Um das Münchinger Freizeitbad auf Vordermann zu bringen, muss die Stadt Korntal-Münchingen tief in die Tasche greifen. Wie geht es weiter?
Bistro geschlossen, Sauna unbenutzt, Physiopraxis verwaist, hinzu kommen Mängel am Bauwerk, bei den Versorgungsleitungen, den Becken, bei der Technik, den Umkleiden und Duschen: Das Münchinger Freizeitbad ist in die Jahre gekommen – und braucht dringend die Aufmerksamkeit der Stadt. Ein Planungsbüro hat jetzt festgestellt, dass es „zwingend notwendig“ sei, das „gepflegte“ Bad für „einen dauerhaften Erhalt einer Generalsanierung zu unterwerfen“.
Allein die würde die Stadt Korntal-Münchingen sieben bis neuneinhalb Millionen Euro kosten. Weitere rund fünf Millionen Euro müsste die Stadt in die Hand nehmen, um das Bad aus dem Jahr 1974 fit für die Zukunft zu machen und ihm ein „modernes Gesamterscheinungsbild“ zu verpassen. Würde die Verwaltung dann noch knapp drei Millionen Euro drauflegen, wäre das Angebot besser und das Bad somit noch attraktiver – zum Beispiel durch Gastronomie und einen größeren Außenbereich. Aktuell hat das Freizeitbad vier Becken, darunter ein Außenbecken, mit insgesamt rund 700 Quadratmetern Wasserfläche.
Gastronomie, sagt der Bauamtsleiter Alexander Bagnewski, sei nur sinnvoll beziehungsweise wirtschaftlich für den Betreiber, wenn den Gästen warme Küche angeboten werde und das auch außerhalb der Öffnungszeiten des Freizeitbads. Das frühere Bistro wiederherzustellen würde wohl rund eine halbe Million Euro kosten. „Aus unserer Sicht fehlt Eis“, sagt Alexander Bagnewski. Ein Eisautomat für rund 20 000 Euro könnte die drei Automaten mit Kaltgetränken, Kaffee, Süßigkeiten und Salami ergänzen, die bereits im Eingangsbereich stehen, schlägt der Bauamtsleiter vor.
Vielleicht gibt es künftig auch Eis?
Der Fraktionschef der FDP, Peter Ott, sagt, er tendiere zu der bereits vorhandenen Automatenlösung. Alles andere würde die Kosten in die Höhe treiben. Anne-Hilde Föhl-Müller (Freie Wähler) spricht sich dafür aus, Eis anzubieten. „Es gibt auch Pizzaautomaten“, räumt sie ein – deren Qualität kenne sie aber nicht. Oliver Nauth, der Fraktionschef der CDU, fordert eine „berechenbare Zeitschiene“ sowie die Gewissheit, dass die Maßnahmen zur Erhaltung des Freizeitbads gesichert sind. Was im Jahr 2028 sei, wisse heute noch keiner. „Wir schieben Sanierungen, bis wir mit dem Rücken zur Wand stehen und haben dann Zeitdruck.“
Bad über die Stadtgrenzen hinaus beliebt
Nach Ansicht der Stadtverwaltung kann eine große Sanierung frühestens in drei Jahren beginnen. Nach der Sommerpause wird der Gemeinderat zunächst nicht-öffentlich zusammenkommen, um festzuzurren, wie es weitergeht. Ein Sanierungskonzept soll in einem Planungsbeirat und mit Fachplanern erarbeitet werden.
Ein Jahr später oder Anfang 2027 sollen dann erst mal kleinere Arbeiten, wie die Sanierung der Lüftungsanlage des Kleinkindbereichs, für insgesamt rund 860 000 Euro erfolgen.
Wieder längere Öffnungszeiten
Anne-Hilde Föhl-Müller bringt erneut den Warmbadetag ins Spiel. Dass er abgeschafft wurde, „kostete uns viele Gäste“, ebenso die kürzeren Öffnungszeiten. Vor Corona besuchten jedes Jahr rund 210 000 Menschen das Freizeitbad, das auch viele Nicht-Korntal-Münchinger lockt. Seit der Pandemie ist die Zahl der Besucher gesunken, auf 172 000 im vergangenen Jahr und 158 000 im Jahr zuvor.
Laut der Rathaussprecherin Angela Hammer wurden die Öffnungszeiten seit der Coronajahre wegen Personalmangels „leicht reduziert“ – und bislang nicht wieder geändert. Die gute Nachricht: „Wir beabsichtigen noch in diesem Jahr die Öffnungszeiten wieder zu erweitern und damit auch wieder mehr als 200 000 Badegäste begrüßen zu können“, sagt Angela Hammer. Das Bad beschert der Kommune ein Defizit von jährlich ungefähr 900 000 Euro.