Beim Umgang mit dem kostenlosen WLAN hilft Pfarrer Ernst Herrmann (links) dem syrischen Flüchtling Jned Ossi. Foto: Golitschek Quelle: Unbekannt

Von Nadja Golitschek

Als Jned Ossi mit seiner Familie und weiteren syrischen Flüchtlingen in das evangelische Gemeindehaus in Schlaitdorf zog, kümmerte sich Pfarrer Ernst Herrmann nicht nur um Möbelspenden. Er organisierte auch freies WLAN. „Das ist für sie notwendiger als für uns und ein Weg zur Integration“, erklärt der 62-Jährige.

„Viel gibt es da ja nicht zu sehen“, sagt Pfarrer Ernst Herrmann und deutet auf den kleinen schwarzen Kasten, der an der kahlen Wand im evangelischen Gemeindehaus in Schlaitdorf hängt. „Freies WLAN/Free WIFI ‚Freifunk‘ Stuttgart“ ist dort zu lesen. Für die Bewohner des Gemeindehauses - drei Flüchtlingsfamilien aus Syrien - ist dieser schwarze Router, der sie mit kostenlosem WLAN versorgt, aber besonders wichtig.

„Wenn die Verbindung mal nicht so gut ist, gibt es große Aufregung“

Seit Ende vergangenen Jahres wohnen die Familien im Untergeschoss des Gemeindehauses. In einem kleinen Zimmer lebt Jned Ossi mit seiner Frau und den beiden Kindern. Den Großteil des Raumes nehmen der weiße Tisch in der Zimmermitte und die orange Couch ein. „Der Tisch ist vom Landratsamt gestellt worden“, sagt Herrmann. „Das Sofa war eine Spende von Schlaitdorfer Bürgern. So etwas kriegt man vom Landratsamt nicht.“

Der 62-Jährige schaut regelmäßig bei den syrischen Familien im Gemeindehaus vorbei, auch um zu sehen, ob der „Freifunk“-Router und somit das WLAN funktioniert. „Wenn die Verbindung mal nicht so gut ist, gibt es große Aufregung.“ Heute ist die Verbindung sehr gut. Dann kann Jned mit seinen Eltern in Syrien telefonieren. Bei schwächerer Verbindung kann er ihnen immerhin über „WhatsApp“ eine Nachricht schreiben und sich erkundigen, wie es ihnen geht und wie die Lage in Syrien ist.

Jned kocht in dem kleinen Zimmer Instantkaffee. Sein Sohn und seine Tochter, drei und fünf Jahre alt, sind im Kindergarten. Pfarrer Herrmann sitzt auf der orangen Couch, auf einem Laptop laufen über die Internet-Mediathek die „Rosenheim-Cops“. „Das läuft hier flüssiger als bei mir daheim“, sagt der Theologe lachend mit Blick auf die Krimiserie. „Wenn sie langsam sprechen, verstehe ich etwas“, erzählt Jned, der zurzeit Deutsch lernt. Der 36-Jährige und seine Familie sehen sich über das Internet regelmäßig deutsche Nachrichten und Serien an. „Ich muss jeden Tag Deutsch hören und sprechen, sonst vergesse ich schnell.“ Die Deutschstunden, die Jned und seine Frau an drei Tagen in der Woche besuchen, reichen da allein nicht aus.

Bevor Jned den Kaffee serviert, muss er erst den Tisch frei räumen. Darauf liegen ein Arabisch-Deutsch-Wörterbuch, Arbeitsblätter, ein Schreibblock und Jneds Smartphone. Seine Deutschlehrerin hat ihm eine E-Mail geschickt mit einem Link zu einer Website, auf der die deutsche Grammatik erklärt wird. „Dativ, Akkusativ, Genitiv - das müssen wir alles lernen. Gar nicht so einfach.“ Mit einer Sprach-App lernt er Vokabeln und deutsche Redewendungen. Auch dabei hilft ihm das kostenlose WLAN.

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