Schalke 0426 Punkte/-16 Tore

Eintracht Frankfurt (H), 1. FC Nürnberg (A), 1899 Hoffenheim (H), Borussia Dortmund (A), FC Augsburg (H), Bayer Leverkusen (A), VfB Stuttgart (H)

15. FC Augsburg25/-13

1899 Hoffenheim (H), Eintracht Frankfurt (A), VfB Stuttgart (H), Bayer Leverkusen (H), Schalke 04 (A), Hertha BSC (H), VfL Wolfsburg (A)

16. VfB Stuttgart20/-33

1. FC Nürnberg (H), Bayer Leverkusen (H), FC Augsburg (A), Borussia Mönchengladbach (H), Hertha BSC (A), VfL Wolfsburg (H), Schalke 04 (A)

17. 1. FC Nürnberg16/-30

VfB Stuttgart (A), Schalke 04 (H), Bayer Leverkusen (A), FC Bayern München (H), VfL Wolfsburg (A), Borussia Mönchengladbach (H), SC Freiburg (A)

18. Hannover 9614/-38

VfL Wolfsburg (A), Borussia Mönchengladbach (H), Hertha BSC (A), FSV Mainz 05 (H), FC Bayern München (A), SC Freiburg (H), Fortuna Düsseldorf (A)

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