Sanierungsstau: Turnhalle der Eduard-Mörike-Schule in Böblingen. Foto: /Stefanie Schlecht

Böblingens Sportstätten sind zum Teil in einem desolaten Zustand. An der Turnhalle der Eduard-Mörike-Schule nagen bereits die Mäuse, schreibt Jan-Philipp Schlecht.

Die Schülerinnen und Schüler an der Böblinger Eduard-Mörike-Schule sind um ihre Turnhalle nicht zu beneiden. Der Zweckbau befindet sich in einem Schulkomplex, der 1967 eingeweiht wurde. Vor 57 Jahren lobte man noch die Sparsamkeit, mit der der dreigliedrige Bau eilends hochgezogen wurde: Waschbeton-Platten im Baukastensystem paaren sich mit sparsamem Materialeinsatz im Innenraum. Doch jetzt, fast sechs Jahrzehnte später, zeigt sich die Kehrseite dieses schwäbischen Kostenbewusstseins.

In die Turnhalle zieht die Feuchtigkeit durch alle Ritzen, es mieft gewaltig, die sanitären Anlagen sind kaum zumutbar. Zudem nagt das Ungeziefer in Form von Mäusen an der Halle. Auf die jüngsten Hinterlassenschaften reagierte Schulleiterin Sabine Vallon konsequent: Sie schloss die Halle kurzerhand für den Schulbetrieb und bat die Stadt um Beseitigung. Die richtige Entscheidung. Erfreut sich das Bodenturnen in der Schülerschaft ohnehin keiner großen Beliebtheit, ist ein Rolle vorwärts in Anbetracht von Mäusekot nun wirklich keinem zuzumuten.

Die Stadt handelte umgehend, ließ eine Reinigungsfirma den Dreck beseitigen und die Halle desinfizieren. Doch auch der zügige Hilfseinsatz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Turnhalle sich in einem desolaten Zustand befindet. Und der ist kein Einzelfall. Erst nach anhaltendem öffentlichen Druck wurden etwa im Böblinger Stadion am Silberweg im November 2023 die Duschen repariert. Die dort trainierenden Mannschaften mussten über Monate mit kaltem Wasser Vorlieb nehmen, bis dann irgendwann gar keines mehr kam und Gegner von Auswärts nach der Partie ungeduscht die Heimreise antreten mussten. Oder der Kunstrasenplatz oberhalb der S-Bahn-Haltestelle Goldberg: Auch er steht wegen Bauarbeiten inzwischen fast ein ganzes Jahr nicht zur Verfügung.

Stadt ist nicht untätig

Das Rathaus gelobt bei all den Baustellen Besserung: Die Sanierung der Schulen sei neben der Kita-Offensive ein Hauptaugenmerk im Gebäudemanagement. Immerhin: Schulhäuser machen den größten Teil der städtischen Liegenschaften aus. Es scheint allerdings, dass der Fokus dabei mehr auf den Klassenzimmern und weniger auf den Sporthallen liegt.

Der Stadt aber Untätigkeit vorzuwerfen, wäre verfehlt. Mit dem Schulzentrum Stockbrünnele errichtet sie an der Kremser Straße einen durch und durch nachhaltigen Campus und lässt sich das geplant 66,5 Millionen Euro kosten – Stand jetzt. Denn die Kosten stiegen bereits um ein sattes Drittel. In dem Kontext sind die jüngsten Kostensteigerungen bei den archäologischen Grabungen auf dem Schlossberg schwer verdaulich. Das Zähneknirschen im Gemeinderat am Mittwoch dürfte noch auf dem Grabungsfeld zu hören gewesen sein.

Wen wird es wundern? Schließlich explodierten die Kosten für diese Untersuchungen im Untergrund von anfänglichen 100 000 Euro auf zwischenzeitlich rund 800 000 Euro im September vergangenen Jahres. Jetzt wurde bekannt, dass auch das nicht reichen wird. Die Summe für das Freilegen der historischen Bausubstanz kratzt an der Millionenmarke – und zwar nur für den südlichen Bereich. Um herauszufinden, was im nördlichen Bereich des Schlossbergs im Boden schlummert, müsste weiteres Geld ausgegeben werden. Wie viel, ist noch unklar. Damit hat die Idee der Schlossberg-Bebauung schon eine Verzehnfachung der Kosten erlebt, bevor darüber überhaupt entschieden wurde.

Und die Turnhalle der Eduard-Mörike-Schule? In ihr kann zwar bis auf Weiteres wieder geturnt werden. Doch sobald Schulleiterin Sabine Vallon wieder Mäusedreck findet, fällt der Sportunterricht erneut flach.