Die Premiere beim SC Altbach begeistert Kinder und Eltern. Und auch die Inklusionsmannschaft des Vereins – die es erst seit knapp einem Jahr gibt – stößt auf reges Interesse.
„Er liebt Fußball“, sagt Dirk Hammerschmidt über seinen Sohn Justus. Der Siebenjährige hat das Downsyndrom und kommt regelmäßig zum Training der Inklusionsmannschaft des Sport-Clubs (SC) Altbach. Am Samstag hat der Fußballverein zu seinem ersten Inklusionstag in die Sporthalle in Altbach eingeladen. In der Halle gab es über den Vormittag verschiedene Sportstationen mit Fußballbezug. Am Nachmittag fand ein inklusives Turnier statt, bei welchem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam auf dem Platz standen.
Sportangebote für Kinder mit Behinderung seien selten, berichtet Hammerschmidt, der mit seiner Familie in Esslingen wohnt. Über Mund-zu-Mund-Propaganda seien sie auf das noch junge Angebot in Altbach aufmerksam geworden. Im April 2025 ging die Inklusionsmannschaft an den Start. „Es ist toll“, sagt der Vater über das Training, das alle 14 Tage auf dem Fußballplatz in Altbach stattfindet. Neben den Kindern mit Behinderung seien auch die Eltern und Geschwister dabei. Die Spieler der Mannschaft hätten ganz unterschiedliche Einschränkungen. Ihnen gemein ist, dass ihnen der Sport in einer nicht-inklusiven Mannschaft, wo es schon in jungen Jahren um Leistung geht, wohl wenig Spaß machen würde.
Dass Inklusion auch an anderen Stellen so gut gelingt wie beim SC Altbach, das würden sich nicht allein die Hammerschmidts wünschen. Die Wirklichkeit sei aber zuweilen eine andere, weiß die Familie. Nicht überall, wo „Inklusion“ draufstehe, werde sie auch tatsächlich umgesetzt. Guter Wille sei zwar eine gute Voraussetzung, genüge aber meist nicht. Damit ein Inklusionstag gelinge, müssten viele Hände mitanpacken. „Da braucht es den Zusammenhalt eines Vereins“, sagt Hammerschmidt.
In der Inklusionsmannschaft des SC Altbach stehe der Spaß im Vordergrund, betont er. Den Teilnehmern gehe es darum, gemeinsam eine gute, unbeschwerte Zeit zu verbringen. Und es sei nicht allein die Aktivität auf dem Sportplatz, die tut tue. Hammerschmidt lobt auch das Vereinsleben abseits des Sportplatzes, an welchem Familien mit behinderten Kindern sonst häufig nicht teilnähmen. So seien sie vergangenes Jahr etwa bei der Weihnachtsfeier des Vereins dabei gewesen. Zudem tauschten sich die Familien der Inklusionsmannschaft regelmäßig aus. Ein ist ein Netzwerk entstanden. „Es tut gut, man fühlt sich nicht mehr allein“, sagt der Vater.
Anfangs kamen zwei Kinder zum Training, jetzt sind es 15
Ins Leben gerufen hat das besondere Angebot beim SC Altbach Gaetano Protomasto. Manchen seiner Jugendspieler habe er früher für Trainings- und Spieltermine immer wieder hinterhertelefonieren müssen, erinnert er sich. Gleichzeitig habe es Kinder mit Behinderung gegeben, die gerne Fußball gespielt hätten, für die es aber in Altbach kein Angebot gab. „Manche wollten nicht, andere wollten, aber konnten nicht“, erklärt der Jugendtrainer. Beim ersten Inklusionstraining sind zwei Kinder gekommen, inzwischen seien sie 15, ergänzt Vereinsvorstand Stephan Schnabel. Das Angebot werde gut angenommen und solle ausgebaut werden.
Zurück zu Justus. Obwohl das bewegungsintensive Programm seit Stunden läuft, ist der Junge weiter am Rennen, Balancieren und Bälle schießen. „Er ist froh, wenn er unter Menschen ist“, sagt Vater Dirk Hammerschmidt. Während anderen Kindern der Trubel vielleicht zu viel gewesen wäre, fühlt sich Justus sichtlich wohl beim Herumtollen mit den Gleichaltrigen. Das Sprechen fällt dem Jungen noch schwer. Er spreche bisher nur einzelne Wörter, sagt sein Vater.
Der Inklusionstag ist für Justus genau das richtige
Dennoch ist sich Dirk Hammerschmidt sicher, dass Justus viel Spaß hat. Die Gestik und Mimik des Kindes beim Inklusionstag unterstreichen dies. Wenn man zuhause nur „Fußball“ sage, wolle Justus sofort los, erzählt Hammerschmidt. Auch im Fernsehen oder live wolle der Junge immer zusehen, wenn sich eine Gelegenheit ergebe. Der Inklusionstag des SC Altbach sei genau das richtige für ihn. „So etwas wünscht man sich öfter“, sagt der Vater. „Zuhause fällt uns die Decke auf den Kopf.“
Training Wen nun neugierig geworden ist, darf zum Training auf dem Sportplatz in Altbach vorbeikommen. Die nächsten Termine sind an den Samstagen, 14. Februar, sowie 7. und 21. März. Beginn ist jeweils um 10 Uhr, trainiert wird mit Kindern mit Handicap bis 14 Jahre.